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Vodafone-Chef Ametsreiter zeigt GigaTVVodafone-Chef Ametsreiter zeigt GigaTV Wer die Wahl hat, hat die Qual. Seit es auf dem deutschen Fernsehmarkt ein paar mehr als drei Sender gibt, die auch noch Mediatheken haben, seit Video-on-Demand-Angebote und Streaming-Dienste wachsen, ist es ziemlich unübersichtlich geworden auf dem Bildschirm.

Das dachte sich auch der TV- und Mobilfunkanbieter Vodafone, der dieses Chaos nun ordnen und damit Geld verdienen will. Vom 12. Februar an soll die neue Fernsehplattform GigaTV verfügbar sein. Das Besondere: Sie vereint Sender, Apps, Videotheken mit 5000 On-Demand-Filmen und 55 Mediatheken unter einer gemeinsamen Oberfläche mit übergreifender Suchfunktion. Zudem wird der Musik-Streaming-Dienst Deezer unterstützt und auch Maxdome und Sky sollen an Bord sein. Weitere Mediatheken und Streaming-Dienste seien in Planung.

"Das bringt Ordnung in das stetig wachsende Anbieter- und Content-Angebot", teilt Vodafone heute in München mit. 500 internationale Experten haben nach Unternehmensangaben zwei Jahre lang an GigaTV getüftelt, mit dem Vodafone gegen Dienste der Konkurrenz wie Entertain von der Deutschen Telekom, Horizon von Unitymedia und AdvanceTV von Tele Columbus antritt.

GigaTV über Settop-Box und Apps

Auf den heimischen Fernseher kommt GigaTV über eine Settop-Box. Sie hat ein Terabyte Speicher an Bord für eigene Aufnahmen. Unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet kann es mit einer App (Android und iOS) empfangen werden. Die Inhalte sind über die verschiedenen Anbieter hinweg in einer zentralen Datenbank erfasst, so dass die Anwender im Live-Programm, aber auch den Mediatheken der Sender oder bei Anbietern wie Maxdome gleichzeitig stöbern können.

14,99 Euro soll das Standard-Produkt des Endergebnisses im Monat kosten - zusätzlich zu dem normalen Kabelanschluss. Die Variante ohne TV-Kabel, bei der die Streams nur über die Apps empfangen werden, kostet monatlich 9,99 Euro. Die neue Set-Top-BoxDie neue Set-Top-Box

"Streaming wächst gigantisch", sagt Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. "Der Markt ist riesig, Deutschland hat über 80 Millionen Einwohner und das Potenzial wollen wir nutzen - über GigaTV zuhause und als App auf Smartphone oder Tablet." Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom aus dem November 2016 kann sich jeder vierte Nutzer von Video-Streaming vorstellen, in Zukunft komplett auf das lineare TV-Programm zu verzichten. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als 2014.

Bitkom erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von 945 Millionen Euro mit Video on demand. "2017 wird das Jahr sein, in dem der Videostreaming-Markt an der Milliarden-Grenze kratzt", sagt Timm Lutter, Bereichsleiter Consumer Electronics & Digital Media.

Welche Inhalte bekommen die Zuschauer wann vorgeschlagen?

"Die Art und Weise der Benutzerführung wird künftig eine größere Rolle spielen. Sie wird immer intuitiver", sagt er. "Eine ähnliche Entwicklung sehen wir schon seit einiger Zeit bei den Musik-Streamingdiensten. Die Frage ist: Welche Inhalte bekommen die Zuschauer wann vorgeschlagen? Dafür wird die Bedeutung von Algorithmen weiter steigen, das haben die Anbieter natürlich verstanden."

Das Grundbedürfnis nach einem Überblick über das ausufernde Angebot sei in jedem Fall da, sagt auch der Medienwissenschaftler Christian Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Und die könnte noch wachsen, wenn Livestreaming-Anbieter wie Facebook und Periscope weiter in den Markt drängen. "Das wird eine spannende Entwicklung", sagt Lutter.

Interessenskonflikt oder eigener Programmdirektor

Vodafone-Chef Ametsreiter wirbt für GigaTV: "Es wird jeglicher Content verfügbar sein. Ich bin der eigene Programmdirektor meines Fernsehens". Er spricht gar von einer "Demokratisierung des Fernsehens".

Ganz so sieht Neuberger das Ganze allerdings nicht. "Wenn derartige Plattformen erfolgreich sind, können sie Einfluss nehmen auf das Nutzerverhalten", sagt er - ähnlich wie Programmzeitschriften. Besonders problematisch werde es dann, wenn Anbieter solcher Plattformen auch eigene Produkte darüber anbieten. "Das kann alles irgendwie nutzerlenkend sein. Da können auch Interessenskonflikte entstehen", sagt Neuberger. "Das Orientierungsbedürfnis bringt uns in Abhängigkeiten."

Ganz ausgereift scheint das System aber noch nicht. So gibt es nach derzeitigem Stand keine Möglichkeit, eine zweite Box für einen Haushalt zu buchen, bestehende Abos von Diensten wie Maxdome lassen sich nicht integrieren und das TV-Signal kommt nach bislang unbestätigten Informationen immer per Stream, nicht über die Kabelleitung. Bei überlasteten Leitungen oder einem Internetausfall sieht es da schlecht aus mit dem Fernsehabend. Allerdings hat der Receiver auch ein Antennenkabel, so dass das normale Broadcast-Signal möglicherweise doch verwendet wird. Langfristig wollen die Kabelanbieter das digitale Kabelsignal aber wirklich durch ein IP-Signal ersetzen.

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