Internet

Gigabit-Offensive: Vodafone startet riesiges Ausbauprogramm

Deutschland belegt in Top-100-Listen der Länder mit superschnellen Internet-Verbindungen nur hintere Plätze. Vodafone möchte nun mit einer großen Investition dafür sorgen, dass jeder dritte Haushalt in Deutschland auf Gigabit-Leitungen des Providers zugreifen kann.
Von mit Material von dpa
AAA
Teilen (121)

Vodafone will in den nächsten vier Jahren in Deutschland 13,7 Millionen neue Gigabit-Anschlüsse schaffen. Das entspreche ungefähr einem Drittel aller Haushalte in Deutschland, kündigte der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter, heute in Düsseldorf an. "Die stärkste Industrienation der Welt braucht auch die beste digitale Infrastruktur der Welt", sagte Ametsreiter. "Es wurde lange diskutiert. Wir wollen jetzt einfach loslegen."

Die Gigabit-Offensive von Vodafone besteht aus drei Initiativen, die sich an private Verbraucher, ländliche Gemeinden und Gewerbegebiete richtet. Vodafone stemme mit den drei Initiativen das größte private Gigabit-Investitionsprogramm, das es jemals in Deutschland gegeben habe, sagte Ametsreiter. Das werde für Wettbewerber auch ein Anreiz sein, ebenfalls in den Ausbau der Netze zu investieren. "Allein für die gigabitschnellen Glasfaseranschlüsse in Gewerbegebieten und Gemeinden wird Vodafone in den nächsten vier Jahren zusätzliche zwei Milliarden in Deutschland investieren", heißt es in der Mitteilung.

Gigabit-Offensive bei Vodafone
Gigabit-Offensive bei Vodafone

Die drei Säulen des Gigaprojektes

Die Nachfrage nach schnellen Internet-Anschlüssen wächst stetig, so Vodafone. Der Provider könne nach eigenen Angaben aktuell etwa 94 Prozent der Haushalte in Deutschland mit 200 MBit/s schnellen Anschlüssen versorgen - mehr als die Hälfte aller Neukunden des Netzbetreibers würden sich für einen solchen Anschluss entscheiden.

Mit seinen 400 MBit/s schnellen Anschlüssen erreicht Vodafone aktuell etwa 55 Prozent der Haushalte, 21 Prozent seines Kabelglasfasernetzes hat der Anbieter sogar bereits auf 500 MBit/s aufgerüstet. Im Zuge des Projektes GigaKabel will Vodafone diese Geschwindigkeiten sukzessive verdoppeln: 12,6 Millionen Haushalte sollen bis zum Jahr 2021 in einem Technologie-Mix aus Glasfaser und Koaxialkabel Zugriff auf Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von einem Gigabit erhalten. Mit der so genannten Full-Duplex-Technologie könne man dort später sogar bei Spitzengeschwindigkeiten von zehn Gigabit landen.

Mit der Initiative GigaGewerbe will Vodafone außerdem rund 100 000 Unternehmen mit Glasfaser-Anschlüssen versorgen. Der Provider will dabei sowohl in den Städten als auch auf dem Land mit Gewerbeparks kooperieren. "Wir fragen nach, wer Glasfaser haben möchte. Wenn sich mindestens 40 Prozent der Unternehmen in einem Business-Park für die modernste Infrastruktur der Welt entscheiden, dann bauen wir sie und betreiben das auch", sagte Ametsreiter.

Außerdem startet Vodafone die Initiative GigaGemeinde. Dabei setzt der Konzern auf ein Kooperationsmodell mit den Kommunen: "Im ländlichen Bereich beschweren sich viele Menschen, dass sie nur über eine unzureichende Infrastruktur und damit über zu geringen Bandbreiten verfügen", sagte Ametsreiter. Denn der Netzausbau ist teuer und für die Anbieter alleine oftmals wirtschaftlich nicht zu stemmen.

Vodafone wolle daher weiter in den Netzausbau auf dem Land investieren. Der Plan: Vodafone mietet die lokale Infrastruktur in einer langfristigen Partnerschaft, verlegt die nötige Glasfaseranbindung der Gemeinde zum schnellen Backbone und betreibt das lokale Gemeindenetz mit aktiver Infrastruktur. Nach Berechnungen des Konzerns können mit der Initiative eine Million Haushalte und damit zwei Millionen Menschen auf dem Land mit Gigabit-Geschwindigkeit versorgt werden.

Vodafone geht davon aus, dass sich die Kommunen um die Fördermittel des Bundes zum Breitbandausbau in Milliarden-Höhe bewerben und damit die Kabelschächte bauen. Die Fördermittel des Bundes sollten nicht in wenig zukunftsfähiges Kupfer und DSL gehen, sondern sinnvollerweise nur noch in die Glasfaser. "Wir wollen diese Gemeinden bei den Förderanträgen und Bauausschreibungen unterstützen. Vodafone ist dann der Betreiber des Netzes und würde sich für 15 oder 20 Jahre lang verpflichten, diese Infrastruktur von der Gemeinde zu mieten."

Der Vodafone-Wettbewerber Telekom hatte vor einer Woche auf der IFA in Berlin ebenfalls eine Glasfaser-Initiative angekündigt, die in weiten Teilen auf einem Technologiemix mit herkömmlichen Kupferkabeln beruht.

Teilen (121)

Mehr zum Thema Netzausbau