Behördenfunknetz

Vodafone baut Netz an "geheimen" Standorten aus

Überraschung auf der CeBIT: Vodafone kann die offiziell "geheimen" Standorte des digitalen Behördenfunknetzes künftig auch für eigene Anlagen nutzen. Mit WiFi Calling für alle werden weitere Indoor-Funklöcher beseitigt
AAA
Teilen (16)

Neben Industrie- und Geschäfts­kunden­themen präsentierte Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter auf der diesjährigen Eröffnungspressekonferenz zur CeBIT auch konkrete Aussagen zum geplanten weiteren Netzausbau. Er konnte einen Coup landen, denn Vodafone kann die offiziell als "geheim" klassifizierten Standorte des lange Jahre umstrittenen digitalen Behörden­funknetzes TETRA-BOS mit nutzen.

Eigentlich hatte der damalige Vodafone Chef Jürgen Kuczkowski den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) schon vor vielen Jahren angeboten, den GSM-Standard so zu erweitern, dass die Behörden mit besonderen Prioritäten das GSM-Handynetz hätten mitnutzen können, ergänzt um spezifische Funktionen, die man "GSM-BOS" nannte. So wäre es möglich gewesen, ganze Gruppen auf einen Kanal zu setzen, wo der Chef spricht und die anderen Gruppenteilnehmer zuhören, wie man es vom klassischen Sprechfunk her kennt. Wo vor Ort noch kein Netz gewesen wäre, hätte vielleicht die öffentliche Hand für einen schnelleren Ausbau gesorgt. Alternativ sollte im Kommandofahrzeug von Feuerwehr oder Polizei eine spezielle GSM-Basisstation eingebaut werden. Damals steckte UMTS noch in den Kinderschuhen und von 4G oder gar 5G redete noch niemand.

Eine komplette Anlage bei Würzburg war installiert worden, doch die Länderinnenminister untersagten den Feuerwehrkommandanten, sich diese Technik anzuschauen und sich neutral zu informieren, man wollte unbedingt ein eigenes Sicherheitsnetz. Das Angebot von Vodafone wurde später aus "Gerechtig­keits­gründen" noch von der Telekom mit übernommen, doch am Ende wurde nichts daraus.

Standorte sind bekannt, aber eigentlich "geheim"

Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter auf der CeBIT 2017 in HannoverVodafone-Chef Hannes Ametsreiter auf der CeBIT 2017 in Hannover Seitdem geht der Aufbau des digitalen Behördenfunknetzes noch etwas schleppend, aber inzwischen stetiger vonstatten. Die Standorte der Sendeanlagen im 420 MHz Bereich gelten offiziell als "geheim". Internet-Aktivisten, die auf ihren Webseiten Standorte oder Details der Senderanlagen veröffentlichten, sollen unangenehmen Kontakt zu bestimmten Behördendienststellen gehabt haben. Auf den Webseiten der Bundesnetzagentur sind alle Standorte zu finden, jedoch stimmen die veröffentlichen Standort bewusst nicht mit der Realität überein, dazwischen können rund 400 Meter Abstand liegen, "aus Datenschutzgründen".

Nur flächendeckende Netze sind zu gebrauchen

Da die Behörden schnell gelernt haben, dass ein Funknetz flächendeckend sein muss, wenn es funktionieren soll, wurden funktechnisch interessante Standorte, oft abseits der üblichen Möglichkeiten gefunden, beispielsweise tief in der Provinz.

Nun kann Vodafone diese wertvollen Standorte mitnutzen und wird sie mit modernster 2G/3G/4G und künftig 5G-Mobilfunktechnik ausbauen. Die Behördenmitarbeiter, die neben dem TETRA-BOS oft auch das klassische Mobiltelefon verwenden, werden diese Möglichkeit sicher zu schätzen wissen. Beispielsweise nutzen viele Polizeibeamte ihr privates Handy, um wichtige Informationen sicher übermitteln zu können.

Netzausbau auf der Agenda

Für Vodafone steht auf der Agenda das Netz bundesweit ständig weiter auszubauen, auch die sogenannten weißen Flecken. Um auch Indoor eine bessere Ausleuchtung zu erzielen, wird in den neuesten Mobilfunktarifen, die Option WLAN-Calling bald serienmäßig frei geschaltet - ohne monatlichen Aufpreis wie bisher. Bestandskunden können - je nach Vertrag - in die neuen Tarife wechseln oder bei der Hotline auf Kulanz um eine Anpassung der Option bitten, wie von mit den Vorgängen vertrauten Personen am Rande der CeBIT zu erfahren war.

Wir haben WLAN-Calling bereits bei den verschiedenen Netzbetreibern getestet und miteinander verglichen.

Teilen (16)

Mehr zum Thema Mobilfunk