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Vodafone-Chef Ametsreiter: "Wir müssen besser werden"

Vodafone-Chef Amtsreiter räumt Defizite beim Netzausbau in Deutschland ein, kritisiert aber auch die Rahmenbedingungen für die Netzbetreiber.
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Die deutschen Mobilfunknetze stehen oft in der Kritik. Im Interview mit der Welt am Sonntag sprach Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter jetzt darüber, wo hierzulande die größten Probleme beim Aufbau einer besseren Funkversorgung liegen. So schlecht seien die Netze gar nicht, gab der Vodafone-Chef zu bedenken, aber er räumte auch ein, dass es in vielen Fällen noch Nachholbedarf gebe.

Ein Grund seien noch heute die extrem teuren UMTS-Lizenzen, für die die Netzbetreiber seinerzeit 55 Milliarden Euro bezahlt hätten. Das sei zwar gut für den Staat gewesen, der sich über die Einnahmen gefreut habe. Das Nachsehen hätten hingegen die Kunden gehabt, denn das Geld habe in der Folge für den Netzausbau gefehlt. Hätte man das Budget anders verplanen können, dann wäre dieses laut Ametsreiter in den Netzausbau geflossen.

Der Vodafone-Chef: "Ich denke, das Netz ist besser, als es oft behauptet wird. Aber ich gebe zu: Wir müssen noch besser werden. Ich ärgere mich selbst, wenn ich mancherorts noch aus der Leitung fliege." Allerdings komme es nur in 0,4 Prozent aller Telefonate zu einem vorzeitigen Abbruch. Alle anderen Gespräche seien von Anfang bis Ende erfolgreich und die Kunden müssten keinen neuen Anwahlversuch unternehmen.

Ametsreiter: "Bau einer neuen Mobilfunkstation dauert zu lange"

Hannes Ametsreiter ist seit 2015 Vodafone-ChefHannes Ametsreiter ist seit 2015 Vodafone-Chef Ametsreiter kritisierte im Interview auch die Rahmenbedingungen für den Netzausbau: "Nirgendwo in Europa dauert es durchschnittlich länger, eine neue Mobilfunkstation zu bauen, als in Deutschland. Hierzulande braucht es vom Antrag bis zur Aktvierung bis zu zwei Jahre. Andere Länder schaffen das in vier bis sechs Monaten."

Vodafone betreibe aktuell etwa 25 000 Funkstationen. In diesem Jahr wolle das Unternehmen mit 4000 LTE-Bauprojekten dafür sorgen, dass eine Fläche von 22 000 Quadratkilometern zusätzlich versorgt werden. Ametsreiter: "Der Weg dorthin ist manchmal steinig. Manche provisorisch eingerichteten Mobilfunkstationen müssen wir sogar wieder abbauen, weil endgültige lokale Genehmigungen doch nicht erteilt werden."

Hintergründe seien oft Bürgerinitiativen, die keine Basisstationen haben wollen. So verbannten viele Gemeinden die Sendemasten mittlerweile an den Waldrand und somit weg von den Orten, wo eigentlich ein gutes Netz gebraucht werde. Ametsreiter räumte im Interview zudem ein, dass auch die Kosten, die die gerade laufende Auktion der 5G-Frequenzen mit sich bringe, im Endeffekt dafür sorgen, dass das Geld für den Netzausbau fehlt. "Wir würden dieses Geld viel lieber zusätzlich in neue Mobilfunkstationen stecken als in Lizenzscheine", so der Vodafone-Chef.

In einem Themen-Special haben wir bereits darüber berichtet, wie ein Mobilfunknetz funktioniert.

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