Ausblick auf 5G

Vodafone: 5G wird nicht overhyped

Neue unerwartete Anwendungen und explodierende Datenmengen machen das 5G-Netz notwendig. Vodafone meint, wir werden Technik haben, die wie vorher nie gesehen haben.
Aus München berichtet
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Auf dem Dach des Vodafone Campus wird autonomes Fahren mit 5G ausprobiertAuf dem Dach des Vodafone Campus wird autonomes Fahren mit 5G ausprobiert Bei der Connect Conference in München stellte Guido Weissbrich, Direktor für Netzwerkplanung bei Vodafone, ein paar Gedanken zur Zukunft des Mobilfunks aus der Sicht von Vodafone in den Raum.

Vodafone weltweit tätig

Das weltweit tätige Unternehmen Vodafone plc betreibt in 26 Ländern der Welt Mobilfunk und in 19 Ländern Festnetz. Vodafone ist in 49 Märkten mit Partnern gemeinsam aktiv. Weltweit werden 66 Millionen IoT-Module "versorgt". Vodafone ist über Unterseekabel mit 100 Ländern verbunden. Wollte man das Unternehmen einkaufen, müsste man etwa 61 Milliarden Euro dafür ausgeben (Stand 23.11.2017).

Überraschende Entwicklungen

Manche Entwicklungen sind unvorhersehbar und haben einen tragischen Hintergrund. Unter "Amanda's Law" versteht man einen Gesetzesentwurf in den USA, welche den Einbau von Kohlenmonoxid-Warnern in Häusern vorschreibt. Ursache war der tragische Tod der jungen Amanda Hansen, die den Austritt des Gases aus einem defekten Warmwasser-Boiler nicht bemerkt hatte. Um diese Warndaten vernünftig auswerten und reagieren zu können, ist ein Netz notwendig, typischerweise ein Mobilfunknetz. Diese Kohlenmonoxid-Warner sind ein gutes Beispiel für das Internet der Dinge (IoT).

Bei Vodafone werden aktuell in 24 Stunden 4,4 Milliarden Telefonie-Minuten durch das Netz transportiert, 4,2 Milliarden Lieder gestreamt und eine Milliarde kurze HD-Videos von etwa drei Minuten Länge über das feste Breitband-Netz übertragen. Diese Mengen hätte vor Jahren niemand für möglich gehalten.

5G ist nicht overhyped

5G besteht aus 3 Erfolgsfaktoren
5G besteht aus 3 Erfolgsfaktoren
Weissbrich verwahrte sich gegen den Vorwurf, dass der kommende 5G-Standard "overhyped" sei. "Nein im Gegenteil. In fünf bis zehn Jahren werden wir neue Technik haben, die wir vorher nie gesehen haben."

Die Funktionalität von 5G lässt sich gut in einem x-y-z-Koordinatensystem darstellen, wobei die Koordinaten aus Latenz (schnelle Antwortzeiten), Kapazität und "Slicing", dem softwaremäßigen Aufteilen des Netzes an verschiedene Nutzer oder Nutzergruppen gebildet werden. Typisch sollte ein 5G-Netz eine Datenversorgung mit 10 bis 100 MBit/s pro Quadratmeter (Datenrate pro Fläche) schaffen. Wer es schneller braucht, könne 100 MBit/s bis 1 GBit/s pro Quadratmeter in der Praxis bekommen, das theoretische Geschwindigkeitsmaximum läge bei 10 GBit/s ("Peak").

Faktor Latenz

Mit fortschreitender Technik gehen die Latenzen zurück
Mit fortschreitender Technik gehen die Latenzen zurück
Bei der Latenz sind eine Millisekunde für zeitkritische Vorgänge, wie zum Beispiel autonomes Fahren, notwendig, dafür müssen die Server nahe am "Kunden" stehen ("Edge-Computing"). Im Alltag werden die Latenzen höher sein. 4G (LTE) schafft heute schon 45-55 ms, mit 4.5G (LTE-Advanced) könnten es auch schon knapp 10 ms sein. Mit dem Start von 5G-New-Radio wird dieser Wert langsam in Richtung 1 ms sinken. Die Grenze liegt in der Physik durch die Lichtgeschwindigkeit.

Faktor Slicing

Mit Slicing gibt es die Netze im Netz.
Mit Slicing gibt es die Netze im Netz.
Mit Slicing sollen neue Benutzer, spezielle Anwendungen oder ganze von der Restwelt abgeschottete Gruppen (z.B. "kritische" Dinge) im Netz möglich sein. Für den Kunden oder die jeweilige Applikation sieht das wie ein "eigenes" (exklusives) Netz aus, das gegenüber den anderen Nutzern "abgeschirmt" ist. Auf dem Vodafone-Campus in Düsseldorf wird das bereits praktisch ausprobiert.

Wieviele Antennen sind notwendig?

Die Idee der Politik, ganz Deutschland auf 3,5 GHz "flächendeckend" auszubauen, hält Weissbrich für "Nonsense", das sei absolut unrealistisch. Es müssten auch niedrigere Frequenzen verwendet werden. Eine genaue Zahl, wie viele Antennen notwendig seien, wollte Weissbrich hingegen nicht nennen. Er könne sich vorstellen, regional nur einen Sender aufzustellen und über Network-Slicing die drei bekannten Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, Telefónica-o2) auszustrahlen. Das wäre regulatorisch wohl möglich, wenn kein Netzbetreiber "sehen" kann, welche Verbindungen im anderen Netz geschaltet werden.

Auf jeden Fall müssen viel mehr Stationen und Antennen aufgebaut werden, um die gewünschten Ziele umsetzen zu können.

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