Technologiewechsel

Vodafone eröffnet 5G-Testlabor in Düsseldorf

Die nächste Netzwerktechnologie steht vor der Tür. Vodafone will sicherstellen, dass Endgeräte und Netz gut zusammenspielen
Aus Düsseldorf berichtet
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Vodafone hat heute an seinem Firmensitz in Düsseldorf das 5G Lab offiziell eröffnet. Dieses wird neben einer Ideenschmiede für künftige 5G-Anwendungen vor allem ein Testlabor für den Test von Endgeräten auf Kompatibilität mit dem 5G-Netz sein. Dazu wurde eine der größten funkdichten Messkammern gebaut, in der Smartphones, Mobilrouter und weitere Geräte bei unterschiedlichen Netzsituationen (guter Empfang, schlechter Empfang, Interferenzen mit anderen Sendern, Mehrwegeausbreitung des Signals etc. pp.) untersucht werden können. Besonderes Augenmerk legt Vodafone darauf, die Endgeräte möglichst frühzeitig auf Kompatibilität zum 5G-Standard zu testen, und zugleich erste Erfahrungen mit dem 5G-Betrieb zu sammeln.

5G-Massive-MIMO-Antenne von Ericsson in der 5G-Testkammer von Vodafone
5G-Massive-MIMO-Antenne von Ericsson in der 5G-Testkammer von Vodafone.
Die Box unter der Antenne ist das Netzteil.
Die Messkammer ist über einen weiten Frequenzbereich funkdicht, und eignet sich damit für Untersuchungen in allen Frequenzbereichen, die anfangs bei 5G zum Einsatz kommen werden, insbesondere dem low band bei 700 MHz und dem mid band bei 3,6 GHz. Für die ersten Messungen ist eine 5G-Basisstation im mid band mit einer 64-segmentigen Massive-MIMO-Antenne installiert, beide übrigens von Ericsson. Gezeigt wurde eine Internet-Anwendung, die mit durchschnittlichen Ping-Zeiten von 4 ms eine viel kürzere Latenz aufwies als gängige Online-Anwendungen auf der Basis von LTE/4G, wo die Latenz typischerweise um die 20 ms beträgt. Auf der Funkschnittstelle selber werden für die einzelnen Frames sogar Latenzen im Bereich von 1 ms erreicht.

Die Messkammer ist über einen weiten Frequenzbereich funkdicht.
Die Messkammer ist über einen weiten Frequenzbereich funkdicht.
Drehbarer Reflektor
Ein drehbarer Reflektor dient dazu, die Funksituation regelmäßig zu ändern.
Die Massive-MIMO-Antenne ist eine aktive Antenne, besitzt also eingebaute Verstärker und Analog-/Digital-Konverter sowohl für den Empfang als auch die Aussendung von Signalen. Ein Glasfaserkabel überträgt das zwar digitale, aber gemäß der Mobilfunkmodulation encodierte Signal zwischen Basisstation und Antenne. Hierdurch entfällt die Dämpfung in den bisher üblichen HF-Kabeln zwischen den Leistungsverstärkern am Fuß eines Funkmasten und den Antennen an dessen Spitze. Jedoch wird die Wartung der Antenne entsprechend schwieriger, wenn ein Verstärker ausfällt.

Absorber-Elemente in der 5G-Testkammer
Absorber-Elemente in der 5G-Testkammer.
Um möglichst komplexe Funkbedingungen zu testen, wurden nur wenige Absorber installiert.
5G-Testendgerät von Ericsson.
5G-Testendgerät von Ericsson. Die Antenne befindet sich oben im angestrahlten Teil, im Server-Gehäuse darunter befindet sich die SDR-Einheit zur Signalauswertung (SDR = Software Defined Radio).
Später werden 5G-Smartphones hingegen kaum größer sein als 4G-Smartphones.
Als 5G-Endgerät für die ersten Messungen dient ein diskret aufgebauter Server von Ericsson. Sobald erste 5G-Chipsätze verfügbar sind, wird Vodafone für seine Tests auf Evaluations-Boards mit diesen Chipsätzen wechseln, später dann auf Vorserienmodelle der ersten echten 5G-Endgeräte. Vodafone erachtet die Tests im Labor als wichtiger als die Inbetriebnahme eines 5G-Testnetzes ohne verfügbare Endgeräte, wie jüngst medienwirksam bei der Deutschen Telekom geschehen. Erst, wenn man alle "Hausaufgaben" im Labor richtig gemacht hat, wird 5G auch in der Praxis funktionieren.

Beim Netzausbau achtet Vodafone schon heute darauf, dass alle Komponenten "5G ready" sind, also zum Start des 5G-Netzes dann per Software- und Lizenzupdate aufgerüstet werden können, ohne, dass nochmals Techniker vor Ort schrauben müssen.

Der Eingang zur 5G-Testkammer ist mit einer tresorähnlichen Tür gesichert.
Der Eingang zur 5G-Testkammer ist mit einer tresorähnlichen Tür gesichert.
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