Gefahr

Blackout-Virus: Angriff aufs Stromnetz

Die Infrastruktur kommt vollständig zum Erliegen - Schreckensszenario digitaler Blackout. So könnte der Hack auf unsere Energieversorgung ablaufen.
Von Daniel Rottinger / dpa
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Der Strom fällt aus, der Mobil­funk bricht zusammen, der Verkehr kollabiert: Cyber­attacken auf den Energie­sektor gelten als Schrecken­svision. Die Branche versucht vorzubeugen.

BlackoutDas Blackout-Szenario ist im Alltag vieler Firmenchefs angekommen Die Gefahr lauert im Verborgenen - und könnte im schlimmsten Fall ganze Land­striche in Dunkel­heit und Kälte stürzen. Hacker nehmen nach Einschätzung von Experten zunehmend auch die Energiewirtschaft ins Visier. Computerviren, die sich etwa in die Steuerzentralen von Versorgern oder Netzbetreibern einschleichen, dort Abläufe manipulieren und in der Lage wären, sogar Blackouts auszulösen, werden als Bedrohung immer ernster genommen. Und auch das Risiko Datenklau kann - angesichts von Attacken wie dem Anzapfen des Bundestags-Datensystems Mitte Mai - nicht ignoriert werden.

Netz-Terrorismus ist im Bewusstsein angekommen

"Die schöne alte Welt", in der der Leitstand eines Stromnetzes komplett isoliert war, gibt es so nicht mehr", räumt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ein. Er vertritt viele Stadtwerke. Vieles sei in den letzten Jahren unsicherer geworden. Organisierte Kriminalität, aber auch möglicher Netz-Terrorismus mit dem Ziel einer Sabotage der Grundversorgung seien heute keine Hirngespinste mehr: "Hacker sind oft technisch besser ausgerüstet als früher."

Banken, Luftfahrt oder zuletzt Medien wie der gekaperte französische Sender TV5 Monde: Etliche Branchen sind verwundbar. Im deutschen Energiesektor gab es zwar noch keine großen Zwischenfälle. Bereits Mitte 2014 schlug jedoch die IT-Sicherheitsfirma Symantec Alarm.

Zunehmender Datendiebstahl

Eine "Dragonfly" genannte Hackergruppe schleuste demnach schädliche Software in Systeme westlicher Netz- und Pipeline-Betreiber ein und konnte die Technik fernsteuern - etwa Windkraft- und Biogasanlagen. Die Aktion soll damals gerade noch rechtzeitig aufgeflogen sein. Der Spezialanbieter SafeNet sprach überdies von einer Zunahme gestohlener oder verlorener Daten von 25 Prozent im Jahr 2014 gegenüber 2013.

Die Wirtschaft will es bei solchen Bedrohungsszenarien nicht darauf ankommen lassen und beugt vor. Auf Konferenzen werden "Live-Hacks" simuliert und Gegenstrategien entwickelt. Einzelne Betriebe redeten ungern darüber - doch das Bewusstsein sei gewachsen, betont der VKU: "Aufmerksamkeit und Beratungsbedarf sind hoch." Vor allem kleinere und mittlere Firmen seien zu Info-Tagen gekommen. Die Kollegen vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gaben bereits  2008 ein "Whitepaper" zur IT-Sicherheit heraus.

Auf der nächsten Seite erkären wir Ihnen, welche gesetzlichen Vorschriften nach einem Online-Angriffs gelten sollen.

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