20 Jahre

20 Jahre VIAG-Interkom / o2

Am 1. Oktober 1998 vor 20 Jahren startete VIAG Interkom, der vierte deutsche Mobilfunknetzbetreiber. Heute ist das Netz als o2 aktiv.
An 20 Jahre VIAG-Interkom erinnert sich

Wahre Fans sahen es mit gehörigem Humor: VIAG stand für "Very Interesting Adventure Game", ein Real-Time-Adventure, mit einigen "Levels", die nur von erfahrenen Spielern und mit viel Hintergrundwissen zu meistern waren.

Kreative Ideen: Genion

Genion (Homezone mit Festnetznummer) wie genial: Dem knuffigen Genion-Männchen trauern viele Fans heute noch nach. Genion (Homezone mit Festnetznummer) wie genial: Dem knuffigen Genion-Männchen trauern viele Fans heute noch nach.
Foto: VIAG Interkom (auf Youtube)
Gerhard Mayrhofer (späterer Präsident des Fußballclubs München 1860) erfand 1999 das Genion-Häuschen. Rund um den eigenen Wohnort war ein VIAG-Kunde unter einer Festnetznummer erreichbar und konnte zu günstigeren Preisen telefonieren, wenn das "Häuschen" aufleuchtete. Mit dem Aufkommen von UMTS und LTE musste die Homezone samt Tarifen zu Grabe getragen werden. Fortan wurde die Festnetznummer direkt auf das Handy umgeleitet.

Kostenairbag: o2o

o2 setzte immer wieder Zeichen: Im "o2o" genannten "Kosten-Airbag" wurden die Handykosten "gedeckelt", erst auf 60 später auf 50 Euro pro Monat. Das After-Work-Pack war die erste Teilflatrate (zwischen 18 und 23 Uhr). Die Leute sollten beim Telefonieren weniger an Minutenpreise und Tarife denken, sondern lieber hübsche (Doodle)-Bilder malen.

Bahnbrechend: o2 Free

o2 erkannte, dass für junge mobile Kunden ihre auf dem Handy nutzbare Datenmenge existenziell wichtig ist. Da eine "echte" Datenflatrate mögliche Umsatzzuwächse langfristig behindert hätte, wurde der "o2-Free" erfunden. Ein gebuchtes Datenvolumen kann mit maximaler Geschwindkeit inkl. LTE genutzt werden, danach wird der LTE-Zugang abgeschaltet und die mögliche Datengeschwindigkeit auf 1 MBit/s begrenzt, sofern das Netz vor Ort passend mit UTMS (3G) ausgebaut ist. Sowohl Telekom als auch kurz danach Vodafone konterten mit einer echten Datenflatrate für 80 Euro im Monat. o2 zog schließlich nach, für 60 Euro.

UMTS war teuer

Am 17. August 2000 ersteigerte VIAG Interkom für rund 8 Milliarden Euro eine von insgesamt sechs ausgegeben UMTS-Lizenzen. Im gleichen Jahr übernahm die British Telecom das Unternehmen vollständig, denn E.ON (vormals VIAG) sah in der Telekommunikation keine Zukunft. BT beschloss, den Mobilfunk vom übrigen Geschäft abzuspalten.

Erst vier Jahre nach der Ersteigerung der UMTS-Lizenz startete o2 den ersten Aufbau von UMTS-Sendetechnik und den Verkauf von UMTS-fähigen Mobiltelefonen. Der Netzausbau zog und zog sich hin. Netztechnisch jagte VIAG Interkom/o2 permanent seiner Konkurrenz hinterher.

2002 wurde der Markenname von VIAG auf o2 umgestellt. 2005 kaufte die spanische Telefónica den Mobilfunk-Anbieter o2 mit seinen Töchtern in Deutschland, Großbritannien und Irland für insgesamt 26 Milliarden Euro. Geblieben ist Deutschland. Der Verkauf in Großbritannien fand bei den Behörden noch keine Gnade. Irland wurden an "Drei" weiter verkauft.

Von VIAG zu o2

Rudolf "Rudi" Gröger hatte die Markenumstellung auf "o2" organisiert und dazu Prominente wie Veronica Ferres, Dieter Bohlen oder die Opernsängerin Anna Netrebko für o2 verpflichtet. 2007 löste ihn der Spanier Jaime Smith Basterra ab. 2008 folgten René Schuster, 2014 Rachel Empey und Markus Haas, dann nahm Thorsten Dirks im Sessel des CEO Platz, bevor er im Januar 2017 wieder an Rachel Empey und Markus Haas übergab. Heute leitet Markus Haas das Unternehmen.

Die Fusion

Bei E-Plus hatte Dirks eine Multi-Marken-Strategie entwickelt, die für günstige Preise sorgte. Die Kunden wähnten sich im Preis-Paradies, forderten aber zugleich immer besseren Netzausbau. Auf die Dauer war das nicht mehr finanzierbar.

Die lange Jahre diskutierte und immer wieder abgesagte "Fusion" von E-Plus und o2 wurde schließlich 2014 Wirklichkeit. Das Netz wird seitdem zusammengelegt. Geblieben von E-Plus ist die Netzkennung: 262-03. Die Folge: Manche Handys sehen weiterhin ein "E-Plus"-Netz, das es eigentlich so gar nicht mehr gibt.

Der Markengemischtwarenladen wird aufgeräumt

Die Marke simyo hatte bei E-Plus den Mobilfunkmarkt umgekrempelt. Bei o2 war für "einfach einfach einfach" kein Platz mehr, die Kunden landeten bei Blau, ehemalige E-Plus-Shops wurden zu o2-Shops oder gingen an freie Händler oder machten zu.

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