nicht nur billiger

Versteckte Preiserhöhungen im Mobilfunk

Neuer Takt, Anrufe außerhalb der Homezone, ins Ausland und vieles mehr
Von Ralf Trautmann
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Die Entgelte im Mobilfunk-Bereich sinken und sinken. Mittlerweile sind auf Seiten der Prepaid-Discounter die Preise im günstigsten Einheitstarif in alle Netze bei 8 Cent pro Minute angekommen, ein Niveau, das vor zwei, drei oder vier Jahren undenkbar erschien. Der Trend zu günstigeren Entgelten gilt zudem auch für Verträge und darüber hinaus gewinnen erschwingliche Flatrates immer mehr an Boden.

Doch bei aller Freunde über die sinkenden Kosten gilt: Ein Blick auf die Konditionen abseits der mehr als offensichtlichen Entgelte oder inbegriffenen Anruf-Ziele kann sich lohnen, denn einige Anbieter versuchen, hier wieder einen Teil der gewährten Senkungen reinzuholen. Einige Fälle aus der jüngsten Vergangenheit, die allgemeine Anhaltspunkte geben, worauf (auch bei Offerten anderer Anbieter) geachtet werden sollte, haben wir für Sie zusammengestellt.

o2: Höhere Minutenpreise, neuer Takt

Der Tipp, auch die Tarif-Details genau zu studieren, die nicht im direkten Fokus der Werbung stehen, gilt nicht nur für tief in den AGBs vergrabenen Klauseln. So hat vor kurzem der Netzbetreiber o2 seine Konditionen überarbeitet und dabei zwei symptomatische Änderungen zu Ungunsten des Kunden durchgeführt. Zum ersten: Wer sich jetzt für den Genion M oder L entscheidet, telefoniert zu nicht von der jeweiligen Pauschale abgedeckten, innerdeutschen Fest- oder Mobilfunkzielen für 29 statt 19 Cent pro Minute, eine erhebliche Preissteigerung. Dies gilt auch für die Folgeminuten in den Minutenpaketen des Anbieters.

Für eine klassische, indirekte Preiserhöhung kann das Beispiel o2 ebenfalls herhalten: die Änderung des Abrechnungstaktes. Wurde hier bei den Münchnern in den zuvor genannten Genion-Tarifen sowie im Genion XL vor der Tarifumstellung außerhalb der Homezone der 60/10-Takt verwendet, wird jetzt wie bisher schon innerhalb dieses Bereichs nach 60/60-Takt abgerechnet. Dies gilt auch für die Folgeminuten der Minutenpakete. Somit fallen mit großer Wahrscheinlichkeit pro Telefonat ein paar Cent mehr an, so dass sich hier schnell ein stattliches Sümmchen zusammenläppert.

Neue T-Mobile-Tarifstruktur: Ins Ausland unter Umständen teurer

Einer klassischen Kostenfalle bei Mobilfunkangeboten wurde vor geraumer Zeit zumindest in Teilen ein Riegel vorgeschoben: Den hohen Roaming-Entgelten, wenn sich der Handy-Nutzer im Ausland aufhält. Wer sich innerhalb der EU bewegt und ein Ziel in der Union anruft, telefoniert jetzt zu gedeckelten Preisen. Außerhalb der EU ist das nicht der Fall, zudem sehen die Anbieter offenbar auch keinen Grund, einer weiteren, grotesken Situation Abhilfe zu schaffen: Gespräche vom Heimatland ins Ausland sind bei der Mehrzahl der Anbieter horrend teuer und der Trend zeigt auch nicht eindeutig in Richtung Preissenkung.

So hat zum Beispiel T-Mobile vor einiger Zeit in den Max-Flat-, Combi-Flat- und CombiCard-Max-Tarifen die Entgelte für Anrufe ins Ausland geändert, und dabei je nach Ziel einen ordentlichen Batzen aufgeschlagen. Zur Ehrenrettung sei vorab erwähnt, dass die Entgelte zu diversen anderen Auslandszielen gesenkt wurden.

Wer aber seit Anfang April in Staaten wie die USA und oder die Türkei zum Festnetz telefoniert, zahlt 1,09 Euro pro Minute, in die Handynetze 1,38 Euro, unabhängig von der Anruf-Zeit. Vorher fielen hier in der Hauptzeit 99 Cent pro Minute an, in der Nebenzeit minütlich 69 Cent, unabhängig von Fest- oder Mobilfunkanschluss. Für Anrufe in exotische Länder wurden immerhin noch die Entgelte zum Handy erhöht, und zwar von 1,89 Euro auf 2,18 Euro pro Minute. Eine Preiserhöhung gab es auch für Telefonate zu Handys in der EU und einigen Anrainer-Staaten in der Nebenzeit.

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