Digitalradio

DAB+-Programme sollen bessere Vermarktungschancen bekommen

Digitalradiosender, die ihr Programm über DAB+ ausstrahlen, sollen ab Herbst 2018 auch gestützt in der Media Analyse Radio (MA) abgefragt werden. Damit verbessern sich die Vermarktungschancen. Sämtliche Termine für eine UKW-Abschaltung sind dagegen vorerst vom Tisch.
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DAB+ erzielt inzwischen relevante Reichweiten.DAB+ erzielt inzwischen relevante Reichweiten. Digitalradiosender, die ihr Programm (auch) über DAB+ ausstrahlen, sollen ab Herbst 2018 gestützt in der Media Analyse Radio (MA) abgefragt werden. Das wurde auf dem IFA-Panel "Content- und Vermarktungsstrategien für digitales Radio" bekannt. Als Testlauf werden die DAB+-Reichweiten schon in der "Frühjahrswelle" 2018 erstmals in Deutschland erhoben.

UKW-Radiosender werden bisher bei Vermarktung bevorzugt

Die Abfrage-Konventionen der agma, die für die Reichweitenerhebung verantwortlich ist, wurden zu Zeiten entwickelt, in denen es ausschließlich analogen, lokalen oder regionalen Hörfunk gab. Sie bilden bisher eine hohe Hürde für Nicht-UKW-Angebote in den Genuss einer gestützten Abfrage (sprich: mit Namensnennung) zu kommen. So sehen sich beispielsweise bundesweite Sender wie Absolut Relax oder Energy stark benachteiligt. Reichweiten seien aber die Grundlage für eine erfolgreiche Vermarktung, also den Werbezeitenverkauf.

Philipp von Martius, Geschäftsführer des Vermarkters Studio Gong, und Florian Ruckert, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsleitung des größten deutschen Radiovermarkters RMS, betonten auf dem Panel, dass DAB+ nun erstmals Zahlen erreiche, die für eine Vermarktung relevant seien. Trotzdem sei und bleibe Radio ein Multichannel-Medium. Die größte Reichweite würde immer noch mit großem Abstand aus der UKW-Verbreitung generiert, daher seien jegliche Diskussionen über Abschalttermine des analogen Hörfunks kontraproduktiv. Auch Internetradio sei ein Reichweitengarant, die Verbreitung über Smartphone nehme kontinuierlich zu.

UKW-Abschalttermin vorerst vom Tisch

Thomas Fuchs, Koordinator des Fachausschusses Technik, Netze, Konvergenz der Landesmedienanstalten, bekräftigte ebenfalls, dass es in naher Zukunft keinen UKW-Abschalttermin geben wird, auch, um in das Thema etwas Ruhe zu bringen. Für diese Aussage erntete er jedoch starke Kritik aus der Geräteindustrie, die gerne einen Abschalttermin sehen würde, um Planungssicherheit für Investitionen zu gewinnen. Während im Fernsehbereich fast alles inzwischen digital ist, sei es absolut unverständlich, wozu das Radio auf lange Sicht zwei verschiedene terrestrische Verbreitungswege bräuchte, sagte ein Vertreter des Herstellers TechniSat am Rande der Veranstaltung.

Fuchs' bayerischer Kollege Siegfried Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM), brachte dagegen das Thema UKW-Abschaltung auf der IFA-Veranstaltung doch wieder auf die Tagesordnung: "Wir können darüber wieder reden, wenn die Marktdurchdringung in drei bis vier Jahren bei über 50 Prozent liegt".

Gunnar Garfors vom norwegischen Rundfunk NRK verwies darauf, dass sich auch viele Norweger erst die nötige Hardware angeschafft hätten, nachdem die Politik ein Abschaltdatum für UKW bekannt gegeben hatte.

Juristisches Hickhack um zweiten Bundesmux

Siegfried Schneider hegt zudem große Hoffnungen auf den zweiten bundesweiten Multiplex, der enorm wichtig für die weitere Entwicklung von DAB+ in Deutschland sei. Allerdings gebe es bei diesem Thema immer noch Differenzen. Wie ein Vertreter des von der Gremienkonferenz der Landesmedienanstalten (GVK) favorisierten Konsortiums Antenne Deutschland (Absolut Radio / Media Broadcast) am Rande der Veranstaltung gegenüber Teltarif.de mitteilte, warte man immer noch auf den Zulassungsbescheid der Landesmedienanstalten. Man brauche insgesamt ein Dreivierteiljahr Aufbauarbeit, und das ganze Verfahren würde sich nun immer mehr nach hinten verschieben.

Unterdessen ist beim Internetportal "Radioszene" zu lesen, dass eine Zulassungsentscheidung erst "bis Ende des Jahres" erfolgen könnte. Um einen reibungslosen Start des Betriebes zu ermöglichen, arbeite man an einer entsprechenden juristischen Lösung, erklärte Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM).

Olaf Hopp, CEO von Energy Deutschland, kritisierte das Agieren der Medienanstalten bei ihrem Vergabeprozess zum zweiten Bundesmux als unglücklich: "Wozu trifft mit der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) ein Expertengremium eine Entscheidung, wenn Nicht-Experten in der Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) später deren Vorschlag einfach torpedieren. Dies werde den Bewerbern und auch der Wichtigkeit von DAB+ nicht gerecht. Immerhin geht es um ein Investment im zweistelligen Millionenbereich". Hopp spielt darauf an, dass die ZAK eigentlich das Konsortium um den Initiator des zweiten Bundesmuxes, Steffen Göpel, vorgeschlagen hat, der seither auf juristischem Wege die Entscheidung der GVK juristisch anficht. Hopp glaubt aber allgemein daran, dass sich DAB+ als Hörfunkstandard durchsetzt, auch wenn der Weg dorthin "ein Marathon" sei.

DAB+ als Pflicht in jedes Radio

"Die Entwicklung des deutschen Radiomarktes hin zum digitalen Standard DAB+ ist unumkehrbar", sagte die ARD-Vorsitzende Karola Wille auf der Veranstaltung. "Die ARD sieht ihre Hybridstrategie bestätigt, bei der Verbreitung von Radioprogrammen in Zukunft sowohl auf DAB+ als auch auf das Internet zu setzen". Die neue Reichweitenstudie zeige zugleich, dass die Nutzung von DAB+ aktuell die größte Dynamik entfaltet.

Fast alle Panel-Teilnehmer fordern aber mehr Engagement von der Politik. Um den Übergang vom analogen zum digitalen Hörfunk zu beschleunigen, bräuchte man eine Regelung, die dafür sorgt, dass alle künftigen Radios DAB+ empfangen können, egal ob im Auto oder zu Hause.

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