Gerüchteküche

Gerüchte: Steigt Telefónica in Deutschland aus?

Die Wirtschaftswoche will erfahren haben, dass Telefónica einen Ausstieg aus dem deutschen Markt durchspielt.
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Wer könnte bei Telefónica Deutschland einsteigen? Einfach würde es nicht, denn die Branche wird stark reguliert. Ein bereits aktives Telekommunikationsunternehmen müsste sich erst „grünes Licht“ bei den Kartellwächtern holen, bevor sie hier einsteigen könnten. Seitens Drillisch / 1&1 bestünde kein Interesse, fand das Internetportal Inside-Handy heraus, auch René Obermann, ehemaliger Telekom CEO und bei einer englischen Investmentbank aktiv, habe abgewunken.

Während europäische TK-Unternehmen stark mit sich selbst beschäftigt oder bereits zu groß sind, wurden reine Finanzinvestoren ins Gespräch gebracht, die man geringschätzig manchmal auch als „Heuschrecken“ bezeichnet. Würden diese versuchen, das Unternehmen auszuwerten oder hätten sie wirklich Lust, erst einmal massiv in Netzausbau und Kundenservice zu investieren, bevor dann irgendwann später zufriedenstellende Gewinne möglich wären?

Neue Spieler oder alte Bekannte?

Anbieter aus Asien oder Südamerika hatten einst Interesse an E-Plus gezeigt, aber Investoren wie der Mexikaner Carlos Slim bissen sich bei KPN in den Niederlanden an der „goldenen Aktie“ die Zähne aus und in Österreich, wo er an der ehemalig staatlichen Telekom beteiligt ist, läuft es auch nicht so gut für Slim. Der Hongkonger Unternehmer Li Ka Shing (dem unter anderem Hutchison 3G / Three gehört), war bei der UMTS-Versteigerung im Jahre 2000 mit E-Plus im Boot, stieg aber in letzter Sekunde aus, vermutlich hatte er schon damals kommen sehen, dass das scheinbar unendliche Wachstum irgendwann begrenzt sein könnte. Aktuell ist „Drei“ („Three“) ist in Österreich noch damit beschäftigt, die Fusion von Orange (einst „One“) und „Drei“ richtig hinzubekommen.

Nur 15 Milliarden Euro?

Wer Telefonica o2 heute kaufen wollte, müsste an der Börse rund elf Milliarden Euro hinblättern. Bei den branchenüblichen Aufschlägen, die zwischen 20 und 30 Prozent liegen könnten, würde eine komplette Übernahme leicht mit rund 15 Milliarden Euro auf der Rechnung erscheinen. Davon bekäme Telefónica Spanien dann 69,2 Prozent - so hoch sind deren Anteile -, rund 8 Prozent gingen an die holländische KPN und der Rest (22 Prozent) befindet sich in Streubesitz,.

KPN ist bei o2 mit an Bord, seit Telefónica Anfang 2014 die ehemalige KPN-Tochter E-Plus übernommen hat. Darüber war jahrelang verhandelt worden. Neben eigenen Aktien musste Telefónica damals noch 5 Milliarden Euro in bar auf den Tisch legen. Die Idee war, mit einem gemeinsamen Netz einige Milliarden zu sparen. o2 sollte als Premiummarke O2 auf „Augenhöhe“ mit der Telekom und Vodafone konkurrieren. o2 wird aber als „günstiges Stadtnetz“ (so Telekom Chef Höttges auf eine Frage von teltarif.de) wahrgenommen.

Sollte Telefónica Spanien in einem Schlag aussteigen, ist ihr Anteil am Wirtschaftsstandort Deutschland entfallen. Die einmaligen Einnahmen von rund 10 Milliarden Euro könnten aktuelle finanzielle Nöte lindern, helfen aber langfristig nicht, Telefonica plagen rund 70 Milliarden Schulden.

o2 künftig als Tiefstpreisdiscounter auf Verschleiß?

Stiege ein reiner Finanzinvestor bei o2 ein, würde dieser versuchen, die „Assets“ (werthaltige Anlagen, Standorte, Technik, Kundenverträge) zu versilbern. Ins Netz würde wohl nur noch wenig bis gar nichts mehr investiert. Durch einen Verzicht auf die Teilnahme an künftigen Frequenz-Auktionen würde ebenfalls Geld gespart. Mit sehr günstigen Angeboten und einem stark reduzierten und möglichst vollautomatisierten Kundenservice ließen sich eine Zeitlang sicher sehr günstige Tarife und Angebote darstellen. Sollte es aber zu Störungen oder Ausfällen kommen, wäre der Preis der vorherigen Sparsamkeit sofort zu zahlen.

Mittel bis langfristig würde eine Kundenerosion einsetzen, wenn enttäuschte oder qualitätsbewusste Kunden zu Vodafone oder der Telekom wechseln sollten. Am Ende könnte es dann auf kaltem Wege auf zwei Netze in Deutschland hinaus laufen.

Weitere Fusion?

Denkbar wäre auch, dass eine künftige „o2“ (oder wie sie dann auch immer heißen mag) sich mit Vodafone verbündet, um gemeinsam ein Netz zu betreiben, aber am Markt als zwei konkurrierende Anbieter aufzutreten. Das würde am Ende auf eine „kalte“ Fusion hinauslaufen, die bei den Kartellwächtern wenig Gegenliebe stoßen dürfte. Eine „Zusammenarbeit“ mit der Deutschen Telekom wäre weitaus schwieriger, da der langjährige Marktführer unter schärferer Beobachtung steht. Telekom und VIAG Interkom/o2 hatten lange Jahre eine erfolgreiche Vereinbarung über national Roaming im D1-netz

Was kann der Kunde tun?

Für den marktbewußten Kunden gibt es wenig Möglichkeiten. Nicht jeder o2 Kunde wird eine Telefónica-Aktie kaufen wollen, nicht jeder wird einen höherwertigen Tarif buchen wollen, um „seinem“ Unternehmen eine Chance zu geben. Verunsicherte Kunden könnten das Netz wechseln, helfen damit nicht unbedingt, im Gegenteil . Informierte Kunden werden sich eine Zweitkarte in einem anderen Netz zulegen und der Zukunft gelassen ins Auge blicken.

Auch teltarif.de hat bei Telefonica Deutschland Chef Haas nachgefragt: Die Antwort kam ohne zu zögern: „Wir sind eine Aktiengesellschaft. Bei uns kann jeder Aktien kaufen.“

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