Lästig

Ungewollte Verträge: Jeder Fünfte davon betroffen

Das neue TKG hängt u.a. wegen Mindest­lauf­zeit. Die Wirt­schaft möchte nichts ändern, der Verbrau­cher­ver­band liefert Zahlen.

Nicht alle Verbraucher kommen mit Laufzeitvertägen klar und suchen Hilfe bei der Verbraucherberatung. Nicht alle Verbraucher kommen mit Laufzeitvertägen klar und suchen Hilfe bei der Verbraucherberatung.
Bild: Picture Alliance / dpa
Im Zuge der Neure­gelung des Tele­kom­muni­kati­ons­gesetzes soll ja auch die Mindest­lauf­zeit von Lauf­zeit­ver­trägen für Mobil­funk, Fest­netz, Strom oder Fitness-Studios etc. auf 1 Jahr begrenzt werden. Die Wirt­schaft läuft dagegen bekannt­lich Sturm.

VZBV legt Zahlen vor

Inter­essante Zahlen legt jetzt die Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­bands (vzbv) vor. So hat jeder fünfte deut­sche Verbrau­cher mindes­tens einen unge­wollten Vertrag für beispiels­weise Telefon, Strea­ming oder Strom am Bein. Ein Viertel ist ohne ausdrück­liche Zustim­mung von auto­mati­schen Vertrags­ver­län­gerungen betroffen, was durch­schnitt­lich 335 Euro in zwei Jahren kostet. Der Widerruf ist dabei oft mit Schwie­rig­keiten verbunden. Das zeigt eine aktu­elle Erhe­bung der Verbrau­cher­schutz­orga­nisa­tion.

"Vor Kosten­fallen schützen"

Nicht alle Verbraucher kommen mit Laufzeitvertägen klar und suchen Hilfe bei der Verbraucherberatung. Nicht alle Verbraucher kommen mit Laufzeitvertägen klar und suchen Hilfe bei der Verbraucherberatung.
Bild: Picture Alliance / dpa
"Es ist höchste Zeit, dass die Bundes­regie­rung Verbrau­cher besser vor teuren Kosten­fallen wie unge­wollten Verträgen schützt. Viele stehen derzeit durch Corona finan­ziell unter Druck. Schwarz-Rot sollte die Ausein­ander­set­zungen rund um das Faire-Verbrau­cher­ver­träge-Gesetz deshalb beilegen und das Gesetz noch in dieser Legis­latur verab­schieden. Dies würde viele Menschen entlasten und gleich­zeitig die Wirt­schaft durch mehr Wett­bewerb stärken", fordert vzbv-Vorstand Klaus Müller.

19 Prozent unge­wollte Verträge, 24 Prozent unfrei­willig verlän­gert

Der vzbv hat eine Umfrage unter 1.000 deut­schen Konsu­menten durch­geführt. 19 Prozent haben in den vergan­genen zwei Jahren unge­wollte Verträge abge­schlossen, vor allem im Bereich Tele­kom­muni­kation. 24 Prozent melden unfrei­wil­lige Verlän­gerungen. Es ist zwar ziem­lich leicht, ein Geschäft abzu­schließen, eine Zurück­nahme wird deut­lich schwie­riger. Von den Befragten hatten 23 Prozent schon Probleme dabei, ihr Wider­rufs­recht geltend zu machen.

Verbrau­cher wollen Kündi­gungs-Button

Auto­mati­sche Vertrags­ver­län­gerungen sind vielen Verbrau­chern ein Dorn im Auge. 65 Prozent wollen hier eine Verkür­zung des Zeit­raums. Auch soll es leichter werden, einen Vertrag zu kündigen. Neun von zehn wünschen sich dafür einen eigenen Button direkt zum Ankli­cken auf der Webseite von Anbie­tern. Laut 95 Prozent sollten Unter­nehmen einen Widerruf per E-Mail auto­matisch annehmen müssen. "Die Politik sollte dem nach­kommen und das Leben vieler Menschen einfa­cher, sicherer und kosten­güns­tiger machen", so Müller.

Man darf gespannt sein, wie am Ende Verbrau­cher­inter­essen gegen die Vorstel­lungen der Wirt­schafts­unter­nehmen austa­riert werden.

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