Vectoring

Wettbewerber warnen vor schlechter VDSL-Versorgung

Das drohende VDSL-Vectoring-Monopol könnte für weniger schnelles Internet sorgen, als viele hoffen, warnt der VATM. Der Verband hofft auf mehr Zeit, bevor die EU eine Entscheidung zur Regulierung der Nahbereiche fällt und will auch mit der Telekom reden.
Von Thorsten Neuhetzki
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Das Thema VDSL Vectoring bleibt auch, nachdem die Bundesnetzagentur ihren Notifizierungsentwurf vorgelegt hat. Erst gestern äußerte sich der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme, zu Wort und wehrte sich gegen Re-Monopolisierungsvorwürfe. Jetzt meldet sich auch mit dem VATM wieder einer der drei Branchenverbände auf dem Feld der alternativen Netzbetreiber zu Wort und fordert eine Versachlichung der Diskussion. Leider werde gerade in diesen Tagen immer wieder versucht, eine saubere Faktenanalyse zu verhindern und vielmehr an einem Ausbauvorhaben mit Hilfe von Vectoringtechnologie festzuhalten, das einem harten Faktencheck nicht standhalten könne", sagt Verbands-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

Dass die zentrale politische Vorgabe der Bundesregierung, einen flächendeckenden Ausbau sicherzustellen, "mit einem Monopol-Vectoringausbau weit verfehlt" werde, wird nach seiner Aussage ebenso ignoriert wie auch die Vorgabe des Beirates der Bundesnetzagentur wenigstens 90 Prozent zu erreichen. Die mit der Maßnahme zu erreichende Versorgung liege nach Berechnungen der BNetzA im Schnitt bei 85 Prozent. Das sei nur dank der Großstädte möglich, so Grützner. "Im ländlichen Bereich – und gerade hier ist der Ausbau wirtschaftlich schwierig –- sieht die Situation noch deutlich dramatischer aus: im Versorgungsbereich eines der größten VATM-Mitgliedsunternehmen würde mit dem nun von der BNetzA akzeptierten Angebot lediglich eine Abdeckung von 75 Prozent erreicht", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Politiker laut VATM zunehmend beunruhigt

Der VATM warnt vor schlechter VDSL-VersorgungDer VATM warnt vor schlechter VDSL-Versorgung "In einigen Teilen Deutschlands wird der Versorgungsgrad noch schlechter sein", warnt Grützner. Als Beispiel nannte er Mecklenburg-Vorpommern. Dort müssten nach Angaben des langjährigen Brancheninsiders für eine vollständige 50-MBit/s-Versorgung zusätzlich 20 476 Kabelverzweiger neu aufgebaut werden, zahlreiche davon auch im Nahbereich, den zukünftig allein die Telekom mit VDSL und Vectoring erschließen soll. "Das Bundeskartellamt hatte ausdrücklich vor einer solchen Monopolvergabe gewarnt und dem Weg über Fördermittel den klaren Vorzug gegeben. Dass nun diese Gebiete einerseits nicht gefördert werden können und andererseits das Ausbauangebot gerade keine vollständige Ausbauverpflichtung vorsieht, beunruhigt die Politik in Deutschland zunehmend – und nun auch Brüssel", so der VATM. Eine Förderung ist nicht möglich, weil Vectoring aufgrund seiner technischen Beschaffenheit nicht förderfähig ist.

"Immer mehr Politiker verstehen, dass das Monopolangebot nicht das hält, was es versprechen sollte", meint Grützner. "Es verhindert nicht nur die Erreichung der Ausbauziele der Bundesregierung, sondern darüber hinaus den schnellen Wandel zu Gigabitnetzen nach 2018." Diese Gigabit-Netze hat sich mittlerweile das Bundeswirtschaftsministerium unter Sigmar Gabriel (SPD) auf die Fahnen geschrieben. Sie will bis 2025 Glasfaseranschlüsse für jeden ermöglichen. "Wir brauchen jetzt Zeit, um die enormen Risiken eines Monopols in den Herzstücken unserer Kommunikationsnetze neu zu bewerten", appelliert der VATM-Geschäftsführer.

Wettbewerber hoffen auf Phase-2-Verfahren

"Allen Verschleierungsversuchen muss dabei eine klare politische Absage erteilt werden. Sonst bekommt unser Land im sogenannten Nahbereich weniger Breitband als mit Hilfe von Fördermitteln möglich wäre. Gleichzeitig würde sich der Fördermittelbedarf außerhalb der Nahbereiche erhöhen, Steuergelder würden trotz schlechterer Versorgung geradezu zum Fenster hinausgeworfen und Deutschland würde international beim Glasfaserausbau immer weiter zurückfallen." Die Wettbewerber setzen darauf, dass der Notifizierungentwurf in die sogenannte Phase 2 eintreten wird und damit Brüssel allen Beteiligten Zeit gibt, mindestens drei Monate gemeinsam - auch mit der Telekom - nach besseren Lösungen zu suchen.

Die Telekom selbst setzt eher auf den Ausbau von VDSL als den direkten Glasfaserausbau. Warum das so ist, haben wir vor kurzem berichtet.

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