EU-Kommission

Vectoring-Pläne freigegeben: Telekom-Wettbewerber enttäuscht

Die EU-Kommission hat die neuen deutschen Vectoring-Pläne freigegeben - mit Auflagen. Vor allem die Bedingungen für Telekom-Wettbewerber müssen sich für eine endgültige Freigabe noch verbessern.
Von David Rist mit Material von dpa
AAA
Teilen (28)

Bereits im November hatte die Bundesnetzagentur eine erste Version der Vectoring-Pläne vorgestellt. Die nun an die EU-Kommission übermittelten Pläne wurden seitdem noch einmal überarbeitet. Und dennoch ist die EU noch nicht vollends mit den deutschen Vectoring-Plänen einverstanden. Demnach mahnte sie in Details weiteres Entgegenkommen der deutschen Behörde an und erwartet ihre Vorschläge dazu nach der Sommerpause. Dabei geht es vor allem um die Bedingungen für Telekom-Wettbewerber.

Die aktuellen Vectoring-Pläne sehen für die Telekom einen weitgehend exklusiven Einsatz der Vectoring-Technologie vor. Die anderen Telekommunikationsunternehmen in Deutschland zeigten sich besorgt und sprachen von einer Re-Monopolisierung des Marktes. Würde man den Markt der Telekom allein überlassen, könne es zu einer schlechten VDSL-Versorgung kommen, warnt der Verband der Anbieter von Telekommunitations- und Mehrwertdiensten VATM.

Telekom-Wettbewerber enttäuscht

Nahaufnahme mehrerer Lan-KabelDie Vectoring-Pläne sollen mehr Gebiete in Deutschland mit schnellen Breitbandanschlüssen von über 50 MBit/s versorgen Obwohl die EU-Kommission die deutschen Vectoring-Pläne nur mit Auflagen frei gibt, zeigen sich die Branchenverbände BREKO, BUGLAS oder VATM enttäuscht, dass die aktuellen Vectoring-Pläne überhaupt freigegeben wurden. Sie hatten auf ein sogenanntes Phase-II-Verfahren gehofft, das der EU-Kommission bis zu drei Monate Zeit gegeben hätte den Antrag zu prüfen.

Nun setzen die Branchenverbände darauf, "dass die durchaus kritischen Kommentare der EU-Kommission doch noch Berücksichtigung im finalen Beschluss der Bundesnetzagentur finden werden", kommentieren BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers, BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer und VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die Entscheidung aus Brüssel. "Auch der neue Beschlussentwurf der Bundesnetzagentur räumt dem Bonner Ex-Monopolisten ein weitreichendes Quasi-Monopol zum (Vectoring-) Ausbau in den so genannten Nahbereichen innerhalb einer Entfernung von etwa 550 Metern bis zum Hauptverteiler ein", so die Telekommunikationsverbände weiter.

Telekom zeigt sich verhalten über den Erfolg

Die Deutsche Telekom begrüßte, dass die Kommission auf eine erneute vertiefte Prüfung verzichtet. "Ohne Details zu kennen müssen wir allerdings prüfen, welche Auswirkungen die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Verknüpfung von Nahbereich-Vectoring mit einem bestimmten Vorleistungsprodukt hat", schränkte ein Sprecher ein.

Vectoring könnte Glasfaserausbau verlangsamen

Beim Vectoring können in herkömmlichen Kupferkabel-Leitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s erreicht werden. Die Telekom-Wettbewerber kritisierten, dass damit in den betroffenen Bereichen die wirtschaftliche Grundlage für einen Ausbau deutlich schnellerer Glasfaserleitungen wegfalle.

Zudem ist es technisch aktuell so, dass nur ein Anbieter Vectoring in einem Nahbereich ausbauen kann. Konkurrenten kritisierten, dass nach den ursprünglichen Auswahl-Kriterien die Telekom bessere Chancen hätte, den Zuschlag zu bekommen. Auch die Kommission schätzte, dass an sie 90 Prozent der Nahbereiche gehen könnten. Nach den im Mai eingeforderten Änderungen könnten die Wettbewerber in 30 Prozent mehr Nahbereichen zum Zuge kommen, zeigt sich die Brüsseler Behörde überzeugt. Jetzt will sie unter anderem die Konditionen im Auge behalten, zu denen andere Anbieter in die Vectoring-Netze dürfen.

Der Kommission zufolge bekommen durch Vectoring 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland zum ersten Mal Zugang zu Internet-Anschlüssen mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 MBit/s.

Mittlerweile sind weitere Details durchgesickert, die aufzeigen, wie die EU-Kommission ein Telekom-Monopol verhindern und den Wettbewerbern mehr Rechte einräumen will. Dazu lesen Sie mehr in unserer nachfolgenden Meldung EU: Vectoring ja, aber nur mit Wettbewerb.

Teilen (28)

Mehr zum Thema VDSL Vectoring