Statements

Vectoring-Entscheidung: So reagieren Telekom und Konkurrenten

Erstaunlich: Telekom-Mitbewerber loben unisono die Bundesnetzagentur
Von Marc Kessler
AAA
Teilen (1)

Die Bundes­netz­agentur (BNetzA) hat bei ihrem finalen Beschluss zum Thema VDSL Vectoring - teltarif.de berichtete - auch die im Vor­feld teils massiv geäußerten Kritik­punkte der Telekom-Konkur­renten berück­sichtigt. Diese erhalten nun zum einen (zusätzlichen) Bestands­schutz in bestimm­ten Fällen.

Das Vectoring-Register kommt

GlasfaserVectoring-Entscheidung der BNetzA:
Die Branche reagiert positiv
Anderer­seits konnten sie sich mit ihrer Forderung nach einem Kontroll­- und Sanktions­instrument durchsetzen, über das geprüft werden kann, ob ein Unternehmen, das den Ausbau eines Kabelverzweigers (Kvz) angekündigt und diesen damit reserviert hat, die Erschließung mit VDSL (-Vectoring) auch tatsächlich durchführt. Für diesen Fall soll es auch Strafen geben, so dass eine gezielte Blockade durch eine Reservierung von Kvz, die dann doch nicht ausgebaut werden, nicht möglich sein soll.

teltarif.de hat sich bei den Beteiligten - der Deutschen Telekom einerseits, den Branchenverbänden BREKO, BUGLAS und VATM andererseits - umgehört, wie die Entscheidung der Bonner Regulierungs­behörde aufgenommen wurde. Dabei herrscht zumindest bei den Telekom-Konkurrenten unisono gute Stimmung.

VATM ist "ganz ehrlich erstaunt" - "sehr gutes Signal für Investitionen"

Jürgen GrütznerVATM-Geschäfts­führer Grützner war
"ganz ehrlich erstaunt"
"Wir sind ganz ehrlich erstaunt. Das ist eine sehr gut durchdachte Entscheidung", lobt VATM-Geschäfts­führer Jürgen Grützner die Bundes­netz­agentur. Der Regulierer habe alle wichtigen Kritik­punkte aufgegriffen - das sei "ein sehr gutes Signal für Investitionen", sagt Grützner teltarif.de.

Bezüglich der noch unklaren Situation in puncto konkreter Sanktionen gibt sich der VATM-Chef optimistisch: "Da muss man der Bundes­netzagentur jetzt etwas vertrauen, das kann man jetzt nicht alles in eine Entscheidung quetschen." Grützner zeigt sich indes überzeugt, dass Sanktionen wohl nur selten notwendig sein würden: "Die Telekom kann es sich gar nicht leisten, unter der Kontrolle der Bundesnetzagentur öffentlich mit Tricksereien bei der Ausbau­planung aufzufallen."

BREKO: "Großer Schritt in die richtige Richtung"

Stephan AlbersStephan Albers vom BREKO:
"Richtige Weichenstellung"
Auch Stephan Albers, Geschäftsführer beim BREKO, in dem vor allem die Festnetz-Wettbewerber der Telekom - darunter viele City- und Regionalcarrier - organisiert sind, findet lobende Worte für die BNetzA. Deren Entscheidung sei ein "großer Schritt in die richtige Richtung", die Behörde habe "eine richtige Weichenstellung für Glasfaser­investitionen in Deutschland" vorgenommen. Albers: "Die Beschluss­kammer hat an vielen Stellen den von uns vorgetragenen Argumenten Rechnung getragen, den Bestandsschutz erweitert und damit mehr Investitions­sicherheit geschaffen."

BREKO-Präsident Ralf Kleint betont unterdessen, mit der Vectoring-Liste sei "ein transparentes und faires System für die Planung und Koordinierung des Vectoring-Ausbaus" entwickelt worden. Denn in der Ursprungs­fassung des BNetzA-Entwurfs habe "die Telekom bereits durch das intransparente Einstellen von Planungen in ihren internen Systemen eine Reservierung von Kabelverzweigern zu ihren Gunsten auslösen können". Wolfgang HeerBUGLAS-Chef Wolfgang Heer
hätte sich detailliertere
Regelungen gewünscht

BUGLAS: "Mehr Transparenz und Rechtssicherheit"

Der BUGLAS beurteilt den Beschluss der Bundes­netz­agentur unterdessen als "deutliche Verbesserung", hatte sich aber mehr detailliertere Regelungen erhofft. "Wir hätten uns noch mehr Einzelregelungen im Beschluss gewünscht" - zum Beispiel bei den Sanktions­möglichkeiten, so Geschäfts­führer Wolfgang Heer gegenüber unserer Redaktion.

Positiv beurteilt der BUGLAS indes das Vectoring-Register ("schafft mehr Transparenz und Rechts­sicherheit"), den "unbedingten Bestands­schutz" im Falle des Ausbaus mit Fördermitteln (teltarif.de berichtete) sowie die Tatsache, dass die Telekom einem Mitbewerber bei Beantragung eines Kvz nun direkt mitteilen muss, ob der betreffende Kabel­verzweiger noch "frei" ist.

Telekom: "Wichtiger Meilenstein", aber kein Anreiz für Breitband-Ausbau auf dem Land

Lob an die BNetzA gibt es zuletzt auch von der Deutschen Telekom. "Wir begrüßen, dass die Bundes­netzagentur zügig nach der Konsultation ihren Entwurf einer Regulierungs­verfügung bei der EU-Kommission notifiziert hat. Dieser Schritt ist ein wichtiger Meilenstein für die Deutsche Telekom bei der Investition in hochleistungs­fähige Breitbandnetze", kommentiert Telekom-Sprecher Philipp Blank die Entscheidung.

Allerdings sei es bedauerlich, "dass die Entscheidung die Anreize für die Telekom, im ländlichen Raum zu investieren, nicht verbessert hat. Hier bleiben die Wettbewerber gefordert." Denn auf dem Land, beschreibt Blank die Problematik aus Sicht der Telekom, sei "eine Kündigung von Wettbewerbern, die einzelne Kabelverzweiger erschlossen haben, dort de facto kaum möglich (...). Wenn Wettbewerber nur einzelne, lukrative Kabelverzweiger erschließen, rechnet sich der Ausbau für den gesamten Ortsbereich für keinen anderen Anbieter." In diesem Fall, so der Telekom-Sprecher, könne man "nur hoffen, dass die Wettbewerber in diesen Fällen möglichst großflächig ausbauen".

Teilen (1)

Weitere Meldungen zum Thema VDSL Vectoring