Anhörung

BNetzA hinterfragt Telekom-VDSL-Antrag "intensiv & kritisch"

Die Beschlusskammer 3 der BNetzA war bei der Anhörung zum VDSL-Vectoring-Regulierungsantrag offenbar sehr kritisch und hat viele Zahlen und Angaben hinterfragt. Das berichten Teilnehmer der Runde gegenüber teltarif.de.
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Um Kabelverzweiger wie diese im Umkreis der Vermittlungsstellen geht es beim Telekom-AntragUm Kabelverzweiger wie diese im Umkreis der Vermittlungsstellen geht es beim Telekom-Antrag Die Bundesnetzagentur hinterfragt den VDSL-Vectoring-Antrag der Deutschen Telekom offenbar sehr intensiv und kritisch, wie uns Teilnehmer der mündlichen Anhörung beim Regulierer berichten. Dabei geht es um einen Regulierungsantrag der Deutschen Telekom um die Neuregulierung des Nachbereiches um die Vermittlungsstellen (Hvt-Nahbereich), den die Telekom exklusiv mit VDSL Vectoring ausbauen und ihren Wettbewerbern lediglich ein Bitstream-Produkt anbieten will. Nach Einschätzungen von Teilnehmern aus Wettbewerberkreisen dürfte der Antrag am Ende weder komplett abgelehnt noch dürfte die Exklusivität vom Regulierer abgenickt werden.

"Die BNetzA setzt sich sehr kritisch mit dem Antrag und den von der Telekom im Antrag genannten Zahlen auseinander", so Jörn Schoof, Leiter Corporate Affairs bei der M-net gegenüber unserer Redaktion. Er nahm an der mündlichen Verhandlung teil. Auch würden die technischen Angaben der Telekom intensiv geprüft und die Telekom müsse Daten bzw. Informationen nachliefern, so Schoof. Dem pflichtet auch VATM-Chef Jürgen Grützner bei, der eine auffällig detaillierte Arbeitsweise der Beschlusskammer feststellte. Allgemein dürfte dadurch deutlich sein, dass die Bundesnetzagentur versucht, einen für alle Seiten fairen und ausgewogenen Beschluss zu fällen und sich nicht durch Lobby-Arbeit der Beteiligten, über die wir gestern ausführlich berichtet haben, beeinflussen zu lassen.

Keiner der Wettbewerber sieht Notwendigkeit für Genehmigung des Antrags

Die Wettbewerber seien sich weitgehend einig gewesen, dass der Antrag abzulehnen sei. Lediglich eine Ausnahme habe es gegeben. Dabei handele es sich um die Telefónica, die aus dem Festnetz-Infrastrukturwettbewerb ausgestiegen ist und Vorleistungen bei der Telekom einkauft bzw. ihre eigene Infrastruktur an die Telekom abgegeben hat. Allerdings sah die Telefónica dem Vernehmen nach auch keinen Grund, warum nur ein einziger Netzbetreiber diese entsprechende Infrastruktur aufbauen sollte.

Geprüft würde zudem, ob nicht heute schon eine hinreichende Breitbandversorgung des Nahbereiches gegeben ist. Hier gehen die Angaben über die heutige Verfügbarkeit der Highspeedanschlüsse weit auseinander. Während die Telekom von einem einstelligen Prozentsatz sprach, wurden aus Wettbewerberkreisen sehr sehr hohe zweistellige Zahlen genannt. Hier wurden offenbar auch in der Anhörung verschiedene Szenarien - auch unter Zuhilfenahme von Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Breitbandatlasses - angenommen.

Übereinstimmend war aus der Anhörung auch zu hören, dass die Telekom sich für die geplanten Ausbauzahlen und -ziele rechtfertigen musste. So spricht sie öffentlich davon, durch den genehmigten Antrag 80 Prozent Deutschlands mit VDSL Vectoring versorgen zu wollen. In der Anhörung habe sie aber zugegeben, dass diese Zahl auch die Anschlüsse der Wettbewerber beinhalte. Zudem seien konkrete Zusagen in Summe schwierig, da man nicht wisse, welche Kvz die Telekom beim Vectoring-Flächenausbau bekomme.

Von der Telekom liegt uns nur eine kurze schriftliche Stellungnahme vor. Hier heißt es: "Trotz teils haarsträubender Stellungnahmen einiger Beteiligter vertrauen wir auf ein geordnetes Verfahren bei der Bundesnetzagentur. Es bleibt dabei: Wir wollen 80 Prozent der Haushalte mit superschnellen Festnetzanschlüssen versorgen und den Konkurrenten unsere Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das ist gut für die Menschen und gut für den Wettbewerb."

Keine Entscheidung, weitere Kommentierungen und Entwürfe erwartet

Die Anhörung blieb am Ende ohne Entscheidung - diese war auch nicht erwartet worden. Auch waren der Beschlusskammer den Schilderungen von Anwesenden zufolge keine Tendenzen für kommende Entscheidungen zu entnehmen. Lediglich eine kritische Nachfrage wurde der Beschlusskammer attestiert - was aber nicht als Nachteil zu werten ist. Es wird nun noch einmal die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme und zum Nachreichen von Unterlagen geben. Anschließend ist für frühestens Mitte/Ende April mit einem ersten Entscheidungs-Entwurf der BNetzA zu rechnen, der dann abermals kommentiert werden kann. teltarif.de wird weiter berichten.

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