Vectoring-Entscheidung

Vectoring: Politischer Druck vs. Wettbewerb

Es ist ruhig geworden um eine wichtige, anstehende Entscheidung: Den Antrag der Telekom zu Vectoring im Hvt-Nahbereich. Das deutet auf eine Entscheidung hin, die der Bundesnetzagentur nicht leicht fällt.
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Ein Kabelverzweiger der Telekom mit VectoringEin Kabelverzweiger der Telekom mit Vectoring Eigentlich sollte es ganz schnell gehen: Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann hatte im Februar versprochen, dass seine Behörde "zügig eine Entscheidung treffen" werde. Doch auf diese Entscheidung wartet die Branche heute immer noch. Es geht um die sogenannte Vectoring-II-Entscheidung, also einen Antrag der Deutschen Telekom, künftig in den Vermittlungsstellen (Hauptverteiler/Hvt) und im Umkreis von 550 Metern Vectoring einsetzen zu dürfen - und zwar exklusiv.

Kurze Rückblende: Die Wettbewerber fürchten, sollte dieser Antrag durch die Bundesnetzagentur genehmigt werden, dass ihnen die lukrativen Bereiche eines Ortsnetzes im VDSL-Ausbau durch ein Telekom-Exklusivrecht weggenommen werden. Zwar können sie durch eine Bitstream-Vorleistung der Telekom selbst auch VDSL anbieten, doch können sie diese Leitungen nicht selbst produzieren, womit die Marge deutlich geringer wird. Und noch schlimmer aus Wettbewerbersicht: Auch bereits bestehende VDSL-Leitungen müssten abgeschaltet und durch Telekom-Vorleistungen ersetzt werden. Von einem Entzug der Geschäftsgrundlage ist gar die Rede.

Die Telekom will im Hvt-Nahvereich Vectoring einsetzen, um damit 100-MBit/s-Anschlüsse anbieten zu können. Die Wettbewerber hingegen fordern, dass der Antrag abgelehnt wird, schließlich sei es gerade der Nahbereich der Vermittlungsstellen, der dicht besiedelt und damit für eine Erschließung durch die Wettbewerber interessant sei. Die logische Konsequenz aus ihrer Sicht: Hier lohnt sich am ehesten ein echter Glasfaserausbau. Würde nun die Kupferleitung auch hier weiter "vergewaltigt", um noch höhere Datenraten zu erzielen, so sei der Vorteil von Glasfaserleitungen deutlich geringer und damit die Akzeptanz der Kunden niedriger.

Dichtes Glasfasernetz mit Zukunfts-Perspektive

"Wir brauchen dieses Glasfasernetz in Deutschland", ist Peter-Paul Poch, beim Berliner Provider DNS:net für Regulierungsfragen zuständig, überzeugt. Dabei geht es ihm gar nicht mal vorrangig darum, die Privathaushalte mit Glasfaser zu versorgen. Denn liegt erst einmal ein Glasfaserkabel in der Erde und in den Häusern, so ergeben sich auch andere Möglichkeiten. "Wenn ein Mobilfunkanbieter heute einen Sendemast aufstellen will, ist die Stromversorgung kein Problem. Teuer wird es für ihn, will er die Daten des Sendemastes nicht über Richtfunk, sondern über Glasfaser abtransportieren." Denn Glasfaserleitungen finden Mobilfunkanbieter nur in wenigen Orten bzw. Häusern. "Hat ein Provider aber einen Glasfaseranschluss in die Häuser gelegt, so wäre es für ihn ein leichtes, eine Leitung bis zum Dach zu verlegen und so dem Mobilfunkanbieter eine Glasfaseranbindung anzubieten - eine Win-Win-Situation für beide Unternehmen."

Die Diskussionen um LTE Advanced und 5G zeigt, dass die Sendemasten in Städten künftig noch viel engmaschiger gebaut werden müssen, um die Kapazitäten, die nachgefragt werden, auch bedienen zu können. Hier bietet sich Glasfaser als Medium für den Abtransport an.

Warten auf den Entwurf

Zurück zum Antrag: In der Branche hieß es einhellig, für Ende April, Anfang Mai sei mit dem Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur zu rechnen. Dass es nun, sechs Wochen später, von allen Seiten schulterzuckend heißt "Wir hören auch nichts", zeigt, wie schwer der Beschlusskammer die Entscheidung fallen muss. Und gibt Raum für Spekulationen, wie groß ein möglicher politischer Wille dieses Antrages sein mag. Schließlich sind von der Bundesregierung zwei Dinge bekannt: Der flächendeckende Breitbandausbau bis 2018 ist politisch gewollt und die Deutsche Telekom befindet sich zu einem nicht geringen Teil in Staatshand. Dass der Regulierungsantrag der Telekom politisch gewollt sei, wird hinter vorgehaltender Hand zumindest gemunkelt. Unwahrscheinlich ist es nicht, waren doch so manche Äußerungen der CSU, die immerhin den Bundesminister für digitale Infrastruktur stellt, in den vergangenen Monaten zumindest nicht Telekom-feindlich.

Die Hoffnung der Branche ist aber weiterhin, dass es zu einer ausgewogenen Entscheidung kommt - wie auch immer diese dann im Detail aussehen mag. Zwar lautet die eigentliche Forderung der Wettbewerber weiterhin simpel "ablehnen", doch ob das in der Gesamtbetrachtung, den politischen Rahmenbedingungen und der zig-Mann starken Regulierungsabteilung der Telekom machbar ist, wird erst die wirkliche Entscheidung der Bonner Behörde zeigen. Vor Ende Juni ist nicht mit einem Entwurf zu rechnen. Dann trifft sich das nächste Mal der Beirat der Aufsichtsbehörde. Wie lange es dann noch dauert, ist aktuell unklar.

Details zum Antrag der Telekom haben wir vor einigen Wochen in einer eigenen Meldung zusammengestellt.

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