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VDSL-Ausbau: Die Ersten werden die Letzten sein

Die Telekom hat 2006 mit dem Aufbau des VDSL-Netzes in Großstädten begonnen. Doch mehr als 50 MBit/s gibt es dort bis heute nicht. Der Ausbau mit Vectoring und VDSL 100 erfolgt vor allem in den Außenbezirken der Städte.
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VDSL der Telekom in Hamburg: VDSL 50 links und VDSL 100 rechtsVDSL der Telekom in Hamburg: VDSL 50 links und VDSL 100 rechts Es ist mehr als zehn Jahre her, dass die Deutsche Telekom ihr VDSL-Netz startete. Damals startete das Netz nach langen regulatorischen und politischen Grabenkämpfen und nur für Kunden, die auch Fernsehen über die Leitung gucken wollten. Dafür waren dann aber Datenraten von 25 oder gar 50 MBit/s möglich - die schnellsten Anschlüsse Deutschlands. Ausgebaut wurden im ersten Schwung zwölf Städte, später einmal waren es etwa 50 Städte. Wer heute in diesen Städten wohnt und auf VDSL 100 wartet, muss jedoch Geduld haben: In den wenigsten Regionen wurde bislang VDSL Vectoring nachgerüstet.

Werfen wir einen Blick zurück: Als die Telekom mit VDSL startete, war das Angebot quasi nicht buchbar. Die Telekom sprach gezielt Kunden an, die den Dienst buchen sollten. Denn sie wollte ihr damals noch als T-Home bezeichnetes Entertain-Angebot vermarkten. Hier hatte sie eine Kooperation mit dem Sky-Vorgänger Premiere für die Fußball-Bundesliga. Premiere hatte damals alle Kabel- und Satelliten-Rechte verloren, konnte nur noch per Internet senden. Gerüchten zufolge kommentierte Marcel Reif damals für 43 mögliche Zuschauer am ersten Spieltag.

Umstellung auf Vectoring nicht ganz einfach

Erst später war der VDSL-Anschluss auch Stand Alone buchbar. Dafür dann aber ab 2008 in etwa 50 Städten. Diese Anschlüsse verschafften der Telekom bei der später aufkommenden Diskussion um die Einführung von VDSL Vectoring einen Vorteil. Sie war erst einmal nicht gezwungen, die VDSL-Kabelverzweiger mit Vectoring zu versehen, da es für bereits ausgebaute Gebiete einen Bestandsschutz gibt. Der Ausbau mit Vectoring erfolgte also vor allem in nicht mit VDSL versorgten Gebieten. Im Umkehrschluss führt das aber dazu, dass jene Haushalte, die vor zehn Jahren einen der schnellsten Internetanschlüsse Deutschlands hatten, bis heute noch kein VDSL 100 buchen können. Schnellere Anschlüsse gibt es in diesen Regionen nur über teilweise überlastete Kabelanschlüsse oder bei einem direkten Glasfaseranschluss.

VDSL der Telekom in Berlin: VDSL 50 links und VDSL 100 rechtsVDSL der Telekom in Berlin: VDSL 50 links und VDSL 100 rechts Die Umstellung auf Vectoring ist für die Telekom allerdings auch nicht einfach. Viele Kunden nutzen noch ihre oft in die Jahre gekommenen VDSL-Modems. Diese unterstützen jedoch kein Vectoring. Im Gegenteil: Würden sie weiterverwendet, würden sie Störungen verursachen. Gleichzeitig will die Telekom mit Vectoring auf ihr neues BNG-Netz umstellen, was wiederum die Abschaltung von Analog- und ISDN-Anschlüssen der Kunden bedeutet. Die Anschlüsse der Kunden müssen also zunächst auf All-IP umgestellt oder notfalls gekündigt werden.

In 27 Großstädten gerade einmal 2500 KVz mit Vectoring

Deutschlandweit gibt es etwa 330 000 Kabelverzweiger (KVz). Etwas mehr als 90 000 davon waren Ende 2016 mit Vectoring durch die Telekom oder andere Anbieter versorgt. Doch in 27 der ersten VDSL-Städte waren gerade einmal 2531 KVz mit Vectoring-Technik aufgebaut und in Betrieb - die meisten davon in bislang nicht mit VDSL versorgten Gebieten.

So bringt Berlin es zwar laut der uns vorliegenden Liste von Mitte Dezember auf 506 KVz, die bereits mit Vectoring versorgt sind. Allerdings handelt es sich dabei größtenteils um einen Neuausbau von VDSL in Stadtteilen wie Gatow und Kladow, Reinickendorf und Pankow. Auch Dresden gehörte zu den ersten Städten mit VDSL. Heute sind im Vorwahlbereich schon 507 KVz mit Vectoring versorgt - allerdings stehen diese nicht in Dresden direkt, sondern in Radebeul. Und nicht alle sind von der Telekom versorgt, einen Teil hat die Freitaler Strom + Gas versorgt.

Hamburg sollte eigentlich Ende vergangenen Jahres bereits Zugriff auf Vectoring haben. Doch auch hier scheint man dem Plan hinterher zu sein. Zwar sind schon 902 Kvz Ende des Jahres mit Vectoring ausgebaut gewesen, doch auch hier sind zumindest die Innenstadtbereiche außen vor.

Frankfurt, Bochum und Dortmund ohne Vectoring

Ganz schlecht sieht der Ausbau in den Großstädten München und Frankfurt aus. In den jeweiligen Vorwahlbereichen gibt es in München derzeit acht KVz mit Vectoring (drei davon von inexio), in Frankfurt gar keinen. Die Münchener dürften damit allerdings die geringsten Probleme haben: Dort hat M-Net ein nahezu flächendeckendes Glasfasernetz bis zu den Häusern errichtet. Auch Essen, Darmstadt und Stuttgart (jeweils 1 KVz) und Bochum, Dortmund und die T-City Friedrichshafen (jeweils 0 KVz) sind am Ende der Ausbauliste zu finden.

VDSL der Telekom in München: VDSL 50 links und VDSL 100 rechtsVDSL der Telekom in München: VDSL 50 links und VDSL 100 rechts Weitere Ausbaustände Mitte Dezember 2016: Bremen 21 KVz (Großteil durch Nordcom), Nürnberg 5 KVz, Karlsruhe 49 KVz, Ludwigshafen 37 KVz, Mainz 11 KVz, Wiesbaden 10 KVz, Duisburg 3 KVz, Hannover 135 KVz, Leipzig 127 KVz, Köln 108 KVz (ein Teil davon von NetCologne), Mannheim 37 KVz und Wuppertal 84 KVz. Wer dabei auf die Ausbaukarte der Telekom schaut, der sieht, dass der VDSL 100 Ausbau in diesen Städten grundsätzlich in Randgebieten erfolgt ist, in denen VDSL mutmaßlich zuvor noch gar nicht eingesetzt wurde. Die große Fläche der Innenstädte und Wohngebiete ist noch nicht mit VDSL 100 erschlossen. Das zeigt auch die geringe Anzahl der versorgten Kabelverzweiger.

Zur CeBIT im vergangenen März sagte uns der damalige Technik-Chef der Telekom-Deutschland Bruno Jacobfeuerborn, die Telekom nehme schon erste Freischaltungen für Vectoring im Netz vor. Die Telekom gehe davon aus, dass alle 51 VDSL-Städte der ersten Stunde bis Ende 2017 auch 100 MBit/s per VDSL bekommen können. Dieser Zeitplan ist noch einzuhalten.

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