Politik

Kein Glasfaser-Ausbauziel vor Ende 2017

Wie können Netzbetreiber möglichst schnell möglichst viele Kunden mit schnellem Internet versorgen, ohne sich den Weg in die Zukunft zu verbauen? Beim VATM wurde jetzt darüber diskutiert.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Wer auch immer in den Reihen der Telekom-Wettbewerber gehofft hatte, dass die Politiker von ihrem Ziel 50 MBit/s für alle bis 2018 abweichen werden, der wurde beim VATM Telekompass in Berlin am Montagabend eines Besseren belehrt. Die Wettbewerber fordern, das Ziel aufzugeben, weil es im Hinblick auf die Infrastruktur vor allem in Bezug auf den Einsatz von VDSL Vectoring die falschen Weichen stelle. Wichtig sei, darüber hinaus zu denken und zu planen. Entsprechend würden sie sich ein Gigabit-Ziel wünschen, wie es beispielsweise das Bundeswirtschaftsministerium im März vorgeschlagen hat. Doch damit, so Stefan Schnorr, Leiter der Abteilung "Digital- und Innovationspolitik" im Wirtschaftsministerium, habe man zunächst einmal nur Impulse setzen wollen. Die Regierung werde sicherlich nicht so bald ein neues Breitbandziel beschließen. Das sei wohl Aufgabe der nächsten Koalitionsparteien - zeitlich also aller Voraussicht nach nicht vor Ende 2017.

Der Präsident des VATM und Geschäftsführer des Providers 1&1, Martin Witt, forderte "leistungsfähige Gigabit-Infrastrukturen auf Glasfaserbasis nicht nur in Ballungsgebieten, sondern auch auf dem ländlichen Raum". Dazu sei aber auch ein faires Miteinander und ein gemeinsamer Masterplan notwendig. Mit 50 MBit/s seien viele der künftigen Anwendungen nicht machbar - in der Industrie schon gleich gar nicht. Dem pflichtete auch Dr. Iris Hensel-Unger, Geschäftsführerin des WIK, bei. In ihren Augen sei es auch wichtig, gerade in ländlichen Regionen über oberirdische Glasfaserstrecken auf Masten nachzudenken. Das würde die Baukosten enorm drücken - und wenn eines Tages die parallel laufende Straße saniert werde, könne dann ja auch das Kabel in die Erde wandern.

Goldener Mittelweg gefordert

Vectoring oder kein Vectoring - darüber streiten die AnbieterVectoring oder kein Vectoring - darüber streiten die Anbieter Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel sah die Sachlage etwas pragmatischer. Er sieht das 50-MBit/s-Ziel als wichtig an, um erst einmal überhaupt eine Breitbandversorgung zu schaffen. Allerdings sollte in seinen Augen möglichst viel mit Glasfaser-Infrastruktur geschaffen werden. Die aktuelle Vectoring-Diskussion und die sich abzeichnende Entscheidung sei hier jedoch wenig förderlich, da sich damit die Kalkulationsgrundlage für Glasfaserleitungen ändere. Erste Stadtwerke in seinem Land seien deswegen schon wieder in Wartestellung gegangen, statt den Ausbau weiter anzugehen.

Wettbewerber und Telekom sind gänzlich unterschiedlicher Auffassung, was den Einsatz von VDSL Vectoring im Nahbereich angeht. Zuletzt hatte ein Gutachten des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Justus Haucap der Telekom zumindest viele Vorteile im geplanten Vectoring-Ausbau bescheinigt.

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