VATM feiert und mahnt

VATM: Telekom bleibt wichtiger Partner im Wettbewerb

VATM-Präsident Martin Witt plädiert für eine Balance zwischen Netz ausbauenden und Netz nutzenden Unternehmen und Wettbewerb auch auf der Glasfaser.
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Martin Witt, Präsident des VATMMartin Witt, Präsident des VATM und CEO bei der 1&1 Telecommunikations SE Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) feiert zugleich mit der als Bundesamt für Post und Telekommunikation und späteren Regulierungsbehörde für Post- und Telekommunikation gestarteten und heutigen Bundesnetzagentur sein 20-jähriges Jubiläum. Für Martin Witt, einst hochrangiger Manager bei der Deutschen Telekom, später in leitender Funktion beim Service-Provider Debitel und heute Präsident des VATM und Vorstandsvorsitzender der 1&1 Telecommunikations SE war und ist das ein lebendiger Wettbewerb.

Rückblick und Ausblick

Witt dankte Dr. Hanspeter Kohlhammer, dem ersten Präsidenten des VATM und seinem ersten Geschäftsführer Gerd Eickers. Gerne hätte er den zwischenzeitlich verstorbenen Harald Stöber, einst im Vorstand von Mannesmann D2 und später Chef des Festnetz-Anbieters Arcor begrüßt. Stöber habe den VATM entscheidend geprägt. Witt, der den aktuellen Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, und seinen Vorgänger Matthias Kurth unter den rund 300 Gästen begrüßte, plädierte für eine Balance zwischen den Netze ausbauende und Netze nutzende Anbietern.

Koalitionsvertrag zukunftsweisend

So einen „zukunftsweisenden Koalitionsvertrag mit Festlegung auf Glasfaser und 5G“ habe es noch nie gegeben, so Witt. Als VATM sprach er sich für eine Flexibilisierung aus.

Witt plädierte dafür, es sei sinnvoll, erst einmal flächendeckende Infrastruktur zu bauen. Auf die gebaute Infrastruktur sollen auch Andere drauf dürfen, es sei “falsch, dreifach zu bauen“. Für Witt ist es sehr wichtig, den Zugang zum 5G-Netz auch für virtuelle Netzbetreiber (MVNO), Service-Provider und Diensteanbieter zu öffnen.

Telekom hat wichtige und tragende Bedeutung

Die gesamte Industrie müsse ihre Kräfte bündeln, dabei werde der Deutschen Telekom eine wichtige und tragende Bedeutung zukommen, aber Wettbewerb und Innovationen auf Glasfaser müssten möglich bleiben, die Bundesnetzagentur solle das sicherstellen.

Witt ist stolz: 60 Prozent der DAX-Unternehmen werden von VATM Mitgliedern mit TK-Dienstleistungen beliefert. Beim Verlegen von Ferngasleitungen kam die Idee, gleich eine Glasfaserleitung dazu zu packen - das Unternehmen Gasline war geboren, worin Gas-, Energieversorger sowie Kommunikationsunternehmen zusammen arbeiten. Gasline ist konsequenterweise Mitglied im VATM.

Deutsche Glasfaser lobt Finanzinvestor

Wolfgang Rinner von Gasline hatte zuvor bei Vodafone gearbeitet, heute hat er mit 15 regionalen Gasgesellschaften zu tun und hat auch Verträge mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen. Der Name des Unternehmens ist Programm. Deren Vorstand Uwe Nickl möchte „neue Welten schaffen“. Zum Ausbau brauche man „tiefe Taschen“, er lobte damit seinen Finanzinvestor (KKR). Die Förderung solle nicht nur die unmittelbaren Grabungsarbeiten, sondern auch die Endkundentarife unterstützen, weil das die Nachfrage belebe.

Verbraucherschützer lieben Wettbewerb und Daseinsvorsorge

Für Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband ist „Wettbewerb der Freund des Verbraucherschützers“. Andererseits sei Netzausbau auch Daseinsvorsorge. Müller ärgert sich über die Angaben „von bis zu“ in den Angebotsprospekten der TK-Branche.

VATM gegen Regulierungsferien

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner appellierte, keine Regulierungsferien zu machen. Stattdessen sollten die Vorgaben durch konkrete Verträge, wo möglich, ersetzt werden, die Bundesnetzagentur sei ein Schiedsrichter, der aufpasst.

Iris Plöger vom Bundesverband der Industrie (BDI), stellte fest, dass viele Unternehmen, die schnellen Leitungen nicht abriefen, weil sie noch ratlos seien, wie sie das schnelle Internet richtig einsetzen könnten.

Witt dankte seinem Geschäftsführer Jürgen Grützner, der dieses Amt im September 2018 seit 20 Jahren inne hat (Grützner: „Ich habe mich alle zwei Jahre neu beworben!“) und vorher dem in Sachen TK-Regulierung federführenden CDU-Abgeordneten Elmar Müller abgeworben worden war.

Beweisen, dass wir es können

Gründungspräsident Klaus Kohlhammer brachte das Dilemma seines Verbandes auf den Punkt. „Es war immer schwierig zu beweisen, dass wir es können“. Es gab Kämpfe mit der Deutschen Telekom um Netzzugang und die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) auf der letzten Meile. Schon früh sei die Datendienstleistung aus dem damaligen Postmonopol herausgenommen worden. Damals konnten 1 kB Daten für unglaublich günstige 10 Cent bezogen werden, aber die lieferbaren Modems leisteten nur 300 Bit/s. „Die Übertragung von 1 GB hätte Jahre gedauert!“

Call by Call ließ den Verbraucher den Wettbewerb spüren

Call by Call spielte zu Beginn der Liberalisierung eine wesentliche Rolle, denn Call by Call war schnell im Markt, bundesweit verfügbar und der Verbraucher spürte sofort den Wettbewerb. Die Liberalisierung bekam Akzeptanz, Call by Call war ein "Booster für den Wettbewerb".

Die Saarland Connection

In seinem Schlusswort berichtete der Saarländer, David Zimmer vom Glasfasernetzbetreiber inexio, dass sie bei einer landesweiten Ausschreibung zwei von sechs saarländischen Landkreisen gewonnen haben, drei gingen an die Deutsche Telekom, einer an einen Mitbewerber. Nicht nur in der Berliner Politik, auch beim Glasfaserausbau spiele das Saarland eine zunehmend wichtige Rolle.

Vor 300 Gästen hat die CDU-Generalsekretärin und ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer in freier Rede die Bedeutung der Glasfaser für die digitale Zukunft Deutschlands betont: Glasfaser ist wie der Bau der Eisenbahn vor über 100 Jahren.

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