Reaktion

Wettbewerber: BNetzA hat sich von Telekom-Angebot abhängig gemacht

Der Wettbewerbsverband VATM kritisiert die Bundesnetzagentur scharf. Sie habe den Glasfaserausbau in Deutschland verlangsamt. Hintergrund ist ihre Entscheidung zu VDSL Vectoring.
Von Thorsten Neuhetzki
AAA
Teilen (2)

So viel zum Thema Versachlichung: Nachdem sich der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann heute im Handelsblatt mit einer Kritik an den Wettbewerbern zitieren ließ, kommen nun auch diese zum Thema VDSL Vectoring wieder aus der Deckung. Dabei hatte noch vor knapp zwei Wochen Homann selbst zu einer Versachlichung aufgerufen. Homann hatte den Wettbewerbern heute durch das Interview in der Zeitung vorgeworfen, unter dem Deckmantel des Wettbewerbs zuallererst eigene betriebswirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Im Klartext: Alle Argumente zum Thema Wettbewerb im Nahbereich der Vermittlungsstellen sein nur vorgeschoben.

Weiter argumentierte Homann, dass die Wettbewerber auch nach der Entscheidung der Behörde zu Gunsten der Telekom weiterhin eigene Glasfaserinfrastrukturen errichten könnten. Dem entgegnet Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM: "Aus unserer Sicht ignoriert die Entscheidung der Bundesnetzagentur die wesentlichsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen weiteren erfolgreichen Ausbau von FTTB und FTTH, Glasfaser bis zum Haus und zum Endkunden, und die zukünftige Migration zu den Gigabit-Netzen, die wir für die Gigabit-Gesellschaft brauchen. Alle Marktteilnehmer gehen davon aus, dass ein paralleler Ausbau von FTTB/H und Vectoring die Netzauslastung und Wirtschaftlichkeit minimiert und Investoren abhält." Nach seiner Darstellung sei der fragliche Ausbau in den kommenden Jahren im Wettbewerb genauso schnell erfolgt, da dies über Ausschreibungsverfahren und Fördermittelanträge für ganz Deutschland sichergestellt sei. Die Entscheidung habe der Glasfaserausbau in Deutschland verlangsamt. "Für den Wettbewerb und den späteren Glasfaserausbau mit FTTB/FTTH ergeben sich gleichzeitig erhebliche Nachteile, die bei einem minimal geförderten Ausbau nicht entstanden wären."

Der Ausbau neuer Infrastruktur mit Glasfaser könnte sich verlangsamenDer Ausbau neuer Infrastruktur mit Glasfaser könnte sich verlangsamen Grützner glaubt auch nicht, dass die Telekom zeitnah von VDSL mit einem Mix aus Glasfaser und Kupfer zu einer vollkommenen Glasfaserinfrastruktur wechseln wird. Ein solches Bild hatte wurde gestern erst auf der Breitbandkonferenz des VDE von der Telekom skizziert. "Die Telekom wird deutlich länger die Kupferleitungen für null Euro nutzen als die Wettbewerber, die für jeden Anschluss 7 Euro pro Monat für die Miete zu zahlen und damit einen erheblichen Migrationsdruck auf FTTB/FTTH haben", befürchtet Grützner.

Der VATM attackiert die Bundesnetzagentur scharf. Sie habe "sich vollständig abhängig gemacht vom Angebot der Telekom" und wolle ein Abrücken davon nicht akzeptieren. Die Telekom ihrerseits biete aber weder den von der Bundesregierung geforderten Ausbau zu 100 Prozent in der Fläche an noch den Ausbau zu 90 Prozent. Im ländlichen Bereich seien es nicht einmal drei Viertel. "Damit bleiben gerade die am schwierigsten versorgbaren Gebiete nachweislich unversorgt und erhalten nicht einmal Glasfaser bis zum Kabelverzeiger, also VDSL, "was sie bei einem geförderten Ausbau zweifellos erhalten hätten". Die Telekom biete im Gesamtergebnis einen schlechteren VDSL-Ausbau als gefordert. Sie hat sich hier in erheblichen Maße Ausnahmen vorbehalten. Laut Grützner werde damit der Ausbau mit FTTB/FTTH deutlich verzögert, da die Telekom keinerlei Interesse an einer schnellen Substitution ihres Kupfernetzes hat.

Kommentar von Redakteur Thorsten Neuhetzki
Redakteur Thorsten Neuhetzki Auch wenn nun also eine Entscheidung auf dem Tisch liegt - das letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht gesprochen. Dabei wäre es im Interesse aller, den zahlreichen Worten nun Taten folgen zu lassen. Die Wettbewerber sollten zeigen, dass ihnen der Glasfaserausbau ernst ist und versuchen, die weniger wirtschaftlichen Gebiete mit einem für alle Seiten sinnvollen Modell zu erschließen. Sie hätten gegenüber der Telekom und ihren Wettbewerbern in diesen Gebieten einen erheblichen Vorteil, den die Kunden sicher zu honorieren wissen. Und auch die Telekom sollte ihren Worten Taten folgen lassen und nicht nur Rosinen in den Ortsnetzen picken, sondern auch die nicht wirtschaftlichen Kabelverzweiger durch eine Querfinanzierung mit ausbauen. Sollten jetzt komplett unwirtschaftliche Gebiete unversorgt bleiben, so besteht die Gefahr, dass sich die kommenden fünf bis zehn Jahre kaum jemand findet, diese gezielt auszubauen. Und: Die Telekom sollte versuchen, Nachfrage ihrer Kunden zu bündeln. Nur so findet sie heraus, wo es ein echtes FTTB/H-Interesse gibt und wo VDSL mittelfristig erst einmal ausreicht.
Teilen (2)

Mehr zum Thema VDSL Vectoring