Streit

VATM warnt: VDSL Vectoring kann in die Sackgasse führen

Schnelle Internetzugänge mit VDSL Vectoring haben das Potenzial, den Breitbandausbau nachhaltig zu behindern: Und zwar dann, wenn der Vectoring-Antrag der Telekom durchgeht und die BNetzA ein neues Monopol für die Telekom einrichtet. Der VATM fordert: Komplettversorgung mit Glasfaser.
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Streit um den GlasfaserausbauStreit um den Glasfaserausbau In einem Pressegespräch kritisierte VATM-Präsident Martin Witt den Vectoring-II-Antrag der Telekom zur Regulierung im Nahbereich um die rund 7700 Hauptverteiler (Hvt). Die Telekom versuche, sich hier ein neues Monopol aufzubauen. Der VATM fordert die Bundesnetzagentur auf, den Antrag abzulehnen. Dafür gebe es viele Gründe.

BNetzA-Beirat behandelt Vectoring-Antrag

Am Montag beschäftigt sich der Beirat der Bundesnetzagentur mit dem Vectoring-Antrag der Telekom. Diese hatte im Frühjahr beantragt, VDSL Vectoring aus der Vermittlungsstelle und den Kabelverzweigern im direkten Umfeld anbieten zu dürfen - und zwar exklusiv.

Laut VATM begründet die Telekom den Antrag unter anderem damit, dass exklusives Vectoring um den Hvt Zeitersparnisse beim Breitbandausbau bringe. Dem setzt Martin Witt entgegen, dass es nicht möglich sei, alle Hvt gleichzeitig auszubauen. Insofern sei es fraglich, warum die Wettbewerber hier vollstädnig ausgeschlossen werden sollten. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner ergänzte, dass der Antrag in Brüssel auf Widerstand stoßen werde. Sollte die BNetzA den Antrag unterstützen, rechnet er mit langwierigen Auseinandersetzungen. Dann seien aber Verzögerungen die Folge und keine Zeitersparnis in puncto Netzausbau. Die Wettbewerber hingegen stünden für präzisen und zielgerichteten Ausbau der Infrastruktur - weiße Flecken seien bis 2018 durchaus zu erschließen.

Der Vectoring-Antrag kenne aber nur einen Gewinner: Die Telekom. Wettbewerber und Bürger hätten hingegen das Nachsehen. Die bisherige Vectoring-Regulierung lobte der VATM hingegen. Das dabei zum Tragen kommende "First come, First Serve"-Prinzip habe sich bewährt, da Wettbewerber und Telekom die Möglichkeit hätten, neue Gebiete für ihre Netze zu erschließen. Der neue Vectoring-Antrag hebele dieses Verfahren aus.

Breitbandausbau-Ziele über 2018 hinaus definieren

Die Breitbandziele der Bundesregierung hält der Verband für wenig ambitioniert. Zwar unterstütze der VATM das Ziel, bis 2018 Internetzugänge mit mindestens 50 MBit/s möglichst flächendeckend anzubieten, aber es fehle eine Vision. Es gebe aktuell keine über 2018 hinausgehenden Ziele. Hier stehe auch die VDSL- und VDSL-Vectoring-Technologie im Wege: Ziel müsse die Komplettversorgung mit Glasfaser sein, da die benötigten Bandbreiten weiter steigen werden. 2030 werde Deutschland eine Gigabit-Gesellschaft sein. Der Breitbandausbau sei nicht nur Standortsicherung sondern auch ein gutes Mittel, die anhaltende Landflucht abzuschwächen.

Die Politik fordert der Verband auf, sich mutiger für Ausbau von Glasfaser-Infrastrukturen einzusetzen. Wichtig sei, dass alle Marktteilnehmer gemeinsam einen Weg finden den Breitbandausbau voran zu bringen. Exklusivität, wie sie die Telekom für sich fordert, sei dabei indiskutabel. Die Telekom habe vor dem Antrag nicht das Gespräch mit den Wettbewerbern gesucht, bedauert Witt.

BNetzA entscheidet wohl erst im Spätsommer

Bis die BNetzA über Vectoring-Antrag der Telekom entscheidet, dürfte es noch etwas dauern. BNetzA-Präsident Jochen Homann wollte zunächst eine schnelle Entscheidung herbeiführen. Nun zeigt sich jedoch mit Verzögerungen zu rechnen ist - zumal die BNetzA zwischenzeitlich eine intensivere Prüfung angekündigt hat.

Der Beirat der BNetzA wird sich am Montag, den 29. Juli, mit dem Antrag beschäftigen. Allerdings wird erst eine Beschlusskammer der BNetzA eine finale Entscheidung treffen. Nun ist klar, dass mit einem Entschluss wohl erst im Spätsommer zu rechnen ist - möglicherweise wird sich der Prozess auch bis in den Herbst hinziehen.

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