Breitbandausbau

BUGLAS und VATM ziehen positive Bilanz zum Glasfaserausbau

Dieser Tage fand in Berlin eine gemeinsam von BUGLAS und VATM ausgerichtete Veranstaltung statt, wo sich beide Verbände zufrieden mit den Anstrengungen zum Breitbandausbau mit echten Glasfaserleitungen bis zum Kunden zeigten.
AAA
Teilen (12)

Wenn es um den Breitband­ausbau geht, dann können beteiligte Unternehmen die Aufgaben nicht alleine stemmen. Daher kümmern sich verschiedene Verbände um eine Koordinierung solcher Maßnahmen, um den finanziellen Druck für einzelne Markt­teilnehmer zu senken.

Unter anderem betreiben die beiden Verbände BUGLAS und VATM eine Open-Access-Plattform, um die Zusammen­arbeit zwischen Netz­betreiber und Vermarkter zu verbessern. Diese Woche fand eine von beiden Verbänden organisierte Veranstaltung statt, wo eine positive Bilanz zu den bisherigen Bemühungen durch die Wirtschaft gezogen wurde.

"Open-Access-Kooperationen, bei denen die Betreiber von Glasfaser­netzen Vorleistungs­produkte an Dritte vermarkten, haben sich im Markt etabliert. Im Interesse von Bürgern und Unternehmen arbeiten immer mehr Wett­bewerber mit hoher Dynamik auf Gigabit-Anschlussnetzen zusammen. Die für diese Zusammen­arbeit notwendigen Kooperations­plattformen und hoch­spezialisierten Dienstleistungs­angebote unserer Mitglieds­unternehmen funktionieren", fassen die Geschäfts­führer Jürgen Grützner (VATM) und Wolfgang Heer (BUGLAS) die Veranstaltung zusammen.

Es braucht die richtigen Anreize

Glasfaserausbau in DeutschlandBUGLAS und VATM können eine positive Bilanz ziehen beim Glasfaserausbau "Kooperationen zwischen Infrastruktur­anbietern und Nach­fragern sowie den Plattform­anbietern als Lösungs­dienstleistern bilden den Treibstoff für den weiteren Ausbau hochleistungs­fähiger Gigabit-Netze", so Grützner und Heer.

Vor allem die Vermarktung von Vorleistungen könnte dabei eine erheblich bessere Auslastung der Glasfaser­netze ermöglichen. Vorausgesetzt die beteiligten Unternehmen öffnen sich für den Gedanken einer Open-Access-Plattform. Das wiederum kann zusätzliche Deckungs­beiträge für den jeweiligen Netz­betreiber nach sich ziehen, was wiederum in den weiteren Ausbau der Netze investiert werden kann – oder in weitere Projekte für den Ausbau.

Ein wesentlicher Gedanke solch einer Plattform ist ziemlich pragmatisch: Es soll der Parallel­ausbau von Gebieten mit Glasfaser verhindert werden. Für den TK-Anbieter würde solch eine regulierende Maßnahme sogar Vorteile bringen. Immerhin könnten Angebote mit dedizierter Bandbreite und deutlich effizientere Skalierung umgesetzt werden, zum Beispiel für Triple-Play-Pakete (Telefon, Internet IP-basierendes Fernsehen).

Für den Endkunden bedeutet dies letztlich nichts anderes, als dass der Anbieter der Wahl sehr schnelle und vor allem auch bezahlbare Breitband-Anschlüsse anbieten kann. Die bestmögliche Leistung wäre kein Wunschtraum mehr.

Vorreiter und ihre Technik

Wichtig für Open-Access-Kooperationen sind aber nicht nur die Ideen und deren praxis­taugliche Umsetzung, sondern auch die beteiligten Unternehmen. So kann der BUGLAS auf der Anbieter­seite namhafte Unternehmen wie wilhelm.tel, M-net, NetCologne und die Deutsche Glasfaser vorweisen. Von der Nachfrager-Seite wiederum kann der VATM mit 1&1, Vodafone und Telefónica Deutschland geballte Marktmacht bereitstellen.

Als Bindeglied fungiert dabei eine Order-Schnittstelle, worüber die automatisierte Abwicklung der nötigen Geschäfts­prozesse erfolgt. Aber auch entsprechende Verträge zwischen den beteiligten Parteien dürfen dabei nicht außer Acht bleiben: Auf diesen basiert letztlich auch die Geschäfts­beziehung zwischen Netz­betreiber und TK-Anbieter für die am Endkunden erbrachten Leistungen.

Nicht zuletzt für die Wirtschaft ist ein solch geförderter Ausbau von Glasfaser­anschlüssen von essentieller Bedeutung. Nach Einschätzung von Dr. Jürgen Hernichel, Vorstands­vorsitzender des VATM-Mitglieds 1&1 Versatel, sind mittel- bis langfristig nur echte FTTB-/FTTH-Anschlüsse ausreichend für den künftigen Breitband­bedarf der deutschen Wirtschaft.

Seiner Ansicht nach kann der Ausbau nicht von einem Unternehmen alleine gestemmt werden. Kooperationen, gerade wie bei einer Open-Access-Plattform, sind von grund­legender Bedeutung für die Mammut­aufgabe der Digitalisierung von Deutschland.

Vom Glasfaser-Vorreiter zum Know-How-Lieferanten

Wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt VATM-Mitglied QSC. Das Kölner Unternehmen ist der erste alternative Anbieter für Breitband­anschlüsse mit eigenem bundes­weiten Netz gewesen und kann auf ein jahrzehnte­langes Know-How zum Betreiben eines solchen Netzes blicken.

"QSC hat als einer der ersten Anbieter eine reibungslos funktionierende Open-Access-Plattform entwickelt, die die Zusammen­schaltung auch unterschiedlichster Breitband­netze mit unterschiedlichsten Anforderungen ermöglicht“, so Jürgen Hermann, Vorstands­vorsitzender der QSC AG. "Damit ist QSC ein idealer Wholesale/Wholebuy-Partner für NGA-Zugangs­netzbetreiber und -Wiederverkäufer, die ihre Geschäfts­tätigkeit auf zusätzliche Dienste und regional ausweiten wollen."

Als dritter Anbieter einer solchen Open-Access-Plattform positioniert sich das VATM-Mitglied vitroconnect, dessen Netz den unkomplizierten Aufbau eines Wholesale-/Wholebuy-Geschäfts ermöglicht. Nach dem ersten Start vor fünf Jahren mit der Open-Access-Plattform kann der Betreiber mittlerweile auf eine Vielzahl an kooperierender Unternehmen blicken.

"Mit unserer Carrier-Aggregation-Plattform unterstützen wir unsere Partner individuell: von der Nutzung standardisierter Schnittstellen bis hin zur Steuerung interner Produktions­prozesse", sagt Daniel Redanz, Geschäftsführer von vitroconnect.

Zertifikate für das bunte Zusammenspiel

Open-Access-Plattformen können aber nur dann auch reibungslos funktionieren, wenn die verwendete Technologie standardisiert ist. Vor allem spezielle Technologie-Schnittstellen spielen dabei eine tragende Rolle – Schnittstellen, deren Entwicklung sowohl BUGLAS als auch VATM seit Jahren gezielt vorantreiben. Ein Ergebnis dieser Bemühungen sind Zertifikate, von denen bereits über 180 Stück ausgestellt werden konnten.

Als Beispiel ist XConnect zu nennen, deren Kern­kompetenz in der Kommunikation zwischen den einzelnen Carriern und deren Verbesserung liegt. Darunter werden standardisierte Schnittstellen wie Rufnummern­portierung, Anbieter­wechsel über WBCI, Leitungs­bestellung und Entstörung über WITA und S/PRI zusammen­gefasst. Aber auch die Entwicklung eines leistungs­fähigen Ticketing-Systems gehört mit dazu.

Über diese Ticketing-Plattform kann die größten­teils noch genutzte Kommunikation per E-Mail zwischen den einzelnen Carriern ersetzt werden, was bei der Deeskalation und Entstörung bei Netz­problemen verwendet wird. Erste Nutzer dieser Plattform sind unter anderem Vodafone, 1&1, Telefónica Deutschland sowie M-net.

"Hier ist die komplette Markt­durchdringung geplant", erklärt Elmar Körner, Geschäfts­führer der XConnect. "Außerdem profitiert der Markt von einem Portal für Endkunden­vertragspartner – EKP –, das wir kostenfrei zur Verfügung stellen. Dort sind derzeit bereits knapp 500 EKP registriert."

Damit dieses System Schule macht, stellen Grützner und Heer in den Vordergrund, stehen die Schnitt­stellen jedem interessierten Unternehmen frei zur Verfügung – unabhängig davon, ob es Mitglied im BUGLAS oder VATM ist oder nicht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die 1&1 Telecom GmbH mit der Deutschen Telekom bei der Entwicklung der Schnittstellen WBCI und S/PRI kooperiert und das schon seit 2012.

Die Breitband­zukunft in Deutschland sieht zumindest von der technischen Seite betrachtet also gar nicht mal so schlecht aus, wie man den Eindruck haben könnte. Es müssen sich nur mehr Betreiber und TK-Anbieter zusammen­finden, die von den Möglichkeiten zum Ausbau und zur Angebots­erstellung Gebrauch machen. Auch zum Wohle der Geschäfts- und Privatkunden.

Teilen (12)

Mehr zum Thema Netzausbau