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Wettbewerber wollen Telekom-Kooperationen statt "lächerlichen 1-MBit/s-Kleinkrieg"

Die Verbände der Telekom-Wettbewerber preschen vor: 21 Milliarden Euro wollen sie in den kommenden Jahren investieren. Aber sie kritisieren die Telekom weiter deutlich. Sogar von einem Kleinkrieg ist die Rede.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Schnelles Internet ist wichtiger als günstige Strompreise, eine gute Verkehrsanbindung oder Gewerbe- und Grundsteuer. Das ist das Ergebnis der Breko-Breitbandstudie 2014, die der Lobbyverband heute in Berlin vorgestellt hat. Glasfasernetze in Stadt und Land spielen demnach bei der Wahrung und dem Ausbau von Wohlstand eine entscheidende Schlüsselrolle, resümiert der Verband. Das ist Anlass für die Wettbewerber, in den kommenden Jahren sprichwörtlich in die Hände zu spucken und Netze zu bauen. Doch die Anbieter sehen sich von der Telekom behindert, wie Breko und der Wettbewerbsverband VATM unisono kritisieren. Dabei wollen ihre Mitgliedsunternehmen Milliarden in eigene Infrastruktur investieren. So hatte der Breko schon im vergangenen November angekündigt, in den kommenden Jahren mehr als 11 Millionen Haushalte erschließen zu wollen. Aktuell sind hier 111 Netzbetreiber aktiv.

Und die eigene Infrastruktur scheint notwendig. Lag der Bandbreitenbedarf in Wohn- und Gewerbegebieten 2013 noch bei gut 30 MBit/s beziehungsweise gut 75 MBit/s, so werden im Jahr 2018 bereits 97,5 MBit/s in Wohngebieten und rund 240 MBit/s in Gewerbegebieten notwendig sein, berichtet der Breko. Der Verband erwartet, dass die durchschnittliche Bandbreiten-Nachfrage im Jahr 2020 bei 200 MBit/s im Down- und 120 MBit/s im Upstream liegen wird. Dabei stellen Mobilfunktechnologien keine Alternative zur Glasfaser da, denn 80 Prozent der Haushalte wollen laut Studie nicht auf einen Festnetz-Anschluss verzichten. Der Breko berichtet weiter, dass die durchschnittliche Bandbreiten-Nachfrage in Deutschland im Jahr 2013 zwischen 5 und 12,5 MBit/s lag, Kunden bei den Verbandsunternehmen jedoch im Schnitt Anschlüsse mit 10 bis 30 MBit/s buchten. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass sich viele Anbieter gar nicht mehr mit Datenraten von unter 10 MBit/s beschäftigen und ihren Kunden nur noch schnelle Anschlüsse anbieten.

Wettbewerber investieren laut WIK mehr als die Telekom

Wettbewerber wollen Telekom-Kooperationen beim BreitbandausbauWettbewerber wollen Telekom-Kooperationen beim Breitbandausbau Die Bundesregierung hat das Ziel vorgegeben, bis 2018 bundesweit einen Versorgungsgrad von mindestens 50 MBit/s erreichen zu wollen. Bundesminister Alexander Dobrindt will laut VATM genau wissen, welche Summen die Unternehmen bis 2018 in den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen investieren wollen. "Die Politik muss diejenigen unterstützen, die am meisten investieren, wenn wir die Ziele der Bundesregierung noch erreichen wollen. Mit 21 Milliarden Euro bis 2018 sind das ganz eindeutig die Wettbewerber der Deutschen Telekom", heißt es vom Präsident des VATM, Peer Knauer. Dies belege ein aktuelles Papier des WIK (Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH). Danach werden laut WIK bei verbesserten investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen die Wettbewerber im Festnetz- und Mobilfunkbereich einschließlich Kabelnetzbetreibern etwa doppelt so viel investieren wie die Telekom Deutschland bis 2018. Die Investitionsquote bezogen auf den erwirtschafteten Gewinn liegt sogar zwei bis drei Mal so hoch, so das WIK.

Ähnliche Zahlen kommen auch vom Breko: Die Gesamtinvestitionen in den deutschen Telekommunikationsmarkt lagen demnach im Jahr 2013 bei rund 6,4 Milliarden Euro. 55 Prozent davon seien durch die Wettbewerber der Deutschen Telekom gestemmt worden, der Ex-Monopolist selbst hatte einen Anteil von 45 Prozent an dieser Summe. Die Gesamtinvestitionen in den deutschen TK-Markt seit der Liberalisierung im Jahr 1998 betragen 113 Milliarden Euro, 62 Milliarden Euro seitens der Wettbeweber.

"Lächerlicher 1-MBit/s-Kleinkrieg mit der Telekom"

Doch den Alternativanbietern werden Steine in den Weg gelegt, beklagen sie. "Während die Telekom auf dem politischen Parkett gerne den Eindruck vermittelt, sie treibe den Breitbandausbau gerade im ländlichen Bereich maßgeblich voran, blockiert sie den Netzausbau der Wettbewerber schon dann, wenn Bürgern mehr als 1 MBit/s zur Verfügung steht", kritisiert der VATM weiter. Es werde im Hintergrund mit ganz harten Bandagen gekämpft, was dem Breitbandausbau eindeutig schade. "Wir sind der Telekom beim unter Wettbewerbsgesichtspunkten problematischen Einsatz der Vectoring-Technologie so weit entgegengekommen, dass sogar Brüssel Probleme sieht, dies zu akzeptieren. Wir haben freiwillig auf unsere Rechte verzichtet, damit die Versorgung der Bevölkerung besser werden kann. Wir erwarten von der Telekom Kooperation statt zum Beispiel eines lächerlichen 1-MBit/s-'Kleinkrieges', der nun vor der Bundesnetzagentur ausgetragen werden muss", so Knauer mit Blick auf einen Regulierungsantrag der EWE Tel, über den teltarif.de mehrfach ausführlich berichtet hatte. Die Telekom bezeichnete diese Vorschläge als Bastellösung.

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