Exklusiv-Interview

Telekom-Chef van Damme: Kritik am Vectoring-Verfahren & Pläne für 2017

Im kommenden Jahr können Kunden mit MagentaEINS 10.0 und wohl auch mit UHD bei Entertain rechnen. Entsprechende Andeutungen macht Telekom-Chef Niek Jan van Damme im Interview mit teltarif.de
Aus Bonn berichtet
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Telekom-Chef Niek Jan van Damme hat in einem Exklusiv-Interview mit teltarif.de auf die Highlights aber auch die Probleme des Jahres 2016 zurückgeblickt. Zudem gibt es einen Ausblick auf das, was bei der Telekom im kommenden Jahr passiert.

Herr van Damme, danke dass Sie die Zeit für ein Gespräch haben. Die vergangenen Wochen waren ja recht turbulent, vor allem wenn ich mich an den Angriff auf den Teil Ihrer Router erinnere. Wie lange bleibt Ihnen der 27. November 2016 in Erinnerung?


Telekom-Chef Niek Jan van DammeTelekom-Chef Niek Jan van Damme Niek Jan van Damme: Dieser Tag wird uns sicherlich deswegen lange in Erinnerung bleiben, weil wir viel gelernt haben, so zum Beispiel wie man noch besser mit solchen Situationen umgeht und weil wir gesehen haben, dass wir uns immer weiterentwickeln müssen, um solche Vorfälle zu meistern. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir auch im Vorfeld gut reagiert haben, indem wir Filter im Netz eingebaut haben und unsere Kunden informiert haben. Wir haben auch gelernt, dass es viel bringt offen und transparent mit solchen Situationen umzugehen. Wichtig ist eine schnelle und offene Kommunikation. Verschweigen und Verschleppen ist genauso schlimm wie die Angriffe. Dennoch bleibt so etwas natürlich ein Schock und ich bin froh, dass nur vier Prozent unserer Kunden betroffen waren - was natürlich trotzdem noch zu viele sind.

Das ganze hat ja mehrere Tage gedauert, bis Sie sagen konnten, dass ein Großteil der Kunden wieder am Netz ist. Man hat aber noch lange danach von Nachwehen bei einzelnen Kunden gehört. Ist inzwischen denn alles wieder in Ordnung?


Niek Jan van Damme: Wenn die Kunden ihren Router einmal vom Strom getrennt haben, ist das Thema für den Kunden grundsätzlich erledigt. Wer natürlich seit dem Tag des Angriffs im Urlaub ist und wiederkommt, der wird erst einmal noch ein Problem feststellen. Hier reicht dann aber wie erwähnt, den Router für einige Sekunden vom Strom zu trennen.

Sie haben eben gesagt, dass Sie sehr schnell reagieren konnten, indem Sie etwa Filter im Netz installiert haben. Hatten Sie es hier als echter Netzbetreiber leichter als es ein reiner Provider gehabt hätte, wenn es ihn mit seinen Routern getroffen hätte?


Niek Jan van Damme: Ja, in solchen Situationen hilft es, selbst Netzbetreiber zu sein. Wir hatten es aber auch deswegen leichter, weil wir sehr viel Geld in präventive Sicherheit in unseren Netzen investieren. Wir beschäftigen uns ja bereits seit Jahren mit dem Thema und das nicht nur auf internationalen Kongressen. Cyber-Security ist bei uns im Haus ein priorisiertes Thema und wird uns in den kommenden Jahren begleiten. Wir haben eine eigene Truppe, die für solche Fälle bereit steht, sind gut mit dem BSI vernetzt und haben im Ausland viele Kontakte. Auch der kurze Draht zu den Herstellern hat uns geholfen, schnell reagieren zu können.

Welche Lehren zieht die Telekom aus dem Angriff, wäre er vielleicht sogar vermeidbar gewesen?


teltarif-Redakteur Thorsten Neuhetzki (links) im Gespräch mit Telekom-Chef Niek Jan van Dammeteltarif-Redakteur Thorsten Neuhetzki (links) im Gespräch mit Telekom-Chef Niek Jan van Damme Niek Jan van Damme: Vermeiden können ihn nur die Angreifer. Wir können uns nur wappnen. Es wäre das falsche Signal zu behaupten, wir können alles abwehren. Wir wehren jeden Tag hunderte solcher Angriffe ab - die Angreifer müssen nur einmal durchkommen und schon können sie jubeln. Wir schließen weitere Angriffe nicht aus, wahrscheinlich wird der nächste in dieser Minute geplant. Wir können - wie übrigens auch unsere Wettbewerber - nur versuchen, ebenso kreativ zu sein wie die Angreifer. Es wird aber niemals eine hundertprozentige Garantie geben - von keinem Netzbetreiber.

Dieser Routerangriff ist sicherlich gerade das präsenteste Thema, wenn wir auf das Jahr 2016 zurückschauen. Was hat das Jahr für Sie und die Deutsche Telekom ansonsten geprägt?


Niek Jan van Damme: Da gibt es mehrere Dinge, die zum Glück auch positiver sind als das Thema Routerangriff. Wir hatten ein super Jahr für MagentaEINS. Außerdem haben wir Neuheiten wie das Google Pixel Phone exklusiv auf den Markt gebracht und zeigen so, dass wir bei jedem neuen Endgerät vorne mit dabei sind. In diesem Jahr haben wir auch unsere neue Entertain-Plattform an den Start gebracht. Unsere Kunden lieben das Produkt. Sogar unsere Wettbewerber sagen uns gegenüber, das wir mit dem neuen EntertainTV das beste Produkt auf dem Markt haben, das es derzeit gibt. Und dann sind da natürlich noch die ganzen Tests, die wir im Mobilfunk und Festnetz gewonnen haben, und die uns zeigen, dass wir beim Thema Netze auf dem richtigen Weg sind. Zuletzt die beiden großen Tests von Connect und Chip.

Viel Positives. Sehen Sie auch etwas Kritisches?


Niek Jan van Damme: Wenn Sie etwas Kritisches hören wollen, dann ist es vielleicht das Thema Vectoring im Nahbereich, das sich viel länger hingezogen hat, als wir es wollten und erwartet haben. Das hat uns viel Kraft und Energie gekostet und den weiteren Ausbau verzögert. Grundsätzlich ist natürlich positiv, dass die Entscheidung des Regulierers nun da ist und wir von dort grünes Licht für den Ausbau bekommen haben.

Sie sprechen von einem super Jahr für Magenta Eins, Tim Höttges hatte im November die Hoffnungen geweckt, die Drei-Millionen-Kunden-Grenze könnte noch dieses Jahr fallen. Wird das Ihr Weihnachtsgeschenk?


Niek Jan van Damme: Ganz vorbei ist das Jahr noch nicht, wer weiß, was noch passiert, das Weihnachtsgeschäft läuft ja auf vollen Touren. Aber selbst wenn wir die Marke erst Anfang 2017 knacken, bin ich happy, es läuft einfach besser als wir das jemals gedacht hatten. Sie sehen mich bei diesem Thema entspannt und positiv gestimmt.

Ein Bestandteil von Magenta Eins ist auch Entertain. Die neue Plattform ist für Sie rückblickend auf das Jahr ja auch ein Erfolg. Aber lassen Sie uns nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorne. Was können die Kunden hier nächstes Jahr erwarten?


Niek Jan van Damme: Ich möchte natürlich noch nicht zu viel verraten. Ich denke aber, dass das Thema UHD bei Entertain im kommenden Jahr eine Rolle spielen wird. Einfach weil wir beim Thema Innovationen in der ersten Reihe mitspielen.

Was können wir noch im kommenden Jahr von der Telekom erwarten. Magenta Eins 10.0?


Niek Jan van Damme: Klar geht es weiter, übrigens 9.0 ist unser Adventskalender mit tollen Angeboten. Magenta Eins 1.0 bis 8.0 haben wir in den vergangenen Jahren vorgestellt. Die stehen als symbolische EINS übrigens dort vorne (zeigt auf ein Regal in seinem Büro, in dem acht Plastik-Einsen mit den verschiedenen Neuerungen stehen). Natürlich könnte ich Ihnen jetzt MagentaEINS 10.0 ankündigen und sagen, was sich dahinter verbirgt, allerdings möchte ich hier unseren offiziellen Ankündigungen nicht vorgreifen.

Magenta 1.0 bis Magenta 7.0 als Symbole bei einer Telekom-Pressekonferenz. Jetzt stehen die Einsen bei Niek Jan van Damme im Büro.Magenta 1.0 bis Magenta 7.0 als Symbole bei einer Telekom-Pressekonferenz. Jetzt stehen die Einsen bei Niek Jan van Damme im Büro. Wir werden kommendes Jahr aber noch deutlich mehr als bisher über das Thema Bewegtbild reden, wie gesagt Entertain wird sich weiterentwickeln, wir werden coole neue Smartphones sehen, dass Thema Smart Home wird Fahrt aufnehmen. Auch Virtual Reality wird ein deutlich wichtigeres Thema im kommenden Jahr und darüber hinaus werden. Wir werden überall mitspielen und den Ton angeben.

Werden wir kommendes Jahr noch über weitere Regulierungsthemen diskutieren müssen?


Niek Jan van Damme: Eindeutig ja. Ich hoffe zwar, dass das Thema Vectoring im Nahbereich erledigt ist, sehe aber vor allem beim Thema Roaming noch viele Diskussionen auf uns zukommen. Hier warten wir auf definitive Entscheidungen aus Brüssel. Diese brauchen wir aber langsam, wir müssen diese Vorgaben ja schließlich auch noch in unsere Systeme integrieren. Und im Festnetz müssen wir uns über das Thema Regulierung neuer Netze unterhalten. Vor allem wenn hier mehr investiert werden soll, brauchen wir hier Klarheit.

Weihnachten und Silvester stehen vor der Tür. Was machen Sie mit Ihrem Handy an diesen Tagen? Gönnen Sie sich auch eine Auszeit und machen das Handy aus oder sind Sie für Notfälle erreichbar?


Niek Jan van Damme: Ich wünsche uns und meinen Kollegen, dass es keine Notfälle gibt, die Weihnachtszeit sollte der Familie und Freunden vorbehalten sein. Aber natürlich hat die Telekom die Verantwortung, im Notfall erreichbar zu sein. Das gilt auch für mich, das ist meine Verantwortung, ich habe aber auch mehr als 60 000 Kollegen, die einen hervorragenden Job machen. Sicher sind viele im Urlaub, aber Callcenter, unsere Sicherheitszentrale und die Netzüberwachung unsere Techniker sind auch an den Feiertagen im Einsatz. Es gehört zu unserer Unternehmenskultur, dass Entscheidungen im Team getroffen werden. Aber ja, sollte es notwendig sein, bin ich natürlich erreichbar.

Unseren Kunden wünsche und rate ich aber, dass sie das Handy auch mal beiseite legen und das Weihnachtsessen mit der Familie genießen. Schnell vielleicht noch das Weihnachtsessen posten und sich dann den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen, für mich sind das wie bereits gesagt Familie und Freunde.

Das heißt auch, dass Sie sich um Lastspitzen in der Silvesternacht keine besonderen Sorgen mehr machen müssen?


Niek Jan van Damme: Nein, das hat in den vergangenen Jahren prima funktioniert und das wird auch dieses Jahr in unserem Netz kein Problem sein.

Ich bedanke mich für das Gespräch, wünsche Ihnen schöne Feiertage und alles Gute für das neue Jahr.


Niek Jan van Damme: Ich danke. Das wünsche Ihnen und Ihren Lesern auch.

Das Interview mit Niek Jan an Damme wurde am Montag, 12. Dezember geführt. Einen weiteren Teil des Gespräches, in dem wir uns mit dem Deutschland-Chef der Telekom intensiver über das Thema Vectoring, Glasfaserausbau in Deutschland und die Zukunft der Netze unterhalten haben, haben wir am 23. Januar 2017 auf teltarif.de veröffentlicht.

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