Überprüfung

USB-Multimeter: Hält der Akku, was er verspricht?

Die Hersteller von USB-Netzteilen und externen Akkus versprechen manchmal mehr Leistung als sie halten können. Doch auch ein billiges Kabel kann die Freude trüben. Ein USB-Multimeter gibt immerhin eine erste Einschätzung.

USB-Netzteile und Micro-USB-Ladegeräte lassen sich mit dem USB-Multimeter ganz einfach überprüfen. Hierbei ist es vorteilhaft, dass das USB-Multimeter auch über eine Micro-USB-Buchse verfügt. Somit können auch Smartphone-Netzteile getestet werden, bei denen Kabel und Netzteil fest miteinander verbunden sind.

Wir haben das USB-Multimeter in unserem Kurztest mit sechs Ladegeräten überprüft, bei zwei davon waren Micro-USB-Kabel und Steckernetzteil fest miteinander verbunden. Bei den anderen steckten wir das Steckernetzteil in die Steckdose und hängten das USB-Multimeter direkt daran.

Interessant war, das fast alle Netzteile die 5 Volt Nennspannung lieferten oder sogar noch etwas mehr. Manchmal wurde statt 1 Ampere aber nur 0,8 Ampere abgegeben, ein älteres Samsung-Ladegerät lieferte nur 0,6 Ampere. Ein Netzteil von OnePlus, das eigentlich 2,1 Ampere liefern sollte, gab ebenfalls nur 0,8 Ampere ab. Auch das Ladegerät des iPhone 6S Plus lieferte maximal 0,8 Ampere, erwies sich aber ansonsten als sehr intelligentes Netzteil, das die Stromaufnahme sofort auf etwa 0,35 Ampere herunterregelte, wenn das iPhone geladen war und gerade nicht genutzt wurde.

Laut USB-Multimeter unterscheiden sich diese Ports überhaupt nicht Laut USB-Multimeter unterscheiden sich diese Ports überhaupt nicht
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch
Viele Smartphone-Nutzer verwenden das beiliegende Original-Netzteil allerdings nur noch auf Reisen. Für zuhause haben sie ein Steckdosen-Netzteil erworben, das meist mehrere USB-Ausgänge für mehrere Geräte mitbringt. Wir haben ein derartiges Netzteil mit dem USB-Multimeter überprüft, interessanterweise verfügt das Ladegerät über keine Intelligenz, die den Ladestrom flexibel an das Smartphone anpasst. Die USB-Ausgänge sind mit festen Werten von 1 Ampere, 2,1 Ampere und 2,4 Ampere gekennzeichnet. Ergebnis: Jeder Ausgang lieferte maximal 0,72 Ampere, egal welche Beschriftung er trug.

Wie viel Kapazität hat die Powerbank?

Unterwegs viel wichtiger als Steckernetzteile sind allerdings Powerbanks. Und um die Kapazitätsangabe einer Powerbank zu testen, muss folgender Versuchsaufbau eingerichtet werden. An die voll aufgeladene Powerbank wird das USB-Multimeter angeschlossen, am USB-Ausgang des Multimeters hängt das Smartphone. Nun zeigt das USB-Multimeter nicht nur Spannung und Stromstärke an, sondern protokolliert auf dem Speicherplatz 1, wie viel elektrische Ladung in mAh durch das Gerät geflossen ist.

Diese Ladung gibt ein externer Akku ab Diese Ladung gibt ein externer Akku ab
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch
Eine Aussage darüber, ob die Kapazitätsangabe des Herstellers stimmt, kann man also erst dann treffen, wenn die Powerbank komplett entladen ist und sich abschaltet. Wenn das Smartphone eine geringere Akku-Kapazität als die Powerbank hat, muss man diesen Vorgang so lange wiederholen, bis die Powerbank entladen ist. Verwendet man auf dem USB-Multimeter denselben Speicherplatz, werden die mAh-Werte addiert. Um die Sache zu beschleunigen, kann man auch auf dem Smartphone ein Akku-Benchmark laufen lassen, wie zum Beispiel der Akku-Test der Android-App PCMark.

In der Anleitung des USB-Multimeter ist übrigens zu lesen, dass Powerbanks in der Regel nur 60 Prozent der nominellen Kapazität erbringen. Auch die Akku-Hersteller beginnen mittlerweile selbst damit, dies in die Anleitung zu schreiben. Einerseits verhindert das Missverständnisse, andererseits sollte man über einen Umtausch oder eine Rückgabe des Akkus nachdenken, wenn er deutlich weniger als 50 Prozent der Nennkapazität erbringt. Eine Möglichkeit, innerhalb von wenigen Sekunden zu ermitteln, wie viel Restkapazität die Powerbank noch hat, gibt es übrigens nicht. Das kann auch kein USB-Multimeter leisten. Hierfür bleiben die Nutzer weiterhin auf die LED/LCD-Anzeige auf der Powerbank selbst angewiesen.

Sonderfall USB-Port des Notebooks

Wer gerade gar kein Netzteil zur Verfügung hat, kann das Smartphone auch am USB-Port des Notebooks aufladen. Wer das öfter macht weiß, dass diese Ladevorgänge meist deutlich länger dauern. Mit dem USB-Multimeter konnten wir sofort sehen, woran das liegt. Unser Samsung-Notebook gab nur durchschnittlich 0,4 Ampere an das angeschlossene Smartphone ab.

Wer sich übrigens darüber wundert, dass das Notebook das Smartphone per USB gar nicht lädt, sollte in das BIOS des Notebooks schauen. Bei manchen Computern muss die USB-Ladefunktion nämlich erst im BIOS freigeschaltet werden. Schaltet man die USB-Ladefunktion aus, hat das den Vorteil, dass das Smartphone nicht gleich am Notebook-Akku saugt, wenn man nur ein paar Daten vom Smartphone auf den Computer kopieren möchte.

Fazit: Für eine erste Einschätzung reicht es

Ein USB-Multimeter ist eine kostengünstige Möglichkeit, den Leistungsversprechen der Hersteller von Netzteilen und Powerbanks auf den Zahn zu fühlen. Eine allzu hohe Genauigkeit darf man nicht erwarten, doch erste Hinweise liefern kann auch ein günstiges Gerät für unter 10 Euro.

Um die Kapazität einer Powerbank zu ermitteln, ist etwas Zeit nötig, da hierzu die komplette Ladung durch das USB-Multimeter geflossen sein muss. Eine andere Möglichkeit, die (Rest)kapazität eines externen Akkus schnell zu ermitteln, gibt es mit einem USB-Multimeter nicht.

Testen lässt sich mit einem USB-Multimeter auch, welche Leistung ein Solar-Ladegerät abgibt - eine Solar-Matte von Choetech haben wir bereits hier getestet.

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