Kein Anschluss

Urteil: Kunden müssen nicht acht Stunden auf Techniker warten

Kunden müssen kooperativ sein, Telefonanbieter aber auch
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
AAA
Teilen (45)

Acht Stunden Warten sind zu lang für einen Termin mit dem Telefontechniker.Acht Stunden Warten sind zu lang für einen Termin mit dem Telefontechniker. Telefonkunden müssen es einem neuen Anbieter ermöglichen, die Leitung freizuschalten. Allerdings müssen sie dafür nicht unbedingt acht Stunden auf den Techniker warten. Einem allein lebenden Arbeitnehmer könne nicht ohne weiteres zugemutet werden, dafür einen ganzen Urlaubstag zu opfern, entschied das Amtsgericht Bremen (Az.: 9 C 481/12). Das Zeitfenster für den Termin sollte nach Ansicht der Richter ein bis zwei Stunden nur in Ausnahmefällen überschreiten.

In dem von der Neuen juristischen Wochenschrift mitgeteilten Fall hatte ein Telefonanbieter einem neuen Kunden einen Termin angeboten, an dem der Techniker die Leitung freischaltet. Das Zeitfenster betrug dabei 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Der Kunde konnte an diesem Tag nicht und bot seinerseits Ersatztermine an. Nach längerem Schriftwechsel mit verschiedenen Terminangeboten einigten sich beide Seiten schließlich auf einen Termin.

Allerdings gelang es dem Techniker an diesem Tag nicht, den Anschluss freizuschalten. Der Telefonanbieter kündigte dem Kunden daraufhin wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft. Außerdem verlangte er Schadenersatz.

Ohne Erfolg: Zwar sei ein Kunde verpflichtet, die Freischaltung des Anschlusses zu ermöglichen. Allerdings müsse der Anbieter dem Kunden einen konkreten Anschlusstermin nennen. Ein Zeitfenster von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr sei "unzumutbar unpräzise", so die Richter. Außerdem habe sich der Kunde in diesem Fall sehr wohl kooperationswillig gezeigt. Weil er als Lehrer tätig sei, sei sein Urlaubsanspruch an die Ferienzeiten gebunden.

Warum der Techniker den Anschluss nicht habe freischalten können, habe der Anbieter auch nicht erklären können. Das Gericht sieht weder einen Vergütungsanspruch, noch einen Schadensersatzanspruch durch denen klagenden Telefonanbieter, weil der Anschluss des Kunden zum Zeitpunkt der durch die Klägerin ausgesprochenen Kündigung noch gar nicht geschaltet gewesen sei. Der Anbieter habe also die vertraglich vereinbarte Leistung gar nicht erst erbracht.

Teilen (45)

Mehr zum Thema Urteil