Tiefer Fall

Porno & Wurst: Redtube-Abmahn-Anwalt Urmann und die verlorene Zulassung

Thomas Urmann ist seit November ohne Zulassung. Jetzt wurde bekannt, dass der Redtube-Abmahn-Anwalt seine Zulassung als Rechtsanwalt freiwillig abgebeben hat. Die Gründe hinter seiner Entscheidung und wie es dazu kam.
Von Rita Deutschbein

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Bild: dpa
Vor Kurzem wurde bekannt, dass der für die Redtube-Abmahnungen bekannt gewordene Thomas Urmann bereits seit November nicht mehr als Rechtsanwalt registriert ist. Eine Angabe zu den Gründen gab es damals nicht. Nun meldet Die Welt jedoch, dass Urmann seine Zulassung als Rechtsanwalt freiwillig zurückgegeben hat - eine Aussage, die vom Abmahn-Anwalt selbst bestätigt worden ist.

Mit Urmanns Schlussstrich unter seiner Karriere als Rechtsanwalt wird gleichzeitig auch das Ende einer der größten Abmahn-Kanzleien Deutschlands eingeläutet. Die Kanzlei U+C (Urmann + Collegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH) hat ihr Geschäftsfeld geändert und heißt nun Z9 Verwaltungs-GmbH.

Einschlägiger Ruf als Abmahn-Anwalt

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Wie Urmann betont, habe er die Entscheidung, seine Zulassung als Rechtsanwalt zurückzugeben, bereits Ende Februar getroffen. Von offizieller Stelle sei ihm die Zulassung nicht entzogen worden. Der Regensburger Anwalt hat seine Zulassung und die der Rechtsanwaltsgesellschaft am 3. November zurückgegeben und hat eine einfache Begründung für diesen Schritt. "Ich denke, nach einem Strafverfahren, an dem man als Angeklagter beteiligt ist, kann man meiner Meinung nach nicht mehr als Organ der Rechtspflege auftreten", so Urmann.

Nach jahrelanger Arbeit als Abmahn-Anwalt hatte sich Urmann in diesem Bereich einen Namen gemacht. Er verschickte in seiner Laufbahn tausende Abmahnschreiben wegen illegaler Downloads - oftmals standen diese im Zusammenhang mit der Porno-Branche. Seine Vorgehensweise in diesen Fällen brachte ihm die Kritik von Datenschützern und schließlich auch die Aufmerksamkeit der Politik ein. Denn oft blieb fraglich, wie Urmann und seine Kanzlei an die Datensätzen angeblicher Downloader gelangt ist.

Schlussendlich war es aber die riesige Abmahn-Welle rund um das Porno-Portal Redtube, die Urmann "berühmt" gemacht hat. Über 20 000 Haushalte erhielten Abmahnung, da sie unberechtigterweise Porno-Material der Schweizer Rechteinhaberfirma The Archive AG via Redtube gestreamt haben sollen.

Der Fall des Thomas Urmann

Zu Fall brachte Thomas Urmann aber nicht die Redtube-Geschichte und deren Folgen. Vielmehr war es eine Wurst- und Fleischwarenmanufaktur, die ihn eine Verurteilung vor Gericht bescherte. Urmann hatte sich die bei Augsburg ansässige Xaver Schwarz Wurst- und Fleischwarenmanufaktur GmbH gekauft, die aber in die Insolvenz ging. Wegen Insolvenzverschleppung musste sich der Anwalt vor Gericht verantworten und wurde im August dieses Jahres zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Gegen das Urteil hat Urmann Berufung eingelegt.

Trotz des noch nicht endgültig abgeschlossenen Verfahrens gegen Urmann, ist die erste Verurteilung für ihn offenbar Grund genug, nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten zu können. Die Frage bleibt aber, ob nicht am Ende das riesige Medienspektakel und die oftmals negative Presse um Urmann den Anwalt zu dem Schritt bewegt hat, seine Zulassung zurückzugeben. Mehr Informationen zum Redtube-Abmahn-Skandal lesen Sie im Artikel: Ein Jahr Redtube-Abmahnskandal.

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