Musikrechte

Piraten vs. Plattenbosse: Streit um Urheberrecht spitzt sich zu

Musiker Sven Regener kritisiert die Gratismentalität im Netz
Von Rita Deutschbein
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Die Nutzung von Musik im Internet ist seit langem ein Thema, über das sich die Großen der Branche - allen voran die GEMA - streiten. Die Musik-Verwertungsgesellschaft konnte ihre Internet-Erträge im vergangenen Jahr von 13,3 auf 21,2 Millionen Euro anheben. Nicht genug, meint GEMA-Vorstandsvorsitzender Harald Heker, da die Erträge "in keiner Weise repräsentativ für die tatsächliche Nutzung von Musik im Internet" seien. Heker steht mit dieser Meinung keineswegs allein. Auch Hartwig Masuch, Chef von BMG Rights Management, fordert mehr Respekt vor Urheberrechten.

Piraten vs. Plattenbosse: Streit um Urheberrecht spitzt sich zuUrheberrechtsstreit: Piraten vs. Sven Regener In einer aktuellen Diskussion liegen sich der bekannte Musiker ("Element of Crime") und erfolgreiche Buchautor Sven Regener und die aufstrebende Piratenpartei in den Haaren: Die Partei bemüht sich laut dem Handelsblatt sowohl um ein alternatives Urheberrecht als auch ein anderes Vergütungssystem, während Regener sich über einen Zeitgeist beschwert, der Urhebern ihre Rechte abspricht und für die Leistung von Künstlern nicht bezahlen möchte. Für Musik zu bezahlen sei eine Frage des Respekts und des Anstands, so der Musiker. Die Piratenpartei sieht in der Verbreitung von Musik im Internet hingegen eine Chance gerade für kleine Künstler: "Sie können sich dort vermarkten und etwa über iTunes ihre Musik selbst anbieten - und dann auch höhere Erlöse erzielen", so Pirat Matthias Schrade. Das sei doch besser, als sich einem Knebelvertrag mit einer Plattenfirma zu unterwerfen, wo man dann vielleicht fünf Prozent der Einnahmen erhält. Ein Audio-Mitschnitt von Sven Regeners Aussage sowie der Antwort von Matthias Schrade [Link entfernt] findet sich online.

Die Großen halten die Zügel in der Hand

Das Recht der Vermarktung und Veröffentlichung von Musik und anderen urheberrechtlich geschützten Medien liegt in den Händen der Künstler und der Plattenfirmen - erst 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers erlöscht das Urheberrecht auf sein Werk. In dieser Zeit profitieren die Rechteinhaber von den Einnahmen durch die Musik, eine illegale Verbreitung bedeutet also Geldeinbußen. Geld, das nach Aussagen von Masuch den Künstlern fehlt: Viele Kreative hätten nur ein Monatseinkommen von 1 000 oder 2 000 Euro, obwohl sie über Jahre hinweg große Hits hatten. "Wir müssen endlich eine Diskussion über die soziale Lage von Kreativen führen. Die meisten Musiker sind heute näher an Hartz IV als an einem Privatflugzeug." Die soziale Realität sei weit entfernt von der öffentlichen Wahrnehmung.

Masuch, früher selbst Rockmusiker, warnt vor einer Aushöhlung des Urheberrechts. "Die Nutznießer sind in erster Linie die großen Internetkonzerne. Das haben immer noch nicht alle verstanden", so der BMG-Manager in Anspielung auf Google, zu dem auch das Videoportal YouTube gehört. Er fordert, künftig bei Urheberrechtsverletzungen die Internetkonzerne zur Rechenschaft zu ziehen. "Noch immer treffen die großen Internetplayer keine adäquaten Vorsichtsmaßnahmen, um Gesetzesbrüche zu verhindern. Das muss sich ändern." Im Rechtsstreit zwischen der GEMA und YouTube wird am 20. April eine Einigung erwartet. Dabei geht es darum, ob YouTube sich ausreichend dafür einsetzt, um urheberrechtlich geschützte Musik zu löschen.

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