Aufwändig

Nach Katastrophe: Mobilfunk-Löcher werden geschlossen

Die Deut­sche Telekom versorgt im Kata­stro­phen­gebiet nicht nur mit Mobil­funk, sondern auch mit Fest­netz, und unter­stützt viele konkur­rie­rende Anbieter. In zahl­rei­chen Videos gibt sie Einblicke, was nach der Kata­strophe zu tun ist.

Telekom-Vermittlungsstellen standen mannshoch unter Wasser Telekom-Vermittlungsstellen, wie hier in Gerolstein (Eifel), standen mannshoch unter Wasser. Im Dreischichtbetrieb wird aufgeräumt und das Netz flott gemacht.
Bild: Deutsche Telekom / Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Die Deut­sche Telekom versorgt die Menschen nicht nur mit Mobil­funk, sondern auch mit Fest­netz, und stellt außerdem auch ihren Mitbe­wer­bern wich­tige Verbin­dungs­lei­tungen zur Verfü­gung. Histo­risch bedingt setzt die Telekom über­wie­gend auf terres­trisch verlegte Leitungen, die es bei der Unwetter-Kata­strophe der letzten Woche stel­len­weise komplett "zerlegt" hat. Während des Wieder­auf­baus ist auch die Telekom auf Richt­funk umge­schwenkt, findet ihn aber weiterhin "wackelig" und nur als Über­gangs­lösung.

Die Fläche der Zerstö­rung, so berichten Telekom-Einsatz­kräfte vor Ort, sei so unglaub­lich groß, das könnten sich Außen­ste­hende kaum vorstellen. Wich­tige Vermitt­lungs­stellen z.B. in Gerol­stein, standen teil­weise manns­hoch unter Wasser. Das hält die stabilste Elek­tronik nicht aus und sie kann nur noch umwelt­freund­lich entsorgt oder Wert­stoff-orien­tiert recy­celt werden. Verwendbar ist da bis auf das eine oder andere Kabel fast nichts mehr.

Notfall-Vermitt­lung ist am Netz

Telekom-Vermittlungsstellen standen mannshoch unter Wasser Telekom-Vermittlungsstellen, wie hier in Gerolstein (Eifel), standen mannshoch unter Wasser. Im Dreischichtbetrieb wird aufgeräumt und das Netz flott gemacht.
Bild: Deutsche Telekom / Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Deswegen hat die Deut­sche Telekom dort vor ihrem Vermitt­lungs­gebäude einen Notfall-Container aufge­stellt. In diesem Container ist eine komplette dafür vorbe­rei­tete Notfall-Vermitt­lungs­technik des Desaster-Reco­very-Teams einge­baut. Telekom-Tech­niker arbeiten seit Tagen im Drei-Schichten-System rund um die Uhr, um den Mobil­funk (der hat abso­lute Prio­rität) und - wo schon möglich - auch das Fest­netz wieder­her­zustellen. Das zeigte erste Erfolge: Schon am Wochen­ende wurde der zentrale Telekom-Knoten­punkt in Gerol­stein wieder ans Netz gebracht, daran hängen rund 10.000 Anschlüsse und mehrere Mobil­funk­stand­orte.

Einen Einblick, wie schnell die Vermitt­lung in Gerol­stein wieder ans Netz ging, gibt eines von zahl­rei­chen Videos auf dem YouTube Kanal "Telek­omnetz".

Leitungs­netz stark betroffen

Neben dem Mobil­funk war auch das Fest­netz, welches Tele­fonie und Internet über Leitungen bis in die Wohnungen bringt, betroffen. Denn viele der grauen Kästen am Stra­ßen­rand - soge­nannte Kabel­ver­zweiger - wurden entweder komplett zerstört oder beschä­digt. Wasser- und Geröll­massen haben Glas­faser- und Kupfer­kabel komplett heraus­gerissen und getrennt.

Das Ausmaß der Zerstö­rung in den Hoch­wasser-Gebieten sei scho­ckie­rend, denn es hat einige Handy­masten und wich­tige andere Anlagen wegge­rissen oder die Sende-Stationen gingen wegen Strom­man­gels vom Netz. Die flut­bedingten Funk­löcher werden aber langsam kleiner.

Es gibt noch Funk­löcher

Bei der Telekom sind eben­falls noch Funk­löcher in den Hoch­was­ser­gebieten vorhanden. Es gebe Mobil­funk­stand­orte und Kabel, an die man für die Repa­ratur noch nicht heran komme oder aus Gefah­ren­gründen nicht heran dürfe, betonte ein Firmen­spre­cher. Bilder zeigen schlam­mige glit­schige "Wege", die ein großes Problem darstellen.

Handys, Akkus und Daten­gut­scheine

Teams der Telekom fuhren in die Kata­stro­phen­gebiete und versorgten die Menschen mit Handys, Zusatz­akkus (Power­banks), SIM-Karten und Gutscheinen für Daten­volumen. Aktuell gibt es noch eine Aktion, die 31 Tage dauert und unli­mitertes Daten­volumen beinhaltet. Ausführ­lich infor­miert die Telekom auf einer eigenen Info­seite zu den Unwet­ter­schäden, ferner über soziale Medien wie Twitter, Face­book, LinkedIn und andere Dienste.

Warum nicht natio­nales Roaming vor Ort?

Die viel gestellte Frage, warum man bei solchen Fällen nicht alle Mobil­funk­netze zusam­men­schalten könnte, um allen Kunden eine Versor­gung zu bieten, hat die Telekom auch in einem kurzen Video­bei­trag (Unwetter Update 4, siehe weiter unten) beant­wortet. Darauf sind die Mobil­funk­netze tech­nisch nicht vorbe­reitet, da hierzu umfang­reiche Erwei­terungen bei den Verwal­tungs­ser­vern, welche die Kunden­daten verwalten (welcher Kunde hat welche Optionen gebucht, welches Guthaben, welche Fuktionen) notwendig. Dabei könnte es leicht passieren, dass das "über­neh­mende" Netz an die Last­grenzen stoßen könnte.

Notruf gut vorbe­reiten

Wer aber einen Notruf mit der Nummer 112 wählen muss und nicht durch­kommt, kann sein Handy aus- und nach kurzer Zeit wieder einschalten, und dann noch vor der PIN-Abfrage die 112 wählen. Dann bekommt das Handy Prio­rität. Es ist aber nicht zurück­rufbar. Deswegen genau über­legen, was gemeldet werden soll und ob das wirk­lich wichtig ist oder ob es andere Möglich­keiten gibt.

Viel Lob für die Helfer

Es gibt auch erfreu­liche Details zu berichten: Ein teltarif.de-Leser berichtet, dass seine Telekom-Basis­sta­tion 26 Stunden (!) mit Notstrom durch­gehalten habe und kurz nach dem Wieder­anliegen der Versor­gung sei sie wieder problemlos hoch­gelaufen. Ein anderer Leser berichtet, drei Tage ohne Strom gewesen zu sein, danach liefen Mobil­funk (er ist Kunde bei Voda­fone) und Internet auch wieder.

Kein Kata­stro­phen­tou­rismus!

Telekom Mitar­beiter haben sich im Netz gemeldet und an die Öffent­lich­keit appel­liert: Auch wenn die Neugier noch so groß ist: Vor Kata­stro­phen­tou­rismus in die betrof­fenen Gebiete ist drin­gend abzu­raten. Man könnte die Einsatz­kräfte behin­dern oder schlimms­ten­falls sich selbst in Gefahr bringen. Außerdem würde die mobile "Live-Bericht­erstat­tung" der Besu­cher nach Hause, die Netze unnötig belasten, die teil­weise noch nicht voll belastbar sind und von Helfern und Betrof­fenen vor Ort drin­gend gebraucht werden.

Wie kann ich helfen?

Wer in der Nähe, aber außer­halb des Gebietes wohnt, kann sich auf den Home­pages der Kreis­ver­wal­tungen infor­mieren, teil­weise werden z.B. noch Notun­ter­künfte gesucht. Betrof­fene Städte vor Ort haben seriöse Spen­den­konten einge­richtet, es sind auch sehr viele frag­wür­dige Orga­nisa­tionen am Start.

Früher war die Deut­sche Telekom auch für Rund­funk­sender zuständig, sie werden heute von privaten Firmen betrieben, sind aber heute wich­tiger denn je.

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