Routerfreiheit

Unitymedia-Problem: Mit freiem Router nur 300 kBit/s

Endlich kann man als Kabel-Internet-Kunde einen freien Router nutzen, doch nach dem Anschließen schafft dieser nur 300 kBit/s im Downstream. Zu diesem Problem, das bei Unitymedia vereinzelt auftritt, haben wir den Netzbetreiber befragt.
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Dass die schöne neue Routerfreiheit insbesondere bei Kabel-Netzbetreibern ganz schnell wieder wegen technischer Probleme eingeschränkt werden kann, haben wir in unserem Beitrag zur Inkompatibilität der Kabel-FRITZ!Box mit den Kabelnetzen von drei Netzbetreibern aufgezeigt. In diesem Fall war überwiegend die Telefonie betroffen.

Dass beim Wechsel auf einen freien Kabel-Router allerdings auch die Internetverbindung eingeschränkt werden kann, zeigen aktuelle Probleme bei Unitymedia. Ob die Kabel-Netzbetreiber vor dem gesetzlichen Start der Routerfreiheit am 1. August tatsächlich alle technischen Eventualitäten geprüft haben, ist nicht bekannt. Zum vorliegenden Problem hat Unitymedia unserer Redaktion nun allerdings erste Informationen mitgeteilt.

Nur 300 kBit/s Downstream mit freiem Kabel-Router

Kabel-FRITZBox: Frei gekauft oder vom NetzbetreiberKabel-FRITZ!Box: Frei gekauft oder vom Netzbetreiber? Ein Unitymedia-Nutzer, der von dem Problem betroffen ist, schrieb an teltarif.de:

Hallo teltarif.de-Team, ich als Unitymedia-Kunde in Baden-Württemberg habe es heute gewagt, [...] mein TC7200 telefonisch auf eine FRITZ!Box 6490 [Cable] (von Routermiete.de) umzustellen. Seither habe ich eine Downloadrate von 0,3 MBit/s. Im Unitymedia-Forum sind diverse Nutzer davon betroffen. Würdet ihr in dieser Sache einmal nachhaken? AVM und Unitymedia müsste das Problem bekannt sein (den Einträgen [nach] zu urteilen). Auch ich habe Unitymedia bereits kontaktiert, bisher ohne Erfolg. Man scheint das Problem zu kennen und druckst nur rum, aber erhält keine direkte Lösung. Auch AVM habe ich angeschrieben.

Dass das geschilderte Problem tatsächlich kein Einzelfall ist, zeigt der vom Kunden erwähnte Eintrag im Unitymedia-Forum. Dort gibt ein Betroffener noch weitere technische Details:

Seit heute ist meine FRITZ!Box 6490 Cable (ganz normal im Laden gekauft) von UM aktiviert worden. Die Einrichtung funktioniert problemlos, Internet geht, auch Telefon geht. Die FRITZ!Box zeigt als Geschwindigkeit 112,6 MBit/s Download, 5,2 MBit/s Upload an. Soweit passt alles. Allerdings ist der tatsächliche Download extrem langsam. Bei speedtest.net bekomme ich Download-Raten zwischen 0,1 und 0,3 MBit/s angezeigt. Und zwar nicht nur via WLAN, auch übers kabelgebundene LAN (1-GBit/s-Verbindung zur FRITZ!Box). Die FRITZ!Box ist bis auf die von UM vorgeschlagenen Änderungen zu IPv6 auf den Werkseinstellungen. Die Tipps von AVM zu diesem Thema haben nichts gebracht. Die Upload-Geschwindigkeit ist übrigens meist in Ordnung (etwa 5 MBit/s); nur der Download ist um den Faktor 50-100 langsam[er]. Irgendwelche Ideen, was die Ursache sein könnte?

Die Tipps von AVM beziehen sich beispielsweise darauf, die IPv6-Unterstützung in Apples Mac OS X zu deaktivieren, den Datendurchsatz zwischen Computer und FRITZ!Box zu überprüfen, die Windows-Netzwerkeinstellungen zu korrigieren oder Security-Programme anders einzurichten. Letztendlich kann AVM auf der Seite zu den netzseitigen Problemen aber auch nichts sagen.

Unitymedia äußert sich zum Problem

Aus diesem Grund haben wir bei Unitymedia nachgefragt und um eine Stellungnahme zu dem geschilderten Problem gebeten. Unitymedia schrieb an unsere Redaktion:

In sehr seltenen Fällen kommt es bei Kunden, die ein eigenes Endgerät einsetzen möchten, nach der Aktivierung ihres Kabelrouters zu Leistungsbeeinträchtigungen. Diese entstehen aufgrund eines fehlerhaften Zusammenspiels von Router und Gegenstelle (CMTS) und nur bei einer ganz bestimmten Konstellation. Die Ursache haben wir identifiziert und unsere Netzspezialisten sind bereits dabei, den Fehler zu beheben.
Darüber hinaus kann es zu dem beschriebenen Fehlerbild kommen, wenn Router angemeldet werden, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Unitymedia-Netz von anderen Kunden genutzt wurden. Eigentlich sind Kunden nach Vertragsende verpflichtet, das Gerät zurückzusenden, so dass diese Geräte gar nicht im Handel auftauchen dürften. Mitunter werden Geräte aber nicht zurückgegeben und möglicherweise weiterveräußert. Eine "saubere" Freischaltung können wir bei solchen Geräten nicht gewährleisten. Dies gilt auch dann, wenn ehemalige Mietgeräte von anderen Kabelnetzbetreibern wie beispielsweise Kabel Deutschland/Vodafone oder Tele Columbus angemeldet werden. Aber auch dies sind sehr seltene Einzelfälle.

Kunden, die das Problem haben, sollten sich also darauf achten, möglichst kein Gebrauchtgerät einzusetzen und möglichst bald mit der Kundenbetreuung von Unitymedia aufzunehmen, damit das Problem gelöst werden kann. Auf jeden Fall ist es ratsam, den Leihrouter des eigenen Kabelnetzbetreibers erst dann zurückzuschicken, wenn klar ist, dass der frei gekaufte Router ohne Probleme und Einschränkungen funktioniert.

Wie der Start der Routerfreiheit bei Unitymedia grundsätzlich ablief, haben wir in einem separaten Rückblick zusammengefasst.

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