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United Internet ruft neue DSL-Offensive aus

UI-Chef Ralph Dommermuth will 500 000 neue DSL-Kunden gewinnen
Von dpa / Björn Brodersen
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Der jahrelange Kampf um die DSL-Sparte der freenet AG hat ein Ende: Der Internetdienstleister United Internet (UI) übernimmt die Breitband-Sparte des Büdelsdorfer Unternehmens. UI-Chef Ralph Dommermuth ist damit endlich am Ziel - seit langem schielt er auf die DSL-Kunden der Konkurrenz aus Schleswig-Holstein und konnte seinen Aktionären nun pünktlich zur Hauptversammlung heute endlich einen Abschluss präsentieren.

United Internet bekommt wie berichtet die Breitband-Sparte mit etwa 700 000 Kunden für rund 123 Millionen Euro - zusammengesetzt aus 70 Millionen Euro in bar sowie 4,6 Millionen eigene Aktien. Der endgültige Kaufpreis hänge von Zahl und Qualität der letztlich gelieferten Kundenverträge ab, erklärte Dommermuth auf der Hauptversammlung. Geplant ist, den Deal bis Ende 2009 abzuschließen. Außerdem behält sich United Internet vor, den gesamten Betrag bar zu zahlen, wenn der Aktienkurs zum Jahresende nicht die zu Grunde liegenden 12 Euro erreicht. Für freenet ist in diesem Fall ebenfalls eine Absicherung enthalten.

Umgerechnet sind das etwa 175 Euro je Kunde und entspricht ungefähr dem, was der italienische Breitbandanbieter Tiscali im Mai von Carphone Warehouse bekommen hatte. Auf dem hart umkämpften deutschen DSL-Markt halten Branchenbeobachter angesichts von sinkenden Preisen eine Konsolidierung für dringend notwendig. Auch die deutsche Telecom-Italia-Tochter HanseNet (Alice) steht aktuell zum Verkauf.

United Internet nach Kundenzahl neue Nummer Zwei auf deutschem DSL-Markt

United Internet rückt nach der Übernahme mit etwa 3,5 Millionen Kunden zur Nummer Zwei auf dem deutschen DSL-Markt auf. Der Übergang der 700 000 freenet-Kunden soll nach den Worten von Dommermuth rund 10 Millionen Euro kosten, sich aber auch in Synergien auszahlen. "Von allen angedachten Möglichkeiten ist diese Transaktion das Beste für uns", sagte Dommermuth der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Der Konkurrenzkampf zwischen UI-Chef Dommermuth und dem ehemaligen freenet-Chef Eckhard Spoerr wurde in der Branche lange als Hindernis für den Verkauf gesehen. Spoerr trat Ende 2008 zurück, seit April führt der Österreicher Christoph Vilanek das Unternehmen. "Mit dem neuen Management von freenet hatten wir einen guten Dialog", sagte Dommermuth und gibt zu: "Das habe ich mit Herrn Spoerr bekanntlich nicht hinbekommen." Nun suchen freenet und United Internet auch den Schulterschluss in einer Vertriebsvereinbarung, die zunächst bis 2014 laufen soll. Der ehemalige Wettbewerber wird dadurch zum bevorzugten Vertriebspartner. "Für uns ist wichtig, dass wir auf einen Schlag in 1 000 Läden drin sind", sagte Dommermuth. United Internet unterhält im Gegensatz zu Konkurrenten wie Vodafone keine eigenen Geschäfte. Dafür erhalten die Büdelsdorfer zusätzlich zu den Provisionen noch einmal bis zu 6,5 Millionen United-Internet-Aktien als Prämie für jährliche Vertriebsziele: In den kommenden fünf Jahren sollen nach den Worten von Dommermuth mit vereinten Kräften rund 500 000 neue DSL-Kunden gewonnen werden.

freenet will sich künftig allein mit Mobilfunkverträgen profilieren

Für die verkauften freenet-Kunden ändert sich nach den Worten des neuen freenet-Vorstandschefs Christoph Vilanek nichts. Seit fast einem Jahr versuchen die Büdelsdorfer, einen Käufer zu finden, um sich als Anbieter von Mobilfunkverträgen zu profilieren. United Internet hat schon seit langem Interesse an dem Breitbandgeschäft. Vor gut einem Jahr wollte Dommermuth freenet noch gemeinsam mit dem Großaktionär Drillisch filetieren, um sich das DSL-Geschäft einzuverleiben. Auch eine Komplettübernahme war einmal angedacht.

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