entgegengesetzt

Editorial: Datentarife mal rauf, mal runter

Die Netzbetreiber wollen die Einnahmen aus der Online-Nutzung optimieren. Dazu werden einerseits Preise erhöht, während die Gebühren an anderer Stelle aber auch gesenkt werden. Wirklich rentabel ist das Datengeschäft bis heute nicht.
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Mobilfunk-Basisstationen in Berlin.Mobilfunk-Basisstationen in Berlin. In Zeiten, in denen Sprachflatrates in alle Netze oder zumindest üppige Minutenpakete zur Regel geworden sind, werden die in den jeweiligen Mobilfunktarifen enthaltenen Datenpakete zum immer wichtigeren Unterscheidungskriterium. Und so wundert es wenig, dass wir hier oft über Preisänderungen berichten können. Etwas mehr verwundert vielleicht, dass diese gleichzeitig in unterschiedliche Richtung gehen.

So verkauft der o2-Reseller Tchibo noch bis heute (Sonntag) Abend ein 1-Jahres-Datenpaket für gerade mal 59 Euro. Enthalten sind monatlich 500 MB. Inklusive Lieferung bezahlt der Kunde gerade mal 5,34 Euro monatlich. Auch, wenn es sich den Angaben zufolge um eine Sonderaktion handelt: Erfahrungsgemäß ist mit einer Wiederholung rund um andere Termine, zu denen gerne Tablets verschenkt werden, zu rechnen.

In die entgegengesetzte Richtung schlägt das Tarifpendel derzeit bei Vodafone: Wer einen "Daten-Nachschlag" braucht, weil das Inklusivvolumen seines Tarifs im laufenden Monat schon abgesurft sind und die Drossel sämtliche online-Nutzung zur Qual werden lässt, zahlt künftig mehr pro Mega- oder Gigabyte, wenn er ein SpeedOn-Paket bucht. Wer eines der kleineren Red-Pakete nutzt, kann für 5,99 Euro gerade mal 200 MB zusätzlich ordern.

Daten weiterhin nur häppchenweise

Insgesamt verwundert die generelle Knausrigkeit der Netzbetreiber bei der Datennutzung. Große mobile Surfpakete im Gigabyte-Bereich werden zunahmend an große Sprachtarife gekoppelt - egal, ob der Nutzer letztere auch braucht oder nicht. Die effektiven Kosten der Nutzer steigen so natürlich.

Geht man von 70 000 Basisstationen aus, die die Netzbetreiber zusammen derzeit aufgebaut haben, dann verbleiben im Schnitt gerade mal 1 000 (Internet-)User pro Zelle. Legt man die in einer Zelle mögliche Gesamtdatenrate entsprechend um, ergibt sich eine Gesamtkapazität von deutlich mehr als 100 bis 300 MB pro Nutzer, die derzeit mengenmäßig mit den kleinen Datenpaketen und Discountern am häufigsten verkauft werden.

Durch die engen Volumenvorgaben forcieren die Netzbetreiber ein Nutzerverhalten, dass sie sich zu Hause und oft auch im Büro in lokale W-LANs einbuchen und nur unterwegs das mobile Internet nutzen. Im Gegenzug sinkt zwar so die Gesamtdatenmenge, die die Netzbetreiber abwickeln nutzen, aber es kommt zu hohen regionalen und zeitlichen Lastspitzen, zum Beispiel während des morgendlichen und abendlichen Berufsverkehrs. In der Folge liegt die teure Netzinfrastruktur große Teile des Tages brach.

Eine Lösung für das Dilemma könnten Datentarife sein, die die Nutzung fernab des Datenstaus belohnen. So könnte man Nutzern beim Vertragsschluss die Wahl geben, ob ihnen möglichst hohes Volumen oder möglichst hohe Priorität auch in vollen Zellen wichtiger ist. Die "off-Peak"-User wären dann die ersten, bei denen ein Videostream abreißt, wenn eine Zelle voll wird. Sie wären aber auch die letzten, die in die Drossel laufen.

Nach allem, was gesagt wurde, soll aber nicht vergessen werden, dass das Engagement in Datendiensten für die Netzbetreiber weiterhin stark defizitär ist, während Sprachdienste und erst recht SMS weiterhin hochprofitabel sind. Letztendlich wird der Aufbau der mobilen Datendienste mit Einnahmen aus dem Sprachbereich quersubventioniert. Im Interesse der Verbraucher ist es, dass diese Verschiebung möglichst bald beendet wird, damit die Nutzer für Sprache wie Daten nur die jeweils fairen, wirklich nötigen Preise bezahlen müssen.

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