Netzstandard

Diskussionen um UMTS: Daher ist 3G (noch) unverzichtbar

Nicht jeder kann LTE nutzen, teilweise ist der 4G-Standard noch gar nicht verfügbar, UMTS aber schon. Wir fassen zusammen, warum 3G für Netzbetreiber und Kunden noch unverzichtbar ist.
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UMTS gehört noch nicht zum alten EisenUMTS gehört noch nicht zum alten Eisen Wie berichtet hat die Deutsche Telekom in die Leistungsbeschreibung für ihre Mobilfunktarife einen Passus aufgenommen, der zumindest rechtlich die Abschaltung des UMTS-Netzes vorbereitet. Das kommt frühestens Ende 2020 zum Tragen. Realistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass der tatsächliche Abschaltzeitpunkt noch deutlich später sein wird.

Derzeit ist das UMTS-Netz ohnehin noch unverzichtbar. Nicht alle Mobilfunkanschlüsse sind für die LTE-Nutzung freigeschaltet. Das gilt insbesondere für Verträge und Prepaidkarten, die nicht direkt bei einem der drei Netzbetreiber abgeschlossen wurden, sondern über einen Provider oder Discounter laufen. Würde man diesen Kunden das UMTS-Netz wegnehmen, so stünden sie praktisch ohne brauchbaren mobilen Internet-Zugang da. Im GSM-Netz werden über EDGE zwar theoretisch immerhin rund 220 kBit/s erreicht. In der Praxis sind die Datenraten aber oft noch niedriger.

Dazu kommt, dass die Netzbetreiber zwar feststellen, dass immer mehr LTE-fähige Endgeräte verwendet werden. Allerdings sind trotzdem auch heute noch zahlreiche Smartphones, Tablets oder auch Surfsticks und Mobile Hotspots im Einsatz, die den Internet-Zugang nur über GPRS und EDGE, UMTS und HSPA, nicht aber über das LTE-Netz ermöglichen. Auch Notebooks mit eingebautem Mobilfunkmodem sind betroffen, zumal solche Geräte oft noch deutlich seltener ausgetauscht werden als ein Handy, das es für viele Nutzer alle zwei Jahre als Beigabe zum Vertrag gibt.

Selten: UMTS statt LTE verfügbar

Aber auch das Mobilfunknetz selbst ist oft noch gar nicht auf einen Wegfall des UMTS-Standards ausgelegt. So hatte der Autor dieses Berichts beispielsweise im Oktober vergangenen Jahres einen Ausflug nach Jossa im Spessart unternommen. Dort ist zwar das 3G-Netz der Deutschen Telekom gut zu empfangen. Das 4G-Signal endet aber ziemlich genau da, wo der Ort beginnt. Zugegeben: Das ist zumindest in den Netzen von Telekom und Vodafone ein ziemlich seltener Fall, aber auch das gibt es noch.

Und schließlich wäre da noch die Übertragungsgeschwindigkeit des mobilen Internet-Zugangs. Über LTE bieten die deutschen Netzbetreiber theoretisch zwischen 225 und 375 MBit/s im Downstream an. Es gibt aber in allen drei Netzen Brennpunkte mit Überlastungserscheinungen. Dabei kann es auch vorkommen, dass der Internet-Zugang über UMTS schneller als der Online-Zugriff über LTE ist.

Telefónica setzt gar sogenanntes Load Balancing ein. Das heißt, die durch die Nutzer verursachte Netzlast wird intelligent auf LTE und UMTS verteilt - je nachdem, wie ausgelastet die zur Verfügung stehenden Kapazitäten im jeweiligen Netzstandard gerade sind. Dazu komm bei Telefónica noch der Sonderfall, dass selbst ein aktueller Smartphone-Tarif in bestimmten Fällen faktisch auf eine UMTS-Verfügbarkeit angewiesen ist. Darüber, warum das 3G-Netz für o2 Free unverzichtbar ist, haben wir in einem eigenen Beitrag bereits berichtet.

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