Tracking-Software

Werbung per Ultraschall: Immer mehr Apps spähen Nutzer aus

Forscher der TU Braunschweig haben mindestens 234 Android-Apps entdeckt, die Nutzer über verschiedene Geräte hinweg mit Ultraschall-Signalen verfolgen. Unternehmen nutzen das Ultraschall-Tracking, um personalisierte Werbung auszuliefern.
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Apps spähen Handy-Nutzer per Ultraschall ausApps spähen Handy-Nutzer per Ultraschall aus Das Smartphone soll das Leben vereinfachen. Doch die kleinen Geräte geben zunehmend auch Daten über deren Nutzer preis. Um möglichst genau an Personen abgestimmte Werbung versenden zu können, bedienen sich Unternehmen zunehmend einer Technik, die bereits 2015 für einen Aufschrei der Datenschützer sorgte. Denn das sogenannte Ultrasound-Cross-Device-Tracking (uXDT) ermöglicht es, Nutzerdaten geräteübergreifend auszuspähen. Und die Zahl der Android-Apps, die das Empfangen und Senden der Ultraschall-Signale erlauben, wächst, wie die Forscher der Universität Braunschweig nun in einer Studie herausgefunden haben.

Im April 2015, als das Thema uXDT erstmals aufkam, gab es nur wenige Apps, in denen das Ultrasound-Cross-Device-Tracking verwendet wurde - genauer gesagt waren es sechs. Bis zum Jahresende stieg die Zahl auf 39 von insgesamt 1,3 Millionen untersuchten Anwendungen an. Ein erneuter, in diesem Jahr durchgeführter Test zeigte nun, dass das Ultrasound-Cross-Device-Tracking weiter auf dem Vormarsch ist. Denn mittlerweile ist die entsprechende Technologie in 234 Android-Apps zu finden. Zwar ist diese Anzahl im Vergleich zu den auf dem Markt verfügbaren Android-Apps nahezu winzig, doch zeigt die zunehmende Verwendung des Ultraschall-Trackings, das Werbetreibende durchaus an dem Thema interessiert sind - die Zahl der Apps, die das Ausspähen der Nutzerdaten mittels Ultraschall unterstützen, könnte also weiter steigen.

Das steckt hinter dem Ultraschall-Tracking

Doch was macht uXDT eigentlich so problematisch? Zum einen funktioniert das Tracking über die Grenzen eines Gerätes hinaus. Die Unternehmen können also nicht nur Daten über das Smartphone des Nutzers abgreifen, sondern sind dank uXDT prinzipiell auch in der Lage, mitzuschneiden, welche Fernsehwerbung ein Nutzer sich anschaut oder welche Webseiten er über seinen PC ansurft. Zum anderen funktioniert das Tracking der Daten vollkommen ohne Zustimmung des Smartphone-Besitzers, der davon in der Regel nicht einmal etwas mitbekommt. Er kann das Ultrasound-Cross-Device-Tracking somit auch nicht unterbinden.

Beim Ultrasound-Cross-Device-Tracking werden kleine Datenpakete, auch ultrasonic beacons (uBeacons) genannt, über Lautsprecher diverser Geräte wie Smart-TVs, Computer, Tablets etc. versendet, die wiederum von den Mikrofonen anderer Geräte wie Smartphones aufgenommen werden. Die Datensequenzen können vom menschlichen Gehör nicht wahrgenommen werden, da sie im Bereich zwischen 18 und 20 kHz ausgestrahlt werden - sie liegen somit im namensgebenden Ultraschall-Bereich.

uBeacons - die kleinen Werbepakete

Die uBeacons können von Unternehmen quasi als unsichtbare Werbung auf Webseiten oder in TV-Werbespots eingebettet werden. Befindet sich ein Nutzer mit seinem Smartphone, auf dem eine App mit dem Ultraschall-Tracker installiert ist, in Hörweite der aussendenden Geräte, nimmt das Smartphone die ausgesendeten uBeacons auf und legt auf dem Device Cookies mit einer Identifikationsnummer an. Die App-Betreiber können daraufhin Daten über den Nutzer sammeln, etwa darüber, welche Werbung er wie lange angeschaut hat und welche Geräte er nutzt. Auch Hinweise zum Aufenthaltsort und zu den Surfaktivitäten lassen sich so ermitteln - über verschiedene Geräte hinweg.

Besonders gut eignet sich das Ultrasound-Cross-Device-Tracking für das sogenannte Location-Based-Marketing, also für orts- und anbieterbasierte Werbung. Händler können somit speziell auf die Nutzer zugeschnittene Werbeangebote auf deren Smartphone senden und auch deren Verhalten im Geschäft nachverfolgen.

Die Forscher haben sich im Zuge ihrer Auswertung zahlreiche Apps, Webseiten und TV-Werbespots aus aller Welt angesehen, um herauszufinden, in welchen Ländern die Unternehmen besonders stark auf uXDT setzen. Dabei konnte der Einsatz der Technik vor allem in Südostasien nachgewiesen werden. Hier wurde die Tracker-Software in den Apps bekannter Unternehmen wie McDonald's oder Krispy Kreme entdeckt. In Europa wurde das Ultraschall-System in vier von 35 untersuchten Geschäften aus zwei Städten gefunden. Europäische Fernsehsender scheinen die Technik hingegen noch nicht zu verwenden.

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