Kauftipp

Ultra-HD-Fernseher: Teurer Schnickschnack oder gutes Highend-Gerät?

Ultra HD kündigt sich als nächster großer TV-Trend an. Doch noch gibt es viele offene Fragen, keine einheitlichen Standards und wenig ultrahochaufgelöstes Film- und Videomaterial. Lohnt sich der Kauf eines Ultra-HD-Fernsehers trotzdem schon?
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa
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Im Wohnzimmer steht die nächste große Veränderung an - wenn man den TV-Her­stellern glaubt, die mit viel Schwung ultra­hoch­auflösende Fernseher auf den Markt bringen. Sie sollen mit der vier­fachen Anzahl an Bild­punkten noch schärfere Bilder liefern als die verbreiteten Full-HD-Fern­seher. Erste Geräte mit Ultra HD (UHD) sind bereits zu haben, und auf der Elek­tronik­messe IFA im Herbst in Berlin (5. bis 10. September) wird der nächste Schwung kommen, wie die Preview bereits gezeigt hat. Doch viele Verbraucher fragen sich, ob der Einstieg in die UHD-Welt schon jetzt sinnvoll ist.

Geräte können ihre Stärken gar nicht voll ausspielen

Der UHD-TV bendable von Samsung Der UHD-TV bendable von Samsung
"Aktuell lohnt sich der Kauf eines UHD-Fernsehers nicht", sagt Martin Gobbin von der Stiftung Warentest. Viele Fragen rund um die Einführung der neuen Techno­logie seien noch offen. So steht bislang noch nicht fest, wie der Nach­folger der aktuellen Blu-ray-Disc aussehen soll und über welche Schnitt­stellen UHD-Material an UHD-Fernseher übertragen werden soll. Auch gebe es bislang noch kaum Ultra-HD-Videos und -Fotos zum Ansehen, bis auf wenig selbst produziertes Material von entsprechenden Kameras. "Die Geräte können ihre Stärken gar nicht voll ausspielen, weil das Bildmaterial fehlt", sagt Gobbin.

Roland Stehle von der Gesellschaft für Unter­haltungs- und Kommunika­tions­elektronik (gfu), dem IFA-Veranstalter, sieht das anders. "Wenn man jetzt einen UHD-Fernseher kauft, hat man schon ein zukunfts­fähiges Gerät", sagt er. Die Anbieter teurer Geräte hätten zukunftssichere Anschlüsse verbaut oder böten Nachrüstlösungen an. Der Mangel an UHD-Bild­material sei kein großes Problem, da die Fernseher niedriger aufgelöstes Material hochrechneten.

"Nicht jeder UHD-Fernseher bedeutet einen Vorteil gegenüber einem Full-HD-Fernseher", sagt "Audiovision"-Chefredakteur Florian Friedrich. Auf Zukunfts­sicher­heit werde zwar bei höher­preisigen Geräten geachtet. "Ob das aber funktioniert, wissen wir nicht." Welcher neue optische Daten­träger, welche Streaming-Techno­logie und welcher Anschluss am Ende das Rennen macht, sei noch offen.

Ungeklärte Fragen wirft auch der TV-Empfang auf. Schon Full-HD-Geräte werden von den derzeit ausgestrahlten Bildern nicht immer ausgereizt. Oft werde nur im kleineren HD-ready-Format oder immer noch im ganz alten SD-Format aus­ge­strahlt. Und wer per Antenne fernsieht (DVB-T), erhält bis mindestens 2017 auf allen Kanälen ohnehin nur SD-Auflösung. Lohnt sich da überhaupt schon ein neuer Fernseher? "Wann jemals Fernsehen in UHD ausgestrahlt wird, darüber kann man nur spekulieren", sagt Warentester Gobbin und rät Käufern zum Abwarten. "UHD wird kommen, das ist klar", sagt dagegen gfu-Sprecher Stehle.

Beim Kauf nicht den günstigsten UHD-TV wählen

Wer sich von einem sofortigen UHD-TV-Kauf nicht abbringen lassen will, sollte besonders auf Zukunftssicherheit achten. Dazu gehören viele Anschlüsse. "HDMI 2.0 sollte eine Voraussetzung sein", rät Roland Stehle. Manche Hersteller lagern die Anschlüsse auch gleich in einen externen, aus­tausch­baren Kasten aus. "Wer im Moment unbedingt einen UHD-Fernseher haben will, sollte nicht den billigsten nehmen", rät Martin Gobbin. Aktuelle UHD-Geräte aus dem Niedrig­preis­segment hätten momentan noch Schwächen bei schnellen Bewegtbildern.

Florian Friedrich empfiehlt deshalb, UHD-Fernseher vor dem Kauf mit mit­ge­brachtem hoch­auf­lösendem Bild­material auf einem USB-Stick zu testen - und sich nicht auf die Vor­führ­bilder beim Händler zu verlassen. Sehen die Bilder auf dem UHD-Wunschgerät nicht besser aus als auf dem bisherigen Fernseher, lohne der Wechsel nicht. "Es ist ganz wichtig, dass der Fernseher einen Mediaplayer hat, der auch mit hohen Auflösungen kompatibel ist", sagt er. Billigere Modelle hätten oft nur ein UHD-Display, aber keinen UHD-fähigen Zuspieler eingebaut.

Gute Full-HD-Geräte sind derzeit günstiger

Ein interessanter UHD-Nebeneffekt ist der derzeitige Preisrutsch bei Full-HD-Modellen. "Als Konsument kann man diese Phase ausnutzen, um sich gute Full-HD-Fernseher zu sichern", sagt Friedrich. "Da bekommt man Bild­qualität, die Sie sonst zu so einem Preis nicht kriegen würden. Die bildstabilsten Modelle gebe es derzeit im Full-HD-Bereich." Auch Warentester Gobbin rät TV-Käufern, die nicht sofort die neueste Technologie brauchen, eher zum Full-HD-Gerät: "Schon ab 600 bis 700 Euro bekommt man einen sehr guten Fernseher."

Auf lange Sicht wird sich UHD durchsetzen, da sind sich die Experten weitgehend einig: Der Trend zu größeren Displays forciere ein Mehr an Bildpunkten. "Gerade bei Bildschirmdiagonalen über 50 Zoll bringt das bei normalen Betrachtungs­ab­ständen Vorteile, weil man die Pixelstruktur nicht sieht", sagt Friedrich. Und: "Wenn die Geräte erst einmal da sind, werden die Inhalte folgen."

Ultra HD, oft fälsch­licher­weise auch 4K genannt, ist ein Videoformat mit einer Auflösung von 3 840 mal 2 160 Bildpunkten. Das sind viermal mehr Pixel als bei Full-HD (1 920 mal 1 080 Pixel). Das 4K-Format ist mit mit 4 096 mal 2 160 Pixel noch etwas hochauflösender als Ultra HD. Gängig sind weiterhin HD ready (1 280 mal 720 Pixel) oder diverse niedrig aufgelöste SD- oder PAL-Formate mit 576 sichtbaren Zeilen bei variierender horizontaler Auflösung.

Ein weiterer Trend bei TV-Geräten sind Smart-TVs. Mit dem Internet verbunden, können Ver­braucher mit diesem Fernseher neben dem klassischen Fern­seh­pro­gramm auch auf internetbasierte Dienste wie beispielsweise Mediatheken, soziale Netzwerke wie Facebook oder Video-On-Demand-Dienste zugreifen. In einer gesonderten Meldung erfahren Sie mehr über Smart-TV-Geräte.

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