Umstieg auf DAB+

Mobilfunker werfen Auge auf den UKW-Bereich

Beharren Hörfunk­unternehmen beim terrestrischen Radio weiter auf das analoge UKW, könnten ihnen irgendwann die Frequenzen zugunsten des Mobilfunks entzogen werden. Davor warnt der Direktor der Landes­medien­anstalt Saarland. Er regt einen konzertierten Wechsel auf DAB+ in der gesamten EU an.
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Dr. Gerd BauerDr. Gerd Bauer, Direktor der Landes­medien­anstalt Saarland Der analoge UKW-Bereich (87,5 bis 108 MHz) oder zumindest ein Teil des Frequenz­spektrums könnte in Zukunft Hörfunk­anbietern entzogen werden und vom Mobilfunk genutzt werden. Auf ein solches mögliches Szenario weist Dr. Gerd Bauer, Direktor der Landesmedien­anstalt Saarland, und Mitglied im Fach­ausschuss Netze, Technik, Konvergenz der DLM, hin. Die ersten, auch das UKW-Spektrum thematisierenden Beiträge bei der Vorbereitung der nächsten Weltfunkk­onferenzen lägen inzwischen vor. Sie wiesen hinreichend deutlich in Richtung weiterer Begehrlichkeiten am Rundfunk­spektrum, sagte Bauer anlässlich der Fachtagung "DAB+ in Europa – Vom Einstieg zum Umstieg" am 15. Juli in Berlin.

In einer solchen Situation, in der das Fernsehen vor einer Digitalisierung auch des letzten analogen Verbreitungs­weges, des Kabels, steht, verspreche ein kreativer Regulierungs­ansatz, der rechtzeitig gemeinsam gangbare Brücken ins digitale Binnenmarkt-Zeitalter auch für den Hörfunk aufweist, deutlich mehr Erfolgschancen als ein starres Beharren auf UKW-Besitz­ständen ad ultimo, meint Bauer. Er regte daher eine europaweite Migration von der analogen UKW-Technik zum Digital­radio DAB+ an. Denn "unstrittig" sei, "dass die digitale Hörfunk­verbreitung gegenüber der analogen Verbreitung eine Vielzahl von Vorteilen hat, angefangen bei einer größeren Programm­vielfalt, einer besseren Frequenz- und Energie­effizienz bis hin zur möglichen Übertragung von Zusatzdaten wie Grafiken, Texte und interaktive Service­leistungen und auf der wirtschaftlichen Seite geringeren Distributions­kosten pro Programm".

Marktentwicklungen plus effektive regulatorische Steuerungsmaßnahmen

Bauer verwies aber auch darauf, dass DAB+ alleine aus dem Markt heraus keinen Erfolg hat. Ein Modell zum Umstieg sei daher von der Überzeugung getragen, dass ohne eine staatlich regulierende Unterstützung und auch einer finanziellen Förderung in der Übergangsphase vom analogen auf den digitalen terrestrischen Hörfunk dieser Prozess nicht erfolgreich sein wird. Insbesondere müssten Akzente bei kleineren, regional oder lokal agierenden Veranstaltern gesetzt werden. Es müssten zudem regulatorische Steuerungs­instrumente eingesetzt werden, um etwaige Mehr­belastungen bei den Veranstaltern auszugleichen.

Die Entwicklungen in den europäischen Nachbar­ländern zeigten, dass ein reines Marktmodell nicht zu einem erfolgreichen Umstieg auf den digitalen terrestrischen Hörfunk führen wird, sondern nur eine Verbindung von Markt­entwicklungen mit effektiven regulatorischen Steuerungs­maßnahmen. Effektiv wirken könnten laut Bauer aber nur solche Steuerungs­maßnahmen, die in einem gewissen Mindest­umfang auch EU-weit harmonisiert seien.

Bauer Media: DAB+-Einstieg bei klarem Bekenntnis der Politik

Die Landes­medien­anstalten haben laut Informationen von teltarif.de ein Papier verabschiedet, das die Migration von UKW zu DAB+ beschreibt. Dieses soll anlässlich der IFA in Berlin vorgestellt werden. Ein klares Bekenntnis von der Politik fordert auch die Hamburger Bauer Media Group, die nach Zukäufen in Skandinavien inzwischen die laut eigenen Angaben größte Hörfunk­gruppe Deutschlands geworden ist. Das Hamburger Verlags­unternehmen würde gerne ins deutsche Digital­radio DAB+ investieren.

Grundvoraussetzung sei aber ein eindeutiges Bekenntnis der Politik zum Radio der Zukunft. "Dann würde der Markt in Bewegung kommen", meinte Andreas Schoo, Mitglied der Konzern­geschäfts­leitung und verwies auf den britischen Markt. Dort ist Bauer nach eigenen Angaben Markt­führer im digitalen Radio. In Deutschland ist das Unternehmen mit 25 Prozent am Privat­sender Radio Hamburg beteiligt. Im Zeitschriften­sektor verlegt Bauer klingende Namen wie die Jugend­zeitschrift Bravo oder die Frauen­zeitschrift Tina.

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