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Schweiz: Nur noch 17 Prozent hören Radio über UKW only

Wenn alle Marktak­teure sich einig sind und den Digi­talum­stieg wollen, dann reagieren die Hörer. In der Schweiz hören nur noch 17 Prozent der Bevöl­kerung Radio nur über UKW.
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Radio­programme werden in der Schweiz nur noch bis Ende 2024 über UKW empfangbar sein. Dies erklärte Bernard Maissen, Vize­direktor in der Medi­enbe­hörde BAKOM, anläss­lich der Bran­chen­veran­stal­tung SwissRadioDay in Zürich. Er stützt sich dabei auf die bestehende Verein­barung der Radio­branche und die recht­lichen Bestim­mungen. Gemäß den dem BAKOM vorlie­genden Studien nutzen Ende Juni 2019 nur noch 17 Prozent ausschließ­lich analogen UKW-Empfang.

Trend zu Digi­talradio setzt sich weiter fort

Die Schweiz könnte schon bald abschaltenDie Schweiz könnte schon bald UKW abschalten Laut der halb­jähr­lich im Auftrag des BAKOM und der Arbeits­gruppe Digi­tale Migra­tion (AG DigiMig) vom Forschungs­institut GfK erho­benen Zahlen nutzten die Schwei­zerinnen und Schweizer von 100 Radio­minuten pro Tag durch­schnitt­lich 65 Minuten auf digi­talem Weg. Die digi­tale Radio­nutzung ist somit in drei­einhalb Jahren um 16 Prozent­punkte gestiegen: von 49 Prozent im Herbst 2015 auf 65 Prozent im Früh­ling 2019. Gleich­zeitig ist die UKW-Nutzung um 16 Prozent­punkte gesunken; von 51 Prozent auf 35 Prozent. DAB+ ist mit 35 Prozent erst­mals gleich­bedeu­tend mit UKW und hat seit Herbst 2015 um 12 Prozent­punkte zuge­legt. Die anderen beiden digi­talen Empfangs­wege IP-Radio und Digital-TV haben seit Herbst 2015 um 4 Prozent­punkte und damit etwas weniger stark hinzu­gewonnen. Sie machen zusammen 30 Prozent des Radio­nutzungs­volu­mens aus.

Zu Hause und auf der Arbeit löst DAB+ UKW ab

Zu Hause und bei der Arbeit hat DAB+ UKW als stärksten Empfangsweg abge­löst. Nur noch im Auto ist UKW der meist­genutzte Empfangsweg (56 Prozent der Nutzung). Weil immer mehr Autos auf den Schweizer Straßen unter­wegs sind, die mit einem DAB+-Radio ausge­stattet sind, steigt auch die Nutzung weiter an. So waren im Früh­ling 2019 von 100 im Auto gehörten Radio­minuten bereits 38 DAB+-basiert, was einer Verdop­pelung des DAB+-Anteils entspricht.

Die Schweizer Radio­branche plant, bis spätes­tens Ende 2024 die analoge Radio­verbrei­tung über UKW schritt­weise aufzu­geben und statt­dessen DAB+ als Haupt­verbrei­tungs­technik zu nutzen. Um diesen Umstieg zu begleiten, lancierte das BAKOM 2017 eine Infor­mati­onskam­pagne. Seit 2017 laufen im Radio, Fern­sehen, Print und auf Plakaten viel­fältige Infor­mati­onsak­tionen zu "Radio zieht um".

Deutsch­land: Privat­radios bremsen DAB+ aus

Die Ergeb­nisse in der Schweiz zeigen daher, dass der Digi­talum­stieg beim Radio nur gelingen kann, wenn alle Marktak­teure und die Politik an einem Strang ziehen und glei­cher­maßen digi­talen Radio­empfang über DAB+ und IP bewerben. In Deutsch­land ist die Situa­tion anders: Viele vor allem große Privat­radios mit guter Frequenz­ausstat­tung blockieren den Digi­talfunk. Sie fühlen sich im durch Frequenz­mangel geschützten UKW-Band pudel­wohl und lehnen den Umstieg auf DAB+ mit faden­schei­nigen Argu­menten wie "Radio­zukunft eher über 5G" ab.

Daher konnte sich DAB+ und allge­mein die Digi­tali­sierung des Hörfunks bisher nur im Schne­cken­tempo durch­setzen. Zur IFA in Berlin gibt es neue Zahlen.

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