Analog-Abschaltung

Nach Norwegen schaltet Dänemark den UKW-Hörfunk ab

Nach Norwegen wird wohl Dänemark das zweite Land weltweit, das den analogen UKW-Betrieb einstellt. Trotzdem bleibt Europa bei der Umstellung auf das Digitalradio DAB+ tief gespalten.
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UKW-Radios könnten ab 2018 auch in Dänemark zu Elektroschrott werdenUKW-Radios könnten ab 2018 auch in Dänemark zu Elektroschrott werden Nach Norwegen strebt Dänemark als zweites Land weltweit den Ausstieg aus der analogen UKW-Technologie an. Die Regierung hat zwar das ursprüngliche Ausstiegsdatum von 2017 auf 2019 verschoben, dennoch könnte die Abschaltung schon im kommenden Jahr beginnen. Hintergrund ist eine Zusatzklausel, wonach die ersten analogen Frequenzen vom Netz gehen sollen, sobald mehr als 50 Prozent der Bevölkerung Radio auf digitalen Wegen hört. Das könnte schon 2018 der Fall sein.

Ende 2017 hören 40 Prozent der Dänen digital

Im ersten Quartal dieses Jahres nutzten 36 Prozent der Dänen digitale Verbreitungswege wie DAB oder Internet zum Radio hören, zwei Jahre zuvor waren es erst 21 Prozent. Bis Ende 2017 werden über 40 Prozent erwartet, bei andauernd überproportionalem Wachstum könnten also schon im kommenden Jahr die magischen 50 Prozent erreicht sein. Im Herbst dieses Jahres wird die digital-terrestrische Verbreitung zudem vom alten DAB auf das modernere DAB+ umgestellt.

Dänemark ist somit das zweite Land weltweit, das aus der analogen UKW-Verbreitung aussteigt. Seit Anfang 2017 schaltet Norwegen sukzessive seine landesweiten und überregionalen UKW-Netze ab, die letzten Frequenzen werden im Dezember dieses Jahres vom Netz gehen. Kleinere Lokalradios haben noch eine Galgenfrist bis 2022. Die Abschaltung hat zwar zu leichten Hörerverlusten geführt, diese sind aber mit einkalkuliert worden.

Neben Dänemark plant die Schweiz den Ausstieg aus UKW ab dem Jahr 2020. In Deutschland hat die Politik noch kein entsprechendes Datum festgelegt. Hierzulande nutzen erst knapp 14 Prozent der Bevölkerung DAB+ regelmäßig, das sind fast zehn Millionen Menschen (9,53 Millionen Personen ab 14 Jahren). Diese Zahlen stammen jedoch noch vom letzten September, zur IFA in Berlin gibt es den neuen Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten. Dann wird sich zeigen, in welcher Höhe die Nutzung prozentual zugenommen hat.

DAB+: Jahrzehntelanger europäischer Flickenteppich

Andere Länder sind nicht nur von einem UKW-Ausstieg meilenweit entfernt, sondern fahren im Gegenteil sogar ihr Engagement über DAB oder DAB+ zurück. Nach Schweden ist das beispielsweise in Irland der Fall. Hier haben die Privatradios ihren DAB-Multiplex eingestellt. Ende Juni lief laut einem Bericht des Branchenportals radioWOCHE die Lizenz aus, und der Lizenzhalter db stellte keinen Antrag mehr auf Verlängerung, da es von Seiten der irischen Privatsender an Interesse für das Thema Digitalradio mangelte.

Schweden hatte im vergangenen Jahr bereits sein Engagement beim Thema DAB+ auf Eis gelegt und wird jetzt eher Nutznießer der UKW-Abschaltung in Norwegen. Viele der bisher im Nachbarland genutzten UKW-Frequenzen sollen nun in Schweden von Privatsendern belegt und umkoordiniert werden.

In weiteren EU-Ländern wie Portugal oder Griechenland spielen DAB und DAB+ überhaupt keine Rolle, und es ist noch nicht einmal ein Testbetrieb angedacht. Der Digitalfunk dürfte also auf Jahre oder sogar Jahrzehnte ein europäischer Flickenteppich bleiben. Um so wichtiger dürften in Zukunft Multinormgeräte sein, die sowohl UKW als auch DAB/DAB+ empfangen und somit gewährleisten, dass jeder EU-Bürger an jedem Fleck in Europa weiter terrestrische Radiosignale hören kann.

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