Großbritannien

BBC will UKW nicht abschalten

Die britische BBC will ungeachtet eines Regierungsbeschlusses und guter Fortschritte beim Digitalradio DAB/DAB+ länger als bisher geplant an der analogen UKW-Verbreitung festhalten.
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Die BBC hält zunächst an UKW festDie BBC hält zunächst an UKW fest In Norwegen gehört, abgesehen von wenigen Lokalradios, UKW der Geschichte an. Die britische BBC dagegen will ungeachtet eines Regierungsbeschlusses länger als bisher geplant an der analogen UKW-Verbreitung festhalten. Bob Shennan, BBC Director of Radio and Music, sagte, das Publikum wolle Auswahl bei den Verbreitungswegen haben. "Wir müssen mehr im Vereinigten Königreich für die Digitalisierung tun, bevor wir eine UKW-Abschaltung in Betracht ziehen können", sagte er auf den World Radio Days in Wien.

Die britische Regierung werde in diesem Frühjahr eine Überprüfung vornehmen, ob der Zeitpunkt für den UKW-Ausstieg gekommen ist, sobald 50 Prozent der Radionutzung auf digitales Hören fällt. Shennan sagte dem Publikum, dies sei ein verfrühtes Herunterfahren der analogen Terrestrik, das auch Hörerverluste bedeuten könnte: "Wir haben im Digitalradio große Fortschritte gemacht, aber eine Umstellung zum jetzigen Zeitpunkt wäre verfrüht", sagte er. "Im Moment setzen wir auf ein gemischtes Publikum, das uns über unterschiedliche Verbreitungswege hört". Daran wolle man zunächst festhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Entwicklung erneut geprüft werden.

BBC-Entscheidung für UKW ist keine Entscheidung gegen DAB

Die Entscheidung der BBC, die analogen UKW-Radio-Übertragungen beizubehalten und die analoge Verbreitung mittelfristig nicht abzuschalten, ist für den Branchenverband WorldDAB keine Entscheidung gegen den DAB/DAB+-Standard. "Die BBC ist verständlicherweise vorsichtig bei der Abschaltung des Verbreitungsweges UKW. Sie hat lange dafür argumentiert, dass der technische Übergang keine Hörerverluste bedeuten darf", sagte WorldDAB Präsident Patrick Hannon im Magazin "Radioworld". "Die Ankündigung, dass die BBC UKW vorerst behalten möchte, bestätigt diese Position."

Hannon betonte nochmal die guten Zahlen für DAB/DAB+ in Großbritannien: "Die Radio-Industrie und die Regierung haben in die Infrastruktur investiert, um eine DAB-Abdeckung von über 98 Prozent der Bevölkerung zu liefern", sagte er. "62 Prozent der Haushalte haben jetzt Zugang zu einem DAB-Radio und 90 Prozent der Neuwagen haben jetzt DAB als Standard. Insgesamt hören mehr Haushalte Radio über DAB als dass sie die Programme von Sky im Fernsehen schauen". Hannon fügte hinzu, dass "es jetzt 43 nationale Stationen auf DAB in Großbritannien gebe, im Vergleich zu nur acht auf UKW. Hinzu kämen Hunderte weitere lokale Stationen auf DAB."

Ein BBC-Sprecher betonte nochmal, dass man sich für die kommenden Jahre auf einen Technologie-Mix verständigt habe. Dieser beinhalte neben DAB/DAB+, UKW und Internet auch eine Fortführung der Verbreitung über Mittel- und Langwelle. Es gebe keinerlei Pläne daran etwas zu ändern.

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