Unity

Ubuntu for Phone wird eingestellt

Mit Ubuntu for Phone wollte Ubuntu-Entwickler Canonical Smartphones und Tablets erobern. Mit der nächsten Ubuntu-Version wird das Projekt komplett eingestellt.
AAA
Teilen (9)

Das hat Canonical-Chef Mark Shuttleworth im Unternehmensblog zur nächsten Ubuntu-Version 18.04 mit Langzeitunterstützung bekannt gegeben. Grund dafür ist der für besagte LTS-Version geplante Wechsel zurück zu GNOME, was bis Ubuntu 10.10 als Standardoberfläche implementiert war.

Laut Mark Shuttleworth habe seit der Einführung von Unity und Ubuntu for Phone die Unterstützung der Community gefehlt. Meistens sahen Entwickler vordergründig die potenzielle Fragmentierung und weniger die Innovation, obwohl die Software seiner Meinung nach mittlerweile "schön, nutzbar und stabil" sei. Letzten Endes setzen sich die Ideen und Technologien durch, die der Markt und damit die Mehrheit der Kunden will, so Shuttleworth weiter.

Am Markt vorbei entwickelt

Ein wichtiger Teil des Projektes sollte die sogenannte Convergence-Plattform mit Unity8 sein, die ein Verschmelzen von Desktop und Mobilgerät ermöglicht. So sollte den Vorstellungen von Mark Shuttleworth zufolge ein Smartphone oder Tablet mit installiertem Ubuntu-Betriebssystem zwar eine für Touchscreens optimierte Oberfläche verwenden, aber zum vollwertigen Desktop werden, wenn man Monitor, Maus und Tastatur anschließt. Zuletzt versuchte BQ mit dem Aquaris M10 (Ubuntu Edition) als einziger Hersteller eines Ubuntu-Tablets diesen Traum zu erfüllen. Neben BQ mit den Modellen BQ Aquaris E4.5 und BQ Aquaris E5 HD versuchte sich der chinesische Hersteller Meizu unter anderem mit dem Meizu PRO 5 an einem Smartphone mit Ubuntu for Phone.

Ein Ubuntu für PC, Tablet und Smartphone
Ein Ubuntu für PC, Tablet und Smartphone
Nun stellt sich Canonical der Fehleinschätzung und setzt den Schlussstrich unter das Kapitel Smartphone. Gegenüber ars technica erzählte Community-Manager Michael Hall, dass praktisch die komplette Convergence-Plattform eingestellt wird. Ubuntu-Nutzer, die weiterhin auf Unity setzen wollen, brauchen aber kein komplettes Ende fürchten. Lediglich der mobile Ableger der Unity8-Oberfläche wird eingestellt. Die Variante für das Desktop-Betriebssystem bleibt weiterhin bestehen und wird mit Updates gepflegt, heißt es. Ob damit auch die Versionen abseits des LTS-Supports für Ubuntu 12.04, 14.04 und 16.04 gemeint ist, bleibt abzuwarten. In Zukunft wird sich Canonical verstärkt auf die Bereiche Server, Cloud und Internet of Things, kurz IoT konzentrieren. In den letzten Jahren konnte das Unternehmen bereits einige kommerzielle Erfolge in genannten Bereichen erzielen, weshalb die Neuausrichtung nicht überraschend kommt. Letztlich ist auch Canonical ein gewinnorientiertes Unternehmen und stark aufgestellt im Server-Geschäft.

Canonical ist nicht allein

Auch Microsoft war mit seiner Continuum-Plattform für Windows 10 Mobile kein durchschlagender Erfolg beschert. Entgegen einem ähnlichen Ansatz von Apple mit Continuity für Mac OS X 10.10 Yosemite und iOS 8 wollte Microsoft das Windows-10-Smartphone selbst nutzen. Über eine spezielle Dockingstation plus Maus, Tastatur und Monitor wird ein kompatibles Modell zum PC-Ersatz. Mit den Modellen Microsoft Lumia 950/950 XL, HP Elite X3 und Acer Liquid Jade Primo ist die Auswahl allerdings nicht sonderlich groß.

Ob Samsung mit der DeX-Plattform für das Samsung Galaxy S8 (Plus) erfolgreicher ist, werden die kommenden Monate zeigen.

Teilen (9)

Mehr zum Thema Linux