Pyrrhussieg

Editorial: VorUBERgehendes Verbot!?

Die Vermietung von Autos mit Fahrer ist in Deutschland grundsätzlich legal und damit das jüngst erstrittene Urteil gegen Uber wahrscheinlich nicht von Dauer. Lesen Sie, was die Taxi-Branche im Kampf gegen Uber besser machten könnte.

Wenn zwei Parteien sich streiten - geht viel Vertrauen kaputt. Wie beim Streit zwischen dem Taxigewerbe und dem neue Fahrdienst "Uber". Am Ende werden wahrscheinlich beide verlieren: Uber eine Menge Geld für Strafzahlungen, und das Taxi-Gewerbe, weil es sein Image ramponiert, Uber oder andere Taxi-Alternativen aber dennoch nicht verhindern kann.

Rechtlich ist die Situation im Personen­beförderungsgesetz klar geregelt: Unternehmen, die Personen­beförderung anbieten, müssen dieses genehmigen lassen. Das Uber-Verbot ist vermutlich auf Dauer nicht haltbar. Das Uber-Verbot ist vermutlich auf Dauer nicht haltbar.
Bild: dpa
Weitere Auflagen sind, dass die Fahrer einen speziellen Führerschein (in der Branche "P-Schein" genannt) vorweisen können, und dass nur offiziell lizensierte Taxi-Betriebe Fahrgäste auch direkt von der Straße aufnehmen dürfen. Mietwagen­unternehmen dürfen ebenfalls Autos mit Fahrern vermieten, aber die Fahrt muss jeweils vorab gebucht werden. Im Gesetz ist für die Buchung vorgeschrieben, dass der Fahrauftrag "am Betriebssitz" des Unternehmens eingeht oder "fernmündlich" während einer Fahrt. In sinnvoller Auslegung dieser gesetzlichen Regelung aus der Vor-Smartphone-Ära sind aber auch Aufträge via App zuzulassen.

Unter dem Namen "Minicar" gibt es Mietwagen-basierte Taxi-Konkurrenz bereits in Braunschweig, Göttingen, Karlsruhe, Kassel, Lübeck, Osnabrück und vielen weiteren Städten. Einzelne dieser Betreiber bieten auch bereits die Buchung via App an, so Minicar 24 aus Kassel. Von daher ist Uber nichts Neues. Taxi-Konkurrenz gibt es in Deutschland bereits. Das neue an Uber ist, dass sie sich nicht an die gesetzlichen Regelungen halten wollen, wie die Anmeldung als Personen­beförderungsunternehmen und die P-Schein-Pflicht, und dass sie weltweit tätig sind.

Uber teils deutlich teurer als Taxi

Uber bietet in Berlin zwei Tarifmodelle an: Das günstigere der beiden ist "uberPOP" mit 1 Euro Startpreis, 0,35 Euro pro Minute und 1 Euro pro Kilometer. Zum Vergleich der Berliner Taxitarif: 3,40 Euro Grundpreis, 0,42 Euro pro Minute, 1,79 Euro pro Kilometer für die ersten sieben Kilometer, 1,28 Euro pro Kilometer danach. Das klingt erstmal so, als ob Uber merklich günstiger wäre. Doch der Schein trügt: Bei Berliner Taxis fällt der Zeitpreis nur dann an, wenn das Taxi länger als eine Minute am Stück steht. Normale Ampelstopps sind aber kürzer. Bei den meisten Taxifahrten in Berlin sind daher nur der Grundpreis und der Kilometer­preis zu bezahlen. Bei Uber kommen hingegen immer Startpreis, Zeitpreis und Entfernungs­preis zusammen.

Eine 40 Minuten dauernde und 20 Kilometer weite Fahrt quer durch Berlin kostet mit dem Taxi also 32,40 Euro, mit uberPOP hingegen 35 Euro, und mit "Black" gar 43,50 Euro. Bei langen Strecken geht Uber also noch mehr ins Geld als selbst die Nutzung eines Taxis! Klar liegt Uber bei Kurzstrecken aufgrund des niedrigeren Startpreises ein paar Euro unter dem Taxipreis. Aber gerade bei kurzen Strecken macht es einen Unterschied, ob man einen Mietwagen erst per App bestellen und dann auf dessen Ankunft warten muss oder einfach eines der an den Hauptstraßen in Berlin eh meist zahlreich vorbei­fahrenden freien Taxis einfach herbeiwinken und sofort einsteigen kann. Auch an den Berliner Bahnhöfen und Flughäfen ist es üblich, dass Taxis auf Fahrgäste warten und nicht Fahrgäste auf Taxis. Gut, ein teilweise fertig gestellter Berliner Flughafen wartet sowohl auf Taxis als auch auf Fahr- und Fluggäste, aber das ist eine andere (traurige) Geschichte.

Zurück zu den Taxis: In Berlin sind 7 600 Taxis auf den Straßen, die von 18 000 Fahrern bewegt werden. Viele Fahrzeuge sind im Schichtdienst mehreren Fahrern zugeteilt. Folglich kann man von 100 000 Euro durch­schnittlichem Jahresumsatz pro Taxi ausgehen. Das entspricht einem Gesamtumsatz von 0,76 Milliarden Euro. Uber kommt nach Ende 2013 geleakten Zahlen in etwa auf denselben Umsatz. Weltweit, wohlgemerkt! Da sind Megacities wie Tokyo oder Los Angeles drunter, in denen das Taxi-Gewerbe jeweils noch deutlich mehr Umsatz machen dürfte als in Berlin. Gut, Uber will kräftig wachsen, und könnte darüber noch zur erheblichen Konkurrenz werden. Derzeit sind sie es aber noch nicht.

Auch kein besserer Service

Über den Preis kann oder will Uber derzeit anscheinend zumindest in Berlin nicht punkten. Über besseren Service macht der App-Anbieter aber auch keine Stiche: Wahl eines bestimmten Fahrzeugs mit bekanntem, geschätzten Fahrer? Fehlanzeige! Vor­reservierung für eine bestimmte Uhrzeit? Fehlanzeige! Die einzige Wahl, die der Kunde bei Uber hat, ist zwischen verschiedenen Fahrzeugklassen, wobei höherwertige Klassen einen Aufpreis kosten. Zwischen verschiedenen Fahrzeug­modellen kann der Kunde beim Taxi meist auch wählen - in vielen Fällen sogar ohne Aufpreis.

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