Imagewechsel

Uber will Neustart als bessere Firma wagen

Uber wurde seit Jahren eine toxische Unternehmenskultur vorgeworfen. Jetzt verspricht das milliardenschwere Start-up einen großen Neuanfang. Gründer und Chef Travis Kalanick nimmt eine Auszeit.
Von dpa /
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Kaum ein Start-up war je so aggressiv in seinem Vormarsch, so umstritten und - vielleicht gerade deswegen - so beliebt bei Investoren wie Uber. Die Firma aus San Francisco legte sich welt­weit mit der Taxi­branche an, setzte sich über ungünstige Gesetze gern einfach hinweg, hielt sich Behörden-Kontrolleure mit einer falschen Version seiner App vom Hals, verbrannte Milliarden bei der internationalen Expansion und wurde dennoch bei Finanz­spritzen mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet. Im Firmen­alltag wurden jedoch Beschwerden über sexuelle Belästigung oder Diskriminierung unter den Teppich gekehrt. Es fehlten elementare Kontroll­mechanismen und erfolgreiche Mitarbeiter konnten sich spektakuläre Fehl­tritte erlauben.

Uber wurde so zum Symbol für eine toxische Firmen­kultur im Silicon Valley, wo der geringe Anteil und die Diskriminierung von Frauen im Arbeits­leben bereits ein wieder­kehrendes Thema ist. Selbst in diesem Umfeld wirkte Uber aber wie ein Club unreifer Jungs, die sich nur um Erfolg und Spaß scheren und dabei einen lockeren Umgang mit Recht, Wahrheit oder Moral pflegen.

Keine Toleranz mehr für "brillante Arschlöcher"

Ein Schild mit dem Logo des amerikanischen Dienstleistungsunternehmens Uber ist am 15.03.2017 in New York (USA) am einem Abholpunkt von Uber auf dem LaGuardia Flughafen zu sehen.Neuanfang: Uber hat genug vom schlechten Image Jetzt soll damit Schluss sein. Gestern versprach Uber nach einer Häufung großer und kleiner Krisen einen Neuanfang. Personal­führung, Disziplin, Umgang mit Beschwerden, Gleich­berechtigung, der Anteil von Frauen in Führungs­positionen - das alles soll nach Vorschlägen einer Untersuchungs­kommission unter Führung des ehemaligen Justiz­ministers Eric Holder besser werden. Es werde keine Toleranz mehr für "brillante Arschlöcher" geben, die in der Vergangen­heit oft einen Frei­brief bekommen haben sollen, versicherte Medien­managerin Arianna Huffington.

Die allererste Empfehlung des Berichts mit 13 dicht beschriebenen Seiten: Mitgründer und Chef Travis Kalanick muss einen Teil seiner Vollmachten an andere Top-Manager abgeben. Kalanick, der gerade um seine bei einem Boots­unfall getötete Mutter trauert, kündigte mit Vorstellung der Maßnahmen eine Auszeit an. "Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind", schrieb er an die Mitarbeiter. Die Auszeit könne kürzer oder länger ausfallen als man heute absehen könne.

Kalanick: prägende Kraft im Hintergrund

Kalanick war über die Jahre das Gesicht von Uber und galt als die prägende Kraft im Hinter­grund. Er gründete Uber Anfang 30 nach mehreren gescheiterten Versuchen als Unternehmer - und viele Silicon-Valley-Beobachter glauben, dass dieser persönliche Erfolgs­druck die Firmen­kultur von Uber durch­tränkte. "Die ultimative Verantwortung dafür, wo wir stehen und wie wir dort angekommen sind, liegt auf meinen Schultern", räumte Kalanick jetzt ein. Er wolle zu einem "Uber 2.0" als "Travis 2.0" zurück­kehren.

Uber-CEO Travis KalanickUber-CEO Travis Kalanick Alarm­signale gab es in den vergangenen Jahren viele. So begrüßte der New Yorker Uber-Manager Josh Mohrer 2014 eine Journalistin, die zum Interview kam, fröhlich mit den Worten, dass er ihren Weg über das interne System verfolgt habe. Die Erkenntnis, dass Uber-Mitarbeiter ganz offen­sichtlich nach Belieben die Fort­bewegung einzelner Nutzer beobachten konnten, sorgte kurzfristig für Aufregung. Uber verschärfte die Datenschutz­regeln für das sogenannte "God View", gelobte Besserung, der Manager behielt seinen Job, bis er jüngst zu einer Investment­firma weiter­zog.

Wenig später verstrickte sich Kalanicks Vertrauter Emil Michael in einer vermeintlich privaten Unterhaltung in Gedanken­spiele darüber, wie man heimlich das Privat­leben der kritischen Journalistin Sarah Lacy ausforschen könnte. In den Medien gab es einen Aufschrei, Kalanick distanzierte sich, Michael entschuldigte sich. Auch er behielt seinen Job - bis er Anfang dieser Woche dem Vernehmen nach unter Druck des Verwaltungs­rats ging. Danach wertete Uber für einen Blog­eintrag seine Daten­basis aus, um die Nutzung des Fahr­dienstes nach One-Night-Stands in verschiedenen US-Städten zu beziffern. Der als geschmacklos empfundene Post wurde schnell gelöscht.

Der Sturm zog jedes mal vorbei, Uber wuchs weiter. Das mag auch daran liegen, dass der Dienst zumindest im US-Markt mit den oft herunter­gekommenen Taxen und meist nur schwach ausgebautem öffentlichen Nahverkehr eine willkommene Alternative bietet. Saubere Autos, bemühte Fahrer (man wird schließlich bewertet), Preise deutlich unter dem Taxi-Tarif, wenn man sich von Privat­leuten fahren lässt. Mit UberPool versprach das Unternehmen zudem, den Verkehr in den Städten zu reduzieren, weil man in einem Auto Passagiere zusammen­bringt, die in eine Richtung wollen. So standen in der Öffentlich­keit mal die hehren Visionen, mal die frag­würdigen Methoden von Uber im Mittel­punkt.

Mitarbeiterinnen berichten von Belästigungen am Arbeits­platz

Es war ein Blogeintrag der Software-Entwicklerin Susan Fowler, der das Fass dann zum Über­laufen brachte. Sie beschrieb unter anderem, wie sie gleich an ihrem ersten Arbeits­tag ziemlich unver­hohlen von ihrem Manager über den Firmen­chat angebaggert wurde. Sie meldete den Vorfall mit Screenshots an die Personal­abteilung - und es passierte nichts. Weil der Mann eben eine wertvolle Top-Kraft, ein "high performer" sei, wurde ihr erklärt. Andere Frauen hätten von ähnlichen Geschichten berichtet.

Unabhängig davon beschrieb Fowler, wie rivalisierende Manager einander Steine in den Weg legten und damit eindeutig die Firma zurück­warfen. Der Blog­post schlug wie eine Bombe ein und schon am nächsten Tag leitete Uber die Untersuchung ein, aus der die Holder-Vorschläge hervorgingen. Dann kam es Schlag auf Schlag und es kamen weitere unschöne Details heraus wie ein Besuch von Top-Managern in einer südkoreanischen "Karaoke-Bar", in der man auch Frauen mit Nummern auf dem Kleid zu sich an den Tisch einladen konnte.

Ein Zwischen­fall bei der Vorstellung des Berichts zeigte fast schon wie in einer Parodie, wie tief die Probleme von Uber gehen. Huffington sagte, Daten belegten, dass wenn eine Frau in einen Verwaltungsrat einziehe, es viel wahrscheinlicher sei, dass eine zweite folgen werde. Ihr Kollege im Kontroll­gremium, der Milliardär David Bonderman, warf laut einem im Netz veröffentlichten Mitschnitt daraufhin ein: "Eigentlich ist vor allem belegt, dass dann mehr geredet wird" - was als eindeutig sexistische Bemerkung bei einem Treffen über Maßnahmen gegen Sexismus interpretiert wurde. "Oh, komm jetzt, David", seufzte Huffington entgeistert. Bonderman nahm wenige Stunden später seinen Hut.

Hierzulande tut sich Uber noch immer schwer. Der in Deutschland inzwischen eingestellte Fahrdienst Uber Black wurde sogar zu einem Fall für den Europäischen Gerichtshof.

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