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Erster Test: LTE bei E-Plus in der Berliner U-Bahn freigeschaltet

In der Berliner U-Bahn gibt es jetzt LTE - allerdings nur von E-Plus und nur auf einigen Abschnitten. Wir geben Ihnen alle Details dazu, wo genau schneller gesurft werden kann, und haben für Sie erste Erfahrungen mit dem neuen Netz im Untergrund gesammelt.
Von / Thorsten Neuhetzki
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Mobiles Internet in der Berliner U-Bahn war in den vergangenen Jahren für viele Nutzer gelinde gesagt ein Trauerspiel: Alle vier Netzbetreiber bieten dort maximal EDGE als schnellste Datenübertragungstechnik an. Zu manchen Zeiten wie frühmorgens und spätabends lässt sich damit immerhin chatten und auf abgespeckten mobilen Webseiten surfen. Doch insbesondere während der Hauptverkehrszeit und an Orten mit vielen Touristen sind mittlerweile so viele Mobiltelefone gleichzeitig ins Netz eingebucht, dass die Daten nur noch tröpfelnd oder gar nicht fließen. Davon sind alle vier Netze gleichermaßen betroffen.

Vor etwa drei Wochen erhielten wir einen Leserhinweis: Ein Leser habe mit LTE in der U-Bahn surfen können. Wir vermuteten, dass es sich um eine Einstrahlung von "Übertage" handeln musste, denn nach unseren Recherchen im vergangenen Jahr zum Thema Handy in der Berliner U-Bahn rechneten wir nicht damit, dass es eine bessere reguläre Versorgung geben würde. Auch ein Anruf bei der BVG bestätigte unseren Verdachtsmoment: Es sei dem Verkehrsunternehmen nichts bekannt, was einen Ausbau der Handynetze in der Berliner U-Bahn angeht. Der Ball liege diesbezüglich bei den Netzbetreibern.

Erster Test der teltarif.de-Redaktion erfolgreich

Surfen mit dem Handy: Mit E-Plus auf Teilen der U7 und U8 in Berlin jetzt mit LTE möglichSurfen mit dem Handy: Mit E-Plus auf Teilen der U7 und U8 in Berlin jetzt mit LTE möglich Am gestrigen 1. April teilten dann E-Plus und BVG in einer Pressemitteilung mit, man habe die Versorgung in der Berliner U-Bahn verbessert. Grund genug für uns, uns heute ausgestattet mit einem Google Nexus 5 und einer im E-Plus-Netz geschalteten SIM-Karte in die Berliner U-Bahn zu begeben. Zur Erinnerung: Im Rahmen seiner LTE-Einführungsaktion hat E-Plus alle im Netz befindlichen SIM-Karten, auch die der Töchter und Discounter, bis Ende Juni für den LTE-Betrieb freigeschaltet. Am vom Tarif vorgegebenen monatlichen Datenvolumen ändert sich allerdings nichts.

In der von BVG und E-Plus genannten U-Bahn-Linie 7 fuhren wir vom Mierendorffplatz los in Richtung Rudow. Lange tat sich nichts, vor allem in den höher frequentierten Umsteigebahnhöfen Bismarckstraße, Wilmersdorfer Straße, Fehrbelliner Platz, Berliner Straße, Bayerischer Platz und Yorckstraße verharrte die Netzanzeige eisern bei EDGE.

U7: Gneisenaustraße bis Hermannplatz versorgt

Hermannplatz - ein stark frequentierter Bahnhof in KreuzbergHermannplatz - ein stark frequentierter Bahnhof in Neukölln Kurz nach dem Bahnhof Mehringdamm tauchte dann im Tunnel in der fahrenden U-Bahn erstmals das HSPA-Zeichen im Display auf. Kurz vor dem Bahnhof Gneisenaustraße buchte sich das Smartphone dann ins LTE-Netz ein. In diesem Netz blieb das Handy dann auch bis kurz hinter Hermannplatz eingebucht. Kurz vor "Rathaus Neukölln" surften wir wieder mit EDGE-Geschwindigkeit.

U8: LTE von Boddinstraße bis zum "Kotti"

Anschließend wollten wir wissen, wie es um die Linie U8 bestellt ist. Der Bahnhof Boddinstraße, der aufgrund von Baumaßnahmen momentan der südliche Endbahnhof der U8 ist, ist bereits mit LTE versorgt. Als wir von dort aus Richtung Norden fuhren, blieb die LTE-Verbindung bis zum Kottbuser Tor - in Berlin auch liebevoll Kotti genannt - bestehen. Das ist der Umsteigebahnhof zur Linie U1. Auf der Strecke zum Moritzplatz brach dann die Verbindung ab und das Smartphone buchte sich wieder ins EDGE-Netz ein. Insgesamt sind also momentan bereits sechs U-Bahnhöfe und die verbindenden Tunnelstrecken in den Ortsteilen Neukölln und Kreuzberg mit LTE versorgt. E-Plus macht damit seine vor einem halben Jahr gegenüber teltarif.de gemachte Ankündigung, die U-Bahn abschnittsweise besser zu versorgen, wahr.

Maximale Datenraten im Up- und Downstream

Das Netz in der U-Bahn haben wir mithilfe der beiden Android-Apps RTR-Netztest und Floq getestet. Zwischen den Bahnhöfen und den Tunnelstrecken konnten wir keine nennenswerten Performance-Unterschiede feststellen, am späten Vormittag waren die Bahnen und Bahnhöfe jedoch auch nicht übermäßig bevölkert.

In der Spitze haben wir auf beiden Linien im LTE-Netz 31 MBit/s im Downstream gemessen. Auch der Upstream konnte sich mit 8,4 MBit/s durchaus sehen lassen. Sehr ordentlich waren auch die Ping-Werte zwischen 38 und 50 Millisekunden. Weitere Tests müssen zeigen, ob sich diese Werte zu gewissen Zeiten gegebenenfalls noch steigern lassen und in welche Richtung E-Plus von diesem Gebiet aus mit dem LTE-Ausbau weitermacht.

Technik ist auf der Seite von E-Plus

Zurückbleiben bitte: Ist die Bahn weg, kann zumindest schnell gesurft werdenZurückbleiben bitte: Ist die Bahn weg, kann zumindest schnell gesurft werden E-Plus hat gegenüber seinen Mitbewerbern technische Vorteile beim Ausbau in der U-Bahn der Hauptstadt. Als einziger Netzbetreiber hat der Anbieter eigene Basisstationen aufgebaut und nutzt diese, um Bahnhöfe und Tunnel mittels Richtfunkantennen zu versorgen. Die drei anderen Anbieter setzen auf Schlitzkabel, auf denen lediglich GSM möglich sei, so die Aussage der BVG im vergangenen Jahr. Möglicherweise stammt dieser Unterschied aus der Zeit, wo die BVG E-Plus als Betriebskommunikation einsetzte. Seinerzeit war der Anbieter der erste und einzige, der die Berliner U-Bahn mit Telefonie versorgte.

Fazit: Es kommt Bewegung in den ÖPNV

Positiv ist: Es kommt Bewegung in den Netzausbau in der Berliner U-Bahn. Und da jeder einmal klein angefangen hat, ist zu hoffen, dass auch weitere Netzabschnitte und Bahnhöfe künftig mit LTE von E-Plus versorgt werden. Auch der Ausbau durch andere Anbieter wäre dringend notwendig, wollen die Anbieter die Generation Smartphone, die regelmäßig die BVG nutzt, nicht an E-Plus verlieren.

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