Twitter-Übernahme

Elon Musk: "Der Vogel ist befreit" (Update)

Der Abschluss des Twitter-Kaufs ist noch nicht einmal offi­ziell verkündet - doch Elon Musk soll schon die Top-Manager des Online-Dienstes gefeuert haben. Der Deal geht über die Ziel­gerade genauso holperig wie schon die vergan­genen Monate waren.

Die Ära von Elon Musk bei Twitter hat laut Medi­enbe­richten mit Entlas­sungen in der Chef­etage begonnen. Am Donnerstag seien etwa der bishe­rige Firmen­chef Parag Agrawal und Finanz­chef Ned Segal gefeuert worden, berich­teten unter anderem der Sender CNBC und das Wall Street Journal. Nach Infor­mationen des Finanz­dienstes Bloom­berg will Musk zunächst selbst den Chef­posten über­nehmen. Erst mit der Zeit könnte er den Job an jemand anderen abgeben.

Musk ist bereits Chef unter anderem beim Elek­tro­auto-Hersteller Tesla und seiner Welt­raum­firma SpaceX. Er führt auch klei­nere Projekte wie das Tunnelbau-Unter­nehmen Boring Company und die Forschungs­firma Neura­link, die Tech­nolo­gien zur direkten Vernet­zung von Menschen und Compu­tern entwi­ckelt.

Musk wolle lebens­lange Sperren für Nutzer abschaffen

Twitter-Übernahme: Musk soll mit Entlassungen in der Chefetage begonnen haben Twitter-Übernahme: Musk soll mit Entlassungen in der Chefetage begonnen haben
Bild: picture alliance/dpa
Laut dem Bericht will Musk auch seine Ankün­digung umsetzen, lebens­lange Sperren für Nutzer bei Twitter abzu­schaffen. Von einer solchen - nach bishe­rigen Angaben unum­kehr­baren Verban­nung - ist unter anderem der ameri­kani­sche Ex-Präsi­dent Donald Trump betroffen. Ob die Abschaf­fung der lebens­langen Sperren auch die Posi­tion von Trump verän­dern würde, sei noch unklar, hieß es bei Bloom­berg.

Trump hatte sich noch als US-Präsi­dent in einem Twitter-Video lobend über seine Anhänger geäu­ßert, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmten. Daraufhin wurde er von der Platt­form verbannt. Unter den am Donnerstag entlas­senen war den Berichten zufolge auch die für den Kampf gegen Hass­rede und falsche Infor­mationen zustän­dige Top-Mana­gerin Vijaya Gadde.

Kryp­tischer Tweet von Musk

Musk selbst deutete in seiner übli­chen Manier den Abschluss der Twitter-Über­nahme mit einem etwas kryp­tischen Tweet an. "Der Vogel ist befreit", schrieb er ohne weitere Details. Das Twitter-Logo ist ein blauer Vogel - und Musk hatte stets betont, die Platt­form von aus seiner Sicht zu starken Einschrän­kungen der Meinungs­frei­heit zu befreien. Kritiker befürchten, dass er damit Hass­rede und Hetze Vorschub leisten könnte, gegen die Twit­ters Teams seit Jahren ankämpfen.

Musk hatte Agrawal und die Twitter-Führung in den vergan­genen Monaten immer wieder kriti­siert. Mindes­tens einer der Manager sei aus der Firmen­zen­trale heraus­begleitet worden, schrieb die "New York Times" unter Beru­fung auf infor­mierte Personen. Bloom­berg zufolge war es der Chef­jurist Sean Edgett. Eine offi­zielle Mittei­lung zum Abschluss der rund 44 Milli­arden Dollar schweren Über­nahme stand immer noch aus.

Der "New York Times" zufolge war zunächst auch unklar, ob der Deal zum Zeit­punkt der Entlas­sungen bereits voll­zogen gewesen sei. Laut "Washington Post" und "Wall Street Journal" ist der Tech-Milli­ardär aber seit Donnerstag der Eigen­tümer von Twitter.

Trans­aktion müsse in Kürze abge­schlossen sein

Die Trans­aktion muss bis Freitag um 17 Uhr Ostküsten-Zeit (23. Uhr MESZ) durch sein, sonst landet der Deal doch noch vor Gericht. Eine Rich­terin setzte Musk und Twitter diese Frist, um die Über­nahme nach mona­telangem Hin und Her endlich zu regeln. Die Aktie sollte laut einer Ankün­digung am Frei­tag­morgen US-Ostküs­ten­zeit vom Handel ausge­setzt werden - ein Hinweis auf eine bevor­ste­hende Ankün­digung.

Musk hatte die Über­nahme selbst einge­fädelt, dann aber versucht, unter Verweis auf angeb­lich falsche Angaben zur Zahl von Fake-Accounts bei Twitter aus dem Deal wieder heraus­zukommen. Twitter zerrte ihn vor Gericht - und Musk erklärte sich kurz vor Beginn des Prozesses im Bundes­staat Dela­ware bereit, Twitter zum ursprüng­lich verein­barten Preis von 54,20 Dollar pro Aktie zu kaufen. Dass er dabei die Einstel­lung des Gerichts­ver­fah­rens als Bedin­gung stellte, sorgte aber bis zuletzt noch für Unsi­cher­heit.

Dass Musk sich doch noch mit seiner neuen Rolle als Twitter-Besitzer abge­funden hat, zeichnet sich schon seit Tagen ab. Bereits am Mitt­woch tauchte er in der Konzern­zen­trale in San Fran­cisco auf und bezeich­nete sich in seinem Twitter-Profil nun als "Chief Twit". Am Freitag will er sich laut US-Medien in größerem Stil den Beschäf­tigten dort vorstellen.

Das dürfte kein leichter Auftritt für ihn werden, nachdem zuletzt Berichte über einen großen Stel­len­abbau für Verun­siche­rung bei den Mitar­bei­terinnen und Mitar­bei­tern sorgten. Infor­mationen, wonach er drei Viertel der Beschäf­tigten raus­werfen wolle, soll er diese Woche in der Zentrale zurück­gewiesen haben.

Eine Platt­form "warm und einla­dend für alle"

Musk versuchte schon am Donnerstag, Werbe­kunden und Nutzer zu beru­higen, die unter ihm eine Verro­hung des Tons beim Online-Dienst befürchten. Twitter dürfe kein "Ort des Grauens" werden, wo ohne Konse­quenzen alles gesagt werden könne, schrieb Musk in einem offenen Brief an Anzei­gen­kunden. Die Platt­form müsse "warm und einla­dend für alle" sein, schrieb Musk nun.

Er habe Twitter nicht gekauft, weil es einfach sein würde oder um mehr Geld zu machen, schrieb Musk. "Ich tat es, um der Mensch­heit zu helfen, die ich liebe", verkün­dete er. Und er gehe die Aufgabe mit Demut an - und im Bewusst­sein, dass er trotz aller Bemü­hungen schei­tern könne. Musk begrün­dete den Kauf auch stets mit dem Anliegen, die Rede­frei­heit zu stärken.

Trumps Verban­nung von Twitter bezeich­nete Musk im Mai als "mora­lisch falsch und einfach nur dumm". Eine Rück­kehr zu dem einfluss­rei­chen Netz­werk würde für Trump für eine mögliche Kandi­datur bei der Präsi­dent­schafts­wahl 2024 gerade recht­zeitig kommen. Er selbst zeigte sich zwar zufrieden mit der Präsenz bei seiner eigenen Twitter-Kopie Truth Social. Aller­dings hat er dort nur wenige Millionen Follower, statt mehr als 80 Millionen einst bei Twitter.

Update: 15:18 Uhr

Elon Musk hat den rund 44 Milli­arden Dollar (44,2 Mrd. Euro) teuren Kauf des Kurz­nach­rich­ten­dienstes Twitter abge­schlossen. Twitter infor­mierte die US-Wert­papier­auf­sicht SEC heute über den Rückzug von der Börse und bestä­tigte damit den Vollzug der Über­nahme.

In einer weiteren News geht es um ein EuGH-Urteil: Persön­liche Daten müssen sich leicht löschen lassen.

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