Börsengang

Frische Twitter-Zahlen: Mehr Nutzer, mehr Umsatz, mehr Verlust

Twitter geht nicht zur Nasdaq, sondern zur New Yorker Börse
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Twitter hofft auf BörsengangTwitter hofft auf Börsengang Beim Kurz­nachrichten­dienst Twitter sind in den ver­gangen­en Monaten Umsatz und Nutzer­zahlen kräftig gewachsen - aber auch der Verlust ging in die Höhe. Das Unter­nehmen aus San Francisco, das kurz vor einem Börsengang steht, legte gestern abend frische Zahlen für das dritte Quartal vor.

Demnach legte der Umsatz auf 168,6 Millionen Dollar zu. Im zweiten Viertel­jahr waren es noch 139,3 Millionen Dollar. Zugleich stieg aber auch der Verlust binnen drei Monaten von gut 42 auf 64,6 Millionen Dollar. Nach wie vor ist "Forschung und Entwicklung" der mit Abstand größte Aus­gaben­posten, im dritten Quartal verbuchte Twitter dafür über 29 Millionen Dollar.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg in dieser Zeit von 218 auf 232 Millionen. Von ihnen greifen inzwischen 70 Prozent von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets auf den Dienst zu. Das ist ein leichter Zuwachs von 65 Prozent drei Monate zuvor.

In dem aktualisierten Börsen­prospekt machte Twitter auch aus­führ­lichere Angaben über die Aktien­pakete der großen Anteilseigner. Demnach kontrolliert der Kapitalgeber Rizvi Traverse mit 17,9 Prozent den mit Abstand größte Anteil. Es folgen Mitgründer Evan Williams mit zwölf Prozent und die Bank JP Morgan mit 10,3 Prozent. Danach kommen die Risikoinvestoren Spark Capital (6,8 Prozent), Benchmark (6,6 Prozent) und Union Square Ventures (5,9 Prozent).

Nach Informationen des US-Wirtschaftssenders CNBC und der New York Times ist geplant, dass die Twitter-Aktie am 15. November zum ersten Mal gehandelt wird. Die Medien beriefen sich dabei auf eingeweihte Personen. Die sogenannte Roadshow, auf der das Management zuvor bei Investoren wirbt, könnte demnach in knapp zwei Wochen starten.

Gut überlegtes Börsenprojekt

Twitter kündigte zudem an, dass die Firma ihre Aktien nicht an der Techno­logie­börse Nasdaq, sondern an der konkur­rieren­den New Yorker Börse NYSE platziert wird. Beide Handelsplätze hatten um den Börsengang geworben. Twitter will voraus­sicht­lich rund eine Milliarde Dollar einnehmen, der Börsen­wert wird auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Beobachter werteten die Ent­scheidung für die NYSE als eine Ab­grenzung gegenüber Facebook. Das weltgrößte Online-Netzwerk hatte im vergangenen Jahr für seinen Börsen­gang die Nasdaq gewählt. Wegen über­lasteter Systeme wussten Zehn­tausende Anleger jedoch damals zunächst nicht, ob sie die Aktie nun gekauft oder verkauft hatten. Die Börsenaufsicht SEC brummte der Nasdaq deshalb eine Millionen­strafe auf und Anleger bekamen eine Entschädigung.

Der holprige Einstand lastete wie ein Fluch auf der Facebook-Aktie, die zwischen­zeitlich mehr als die Hälfe ihres Wertes einbüßte. Inzwischen steht das Papier allerdings im Plus. Twitter ist der bedeutendste Börsengang in der Internet-Branche seit Facebook. Die Aktien­platzierung soll voraus­sichtlich rund eine Milliarde Dollar einbringen, der Marktwert von Twitter wird auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Der Börsenprojekt wird aber auch als eine umfangreiche Selbstdarstellung des Unternehmens samt Geschäftszahlen, Risiken, Aussichten und Eigentumsverhältnissen gesehen. Als Risiko wird dabei ausdrücklich die Marktmacht größerer Technologiefirmen genannt, allen voran Google.

Twitter hat sich zum viel­leicht wichtigsten Medium für schnelle Nachrichten entwickelt. Nutzer können über den Dienst 140 Zeichen lange Text­nachrichten verschicken, die auch auf Fotos, Videos oder fremde Websites verweisen können. Mehr als 500 Millionen dieser sogenannten Tweets gehen täglich raus.

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