Zick-Zack-Kurs

Twitter: Hoch geflogen und tief gefallen

Ein skurriler Auftritt von Twitter-Chef Jack Dorsey lässt den Aktienkurs abstürzen - dabei waren die vorgelegten Zahlen deutlich besser als erwartet.
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
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Die Zwitscher-Plattform Twitter ist in Sachen Geldverdienen bisher keine Erfolgsgeschichte, auch wenn die Zahl der Nutzer, die mindestens einmal im Monat bei Twitter reinschauen, um 8 Millionen auf jetzt 316 Millionen angestiegen ist. Das ist aber viel zu wenig, um aus den roten Zahlen zu kommen, in denen Twitter weiterhin feststeckt.

Zwar lief es zumindest beim Umsatz besser als erwartet, hier meldete die Plattform [Link entfernt] für das zweite Quartal einen Anstieg der Erlöse um 61 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert auf 502 Millionen Dollar (455 Millionen Euro). Ohne den Einfluss des starken Dollars, der die Auslandseinnahmen nach Umrechnung in US-Währung reduziert, hätte der Zuwachs 68 Prozent betragen. Die Markterwartungen wurden damit deutlich übertroffen.

Die Aktie legte nachbörslich zunächst um mehr als zehn Prozent zu, allerdings bröckelten die Gewinne während der Analystenkonferenz von Twitter rasch ab, und letztlich drehte der Kurs sogar ins Minus, nachdem Interimschef und Twitter-Mitgründer Jack Dorsey, eine launige Ansprache gehalten hatte. Dorsey, der den Spitzenjob vom im Juni nach Dauerkritik von Aktionären zurückgetretenen Dick Costolo übernommen hatte, erklärte, dass er mit dem Nutzerwachstum nicht zufrieden sei, mehr noch: Es sei inakzeptabel, dass die Versuche, mit neuen Features mehr Nutzer anzulocken, nicht funktionieren würden. "Wir sind nicht glücklich darüber."

Twitter ist zu kompliziert

Twitter macht mehr Umsatz als erwartetTwitter macht mehr Umsatz als erwartet Und damit nicht genug, setzte Dorsey, der mit Kapuzenpulli und Hipster-Vollbart auftrat, noch einen drauf: Twitter sei zu kompliziert, so die Kernbotschaft der über Twitters Livestream-App Periscope übertragenen Konferenzschalte. Und Finanzchef Noto erklärte: "Wir erwarten kein nachhaltiges, bedeutendes Wachstum, bevor wir den Massenmarkt erreichen." Es werde beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen, bis der Firma eine Wende gelingen könne.

Damit war die anfängliche Freude über die Quartalszahlen am Markt dahin und die Aktie stürzte gnadenlos ab. Möglicherweise wird sich ohnehin bald ein anderes Management um Twitters Baustellen kümmern - Twitter wird schon länger als Übernahmekandidat gehandelt.

Spekulationen, dass Dorsey, der das Unternehmen bereits in der Vergangenheit geführt hatte, dauerhaft übernehmen könnte, hatten sich nicht bestätigt. Dorsey leitet parallel auch noch den Bezahldienst Square, der laut US-Medien vor dem Börsengang steht.

Die Werbeeinnahmen nahmen um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu. Davon entfielen 88 Prozent auf das zukunftsträchtige Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Obwohl Börsianer mit schlechteren Ergebnissen gerechnet hatten, war es die bislang schwächste Umsatzentwicklung in einem Quartal seit dem Börsengang im November 2013.

Zudem verliert das Unternehmen weiterhin Geld - auch wenn das Minus unter dem Strich zum Vorjahr immerhin von 145 auf 137 Millionen Dollar verringert werden konnte.

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