Streaming

Star-Aufgebot: TVNow geht in die Streaming-Offensive

Mit elf neuen Eigen­produk­tionen im Seri­enformat will das RTL-Unter­nehmen TVNow in den kommenden Jahren seine Posi­tion im Strea­ming-TV-Markt erheb­lich ausbauen.

TVNow baut Angebot aus TVNow baut Angebot aus
Screenshot: Michael Fuhr
Der Strea­ming-Anbieter TVNow geht laut eigenen Angaben in die Enter­tain­ment-Offen­sive. Mit elf neuen Eigen­produk­tionen im Seri­enformat will das RTL-Unter­nehmen in den kommenden Jahren seine Posi­tion im Strea­ming-TV-Markt erheb­lich ausbauen. "Wir meinen es ernst und setzen verstärkt auf Fiction. In den neuen Serien wollen wir Charak­tere zeigen, an denen die Menschen ando­cken können", erklärte Co-Geschäfts­leiter Henning Tewes bei der Vorstel­lung der Seri­enfor­mate in Berlin.

Unter­nehmen setzt auf bekannte TV-Größen

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Screenshot: Michael Fuhr
Das Unter­nehmen setzt bei den neuen Produk­tionen mehr denn je auf die Strahl­kraft bekannter TV-Größen. Zu den Darstel­lern in den Serien zählen promi­nente Namen wie Chris­toph-Maria Herbst, Iris Berben, Heiner Lauter­bach, Alex­andra Maria Lara und Walter Sittler. Auf der krea­tiven Ebene sollen renom­mierte Produ­zenten­größen wie Oliver Berben, Nico Hoff­mann oder Stefan Arndt für Qualität und hohen Unter­haltungs­wert sorgen. "In Zeiten des allge­meinen Content-Über­flusses kann man nur mit quali­tativer Exzel­lenz ein Ausru­fezei­chen setzen. Wir wollen die erste Anlauf­stelle für die größten Talente sein", betonte Hauke Bartel, der gemeinsam mit Frauke Neeb die Bereichs­leitung Fiction bei der Medi­engruppe RTL verant­wortet.

Aus diesem Grund setze TVNow bei der Entwick­lung der Serien verstärkt auf die Hilfe bran­chen­fremder Experten, wie den Rechts­experten und Best­seller-Autor Ferdi­nand von Schi­rach, der das Dreh­buch zur neuen Serie “Glauben” geschrieben hat. Die von Oliver Berben produ­zierte Serie rekon­stru­iert Verfeh­lungen der deut­schen Justiz im Verlauf eines Straf­prozesses, bei dem in den neun­ziger Jahren 25 Menschen zu Unrecht des Kindes­miss­brauchs beschul­digt wurden.

Auch andere Seri­enfor­mate thema­tisieren spek­taku­läre Ereig­nisse der jüngeren deut­schen Vergan­genheit. Die eben­falls von Oliver Berben produ­zierte Serie "Wolfs­burg" bemüht sich um die filmi­sche Aufar­beitung der Volks­wagen-Diesel-Affäre, das Projekt "Der König von Palma" erzählt die Aufstiegs­geschichte eines deut­schen Fami­lien­vaters während der touris­tischen Boom-Jahre auf Mallorca in der Zeit nach dem Mauer­fall. "Bochum Disko" schil­dert das Aufkommen der Musik­club-Kultur im Ruhr­gebiet der Sieb­ziger Jahre, "Torstraße 1" erzählt eine Liebes­geschichte im Kontext eines geschichts­träch­tigen Gebäudes im Osten Berlins.

Ehema­lige "Bunte"-Chef­redak­teurin entwi­ckelt Format

Andere Seri­enpro­jekte orien­tieren sich stärker an der Gegen­wart. Die Autorin Yoko Higuchi-Zitz­mann und die ehema­lige "Bunte"-Chef­redak­teurin Patricia Riekel entwi­ckelten das Dreh­buch zu "Herzog­park", einem Münchener Reichen­viertel mit einer hoher Dichte an DAX-Vorständen und Millio­närs­gattinnen. Das noch in der Casting-Phase befind­liche Seri­enpro­jekt "Mirella Schulze rettet die Welt" versetzt eine deut­sche Greta-Thun­berg-Figur in eine typi­sche deut­sche Durch­schnitts­familie. Komö­dien­lieb­haber sollen bei dem Vier­teiler "Unter Freunden stirbt man nicht" (mit Iris Berben) sowie bei "Thilo Neumann und das Universum" (mit Chris­toph Maria Herbst) auf ihre Kosten kommen.

Neben bekannten Gesich­tern und bewährten Plot-Mustern will TVNow bei seiner Serien-Offen­sive auch mit weniger konven­tionellen Konzepten über­zeugen. Die von Nico Hoff­mann und UFA Fiction produ­zierte Krimi­nalserie “Die Zeugin” mit Alex­andra Maria Lara in der Haupt­rolle ist als Kammer­spiel ange­legt und thema­tisiert neuro-wissen­schaft­liche Fragen der Erin­nerungs­forschung.

Erst der Anfang für noch größere Initia­tive

TVNow-Co-Geschäfts­leiter Tewes hofft, mit diesem Mix die Basis für weiteres Wachstum zu schaffen: "Das ist ganz klar der Anfang einer noch größeren Offen­sive. Wir glauben fest daran, dass Strea­ming in der Mitte der Gesell­schaft ankommt – und für diese Ziel­gruppe Inhalte zu produ­zieren, ist seit Jahr­zehnten Kern­kompe­tenz der RTL-Gruppe."

Um die Posi­tion im Strea­ming-Markt zu festigen, würden die Syner­gien inner­halb der Unter­nehmens­gruppe inten­siviert. Die Stärken des linearen Fern­sehens sollen auch für den Strea­ming-Dienst genutzt werden, RTL und Vox wiederum sollen verstärkt Zugriff auf die Produk­tionen von TVNow erhalten: "Wir sind nicht Strea­ming und Broad­casting – wir sind beides. Jeder profi­tiert von jedem", so Tewes. Deut­lich werde diese Zusam­menar­beit etwa bei der neuen Serie "Tonis Welt", die als Spin-off der früheren Vox-Erfolgs­serie "Club der roten Bänder" konzi­piert wurde und zeit­lich ein Jahr nach der Origi­nalserie ange­siedelt ist.

Abo-Zahlen um 45 Prozent gewachsen

Das Unter­nehmen sieht sich durch die jüngste Geschäfts­entwick­lung in seinem Kurs bestä­tigt. Mit einem Mix aus Show, Real Life, Sport, Dokus und Fiction seien die Abo-Zahlen seit dem Relaunch von TVNow Ende 2018 um rund 45 Prozent gestei­gert worden, so Tewes. Mit über fünf Millionen Unique-Usern sei die Marke schon jetzt der “Local Hero” unter den deut­schen Strea­ming-Anbie­tern. Die Erwar­tungen für das Jahr 2019 seien weit über­troffen worden.

Wachs­tums­trei­bende Effekte erhofft sich TVNow nicht zuletzt durch den vergleichs­weise güns­tigen Abo-Tarif. Neben einem werbe­finan­zierten Free-Bereich wird der kosten­pflich­tige Premium-Bereich zum Monats­preis von 4,99 Euro ange­boten. Tewes will mit diesem Geschäfts­modell auch jene Neukunden gewinnen, die bisher nicht für Strea­ming-Dienste zu zahlen bereit waren: "Wir wollen mit den neuen Serien richtig Laut­stärke erzeugen und damit auch die 34jährige allein­erzie­hende Mutter in Herne errei­chen", so der Co-Geschäfts­leiter.

Weitere Infos zu TV Now finden Sie auch bei uns im Strea­ming-Ratgeber.

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