Ausprobiert

Test: Prepaid-Registrierung im Turkcell-Shop

Turkcell bietet bereits seit dem 1. Juli die Registrierung von Prepaidkarten im Ladengeschäft an. Wir haben die Identifizierung in einem Turkcell-Shop in Frankfurt getestet.
Aus Frankfurt am Main berichtet
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Der Turkcell-Shop in Frankfurt am Main
Der Turkcell-Shop in Frankfurt am Main
Seit dem 1. Juli verlangt der Gesetz­geber eine Identi­fi­zierung von Prepaid-Neukunden. Seither teilt sich die Welt der Mobil­funk-Anbieter auf in Provider, die ihre Kunden während der SIM-Karten-Registrierung aus­schließlich über das unbeliebte WebID-Verfahren identi­fi­zieren und solche, die eine Registrierung im Laden­ge­schäft oder über Postident der Deutschen Post anbieten.

Insbesondere die Ethno-Discounter verzeichnen einen hohen Anteil von ausländischen Kunden (Touristen und Geschäftsleute auf Besuch in Deutschland). Diesen ist es kaum zuzumuten, sich mit den Tücken eines deutschen Video-Identifikationsverfahrens auseinanderzusetzen, zumal nach der Ankunft in Deutschland vielleicht kein Internet-Zugang zur Verfügung steht. Außerdem gibt es nach wie vor lange Wartezeiten beim WebID-Prozess.

Der Ethno-Discounter Turkcell Europe hat darum frühzeitig ein Offline-Registrierungs­ver­fahren für die Turkcell-Shops entwickelt, über das die Kunden sich einfach innerhalb von wenigen Minuten im Ladengeschäft identifizieren lasen können. Laut Aussage von Turkcell ist das System bereits seit dem 1. Juli im Einsatz - wir haben es nun in einem offiziellen Turkcell-Shop in Frankfurt am Main getestet.

Das sind die Voraussetzungen für Turkcell-Europe-Händler

Turkcell ist kein eigenes Unternehmen, sondern eine Marke der Telekom-Tochter Telekom Deutschland Multibrand GmbH, zu der auch die Prepaid-Marke FCB Mobil in Kooperation mit dem FC Bayern München gehört. Beide Provider funken im Telekom-Mobilfunknetz, Turkcell hat aber keine LTE-Freischaltung. Während FCB Mobil exklusive Fan-Vorteile für Fußballfans bieten möchte, wendet sich Turkcell an Türkei-Reisende, aber auch an die türkische Community in Deutschland.

Ähnlich wie bei anderen Ethno-Discountern muss man auch bei Turkcell unterscheiden zwischen bloßen Verkaufsstellen, in denen die SIM-Karten samt Startguthaben einfach nur verkauft werden (zum Beispiel an Tankstellen) und zwischen Shops, die auch gleich die Registrierung anbieten. Turkcell plant, dass möglichst viele Verkaufsstellen zukünftig auch die Registrierung im Shop durchführen.

Im Gespräch mit den Turkcell-Mitarbeitern im Frankfurter Shop erfuhren wir, dass die Vertriebsmitarbeiter der Telekom Multibrand schon vor dem 1. Juli unterwegs waren, um das Registrierungssystem in möglichst vielen Shops zu installieren und die Mitarbeiter zu schulen. Jeder Mitarbeiter bekommt das Prozedere separat gezeigt und muss auch bei jedem Registrierungsvorgang im Händlerportal seinen Namen angeben.

Ein Computer mit Internetzugang und Zugriff auf das Händlerportal war natürlich schon vor dem 1. Juli in jedem Shop vorhanden, für die Registrierung müssen die Händler auf einem Smartphone noch zusätzlich die Identifizierungs-App von Turkcell installieren, die für Android und iOS verfügbar ist. Die App ist natürlich direkt mit dem Händlerportal gekoppelt, außer den offiziellen Händlern kann sie also niemand benutzen.

Prepaid-Starterpakete im Shop
Prepaid-Starterpakete im Shop

Prepaid-Registrierung bei Turkcell im Test

Wenn der Kunde in den Turkcell-Shop kommt und eine Prepaid-Karte wünscht, fragt der Verkäufer zunächst nach dem Personalausweis und erklärt, dass in Deutschland eine Registrierung gesetzlich vorgeschrieben ist. Erkennt der Verkäufer auf den ersten Blick, dass Person und Foto des vorgelegten Ausweises nicht übereinstimmen, lehnt der Händler den Verkauf der SIM-Karte ab. Die Turkcell-Mitarbeiter im Shop versicherten uns, dass die Marke sehr viel Wert darauf legt, alle gesetzlichen Bestimmungen genauestens einzuhalten.

Zunächst gibt der Verkäufer im Händlerportal die Rufnummer und die SIM-Karten-Nummer vom Prepaid-Starterpaket ein. Anschließend tippt er von Hand die Daten des vorgelegten Personalausweises in ein Eingabefeld. Nun generiert das System einen QR-Code.

Im darauffolgenden Schritt muss der Händler auf seinem Smartphone die Identifizierungs-App öffnen und den auf dem Computer angezeigten QR-Code scannen. Dieser Code ist maximal 30 Minuten gültig - wird der Registrierungsvorgang für mehr als eine halbe Stunde unterbrochen, muss der Verkäufer alle Daten aus Sicherheitsgründen erneut eingeben.

Nach dem QR-Code-Scan wird mit der Identifizierungs-App der Personalausweis des Kunden abfotografiert, und zwar zuerst die Vorderseite und anschließend die Rückseite. Diese Fotos werden nicht auf dem Smartphone des Händlers gespeichert, sondern direkt an das Händlerportal übertragen und dort automatisiert mit den im Formular eingegebenen Daten abgeglichen. Dies kann mitunter einige Sekunden dauern - in unserem Test war der Abgleich nach etwa 15 Sekunden abgeschlossen.

In einer Übersicht aller in diesem Monat bereits aktivierten SIM-Karten taucht nun die neu registrierte SIM auf, die tatsächliche Freischaltung der SIM dauert dann nochmals wenige Minuten. Während unseres Tests wurde die von uns registrierte SIM-Karte nach etwa drei Minuten endgültig freigeschaltet. Der ganze Prozess dauerte rund acht bis zehn Minuten.

Wir wollten wissen, wie der Wechsel eines Prepaid-Inhabers durchgeführt wird, denn dies war nach dem 1. Juli bei einigen Prepaid-Anbietern ein Problem. Turkcell hat dafür im Händlerportal keinen Vorgang implementiert, man hilft dem Kunden aber gerne im Shop und übermittelt ein Formular nebst Personalausweiskopie vom neuen Inhaber an die Kundenbetreuung.

Die Registrierungs-Anleitung für Shop-Mitarbeiter
Die Registrierungs-Anleitung für Shop-Mitarbeiter

Turkcell-Verkäufer als Tarifberater

Den persönlichen Kontakt im Shop nutzen die Shopmitarbeiter natürlich dazu, den Kunden über die Möglichkeiten der Guthabenaufladung und Optionsbuchung zu beraten. Mitunter hat der Kunde bereits eine Handynummer, unter der er erreichbar ist. Diese kann er im Shop hinterlassen. Der Shop-Mitarbeiter ruft dann an und sagt Bescheid, dass die gebuchte Datenoption aktiviert ist, falls dies nicht schon während des Besuchs im Shop geschehen ist. Damit wird verhindert, dass der Kunde die SIM einfach ins Smartphone legt, die mobile Datenverbindung aktiviert und diese dann MB-basiert abgerechnet wird, weil die Optionsbuchung noch nicht abgeschlossen war.

Natürlich können die Kunden alle Optionsbuchungen im Online-Kundencenter oder über die Turkcell-App vornehmen. Mit Services wie der persönlichen Benachrichtigung zur Bestätigung der Optionsbuchung möchte Turkcell sich allerdings von Prepaid-Anbietern mit reinem Online-Vertrieb abheben.

Ist kein Turkcell-Shop in der Nähe und hat der Kunde seine SIM bei einer Verkaufsstelle ohne Registrierungsmöglichkeit gekauft, kann er die Identifizierung auch in jedem Telekom-Shop durchführen lassen. Das gilt auch für Kunden einer FCB-Mobil-Prepaidkarte. Die Telekom Multibrand will den Kunden damit mehrere Offline-Alternativen zum WebID-Verfahren bieten.

Identifizierung: Unser Ausweis wird abfotografiert
Identifizierung: Unser Ausweis wird abfotografiert

Prepaid-Registrierungsverfahren bei teltarif.de im Test

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