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TuneIn Radio: Aufnahme-Stopp für neue Programme

TuneIn Radio will keine neuen Hörfunkprogramme mehr in sein Webradio-Verzeichnis aufnehmen. Für viele Nutzer ist der Dienst aber alternativlos.
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Probleme bei TuneIn RadioProbleme bei TuneIn Radio TuneIn Radio dürfte die weltweit meistgenutzte Webradio-App sein. Der Dienst ist aus dem früheren Radiotime hervorgegangen und ist nicht nur als Anwendung für Android, iOS und sogar Windows Phone und Blackberry 10 verfügbar. Auch für viele Smart-TV-Geräte ist TuneIn Radio verfügbar. Dazu kommt die Integration bei Android Auto und Apple CarPlay oder sogar direkt in Auto-HiFi-Systeme.

Nach eigenen Angaben hat TuneIn Radio mittlerweile rund 120.000 Radiostationen aus aller Welt gelistet. Dazu kommen Podcasts und auch Mehrwertdienste wie US-Sportübertragungen oder werbefreie Musikkanäle, die - anders als die herkömmlichen Radioprogramme und Podcasts - nur gegen Abo-Gebühren zu empfangen sind.

Funktionsumfang größer als bei der Konkurrenz

Mit seinem Funktionsumfang ist TuneIn Radio der wohl größte Internetradio-Aggregator der Welt. Kein Wunder also, dass im Google Play Store und im Apple AppStore deutlich mehr Rezensionen als etwa für Radio.de oder den Radioplayer zu finden sind. TuneIn Radio ist zwar nicht gerade ein Monopolist, aber eben doch mit Abstand Marktführer unter den Internetradio-Plattformen. Erst im vergangenen Jahr wurden Apps und Webauftritt komplett überarbeitet.

Bereits vor einigen Monaten machte sich TuneIn Radio allerdings bei Webradio-Anbietern unbeliebt, die die deutsche Laut.fm-Plattform zur Verbreitung ihrer Programme nutzen. Neuanmeldungen wurden von heute auf morgen ohne Begründung nicht mehr angenommen. Laut.fm teilte seinerzeit auf Anfrage mit, für die Zukunft sei es vorgesehen, dass neue Stationen, die auf der Plattform senden, sogar automatisch bei TuneIn Radio gelistet werden.

TuneIn: "Wir nehmen keine neuen Programme mehr auf"

Nun ist genau das Gegenteil der Fall. Bis auf weiteres nimmt TuneIn Radio nämlich überhaupt keine neuen Radioprogramme mehr in seine Datenbank auf. Das mussten dieser Tage die Macher von United DJs Radio feststellen, einem an Ostern gestarteten neuen Radioprojekt, an dem vornehmlich frühere Moderatoren des englischen Programms von Radio Luxemburg beteiligt sind. Beim Versuch, den neuen Sender bei TuneIn Radio anzumelden, erhielten sie eine Absage.

Wir haben bei TuneIn Radio nachgefragt und ebenfalls die Auskunft erhalten, das Portal nehme derzeit keine Neuanmeldungen mehr an. Dies beruhe auf einer "geschäftlichen Entscheidung". Von der TuneIn-Webseite ist das Menü, unter dem sich Programmveranstalter anmelden konnten, verschwunden. Lediglich Änderungen bei bestehenden Angeboten sind noch möglich.

Angesichts der inzwischen sechsstelligen Anzahl an gelisteten Programmen mag es nachvollziehbar sein, dass TuneIn Radio nicht mehr jedes kleine "Zehn-Hörer-Webradio" annehmen möchte. Nun aber generell keine neuen Sender mehr ins Verzeichnis aufzunehmen, wird perspektivisch dazu führen, dass der Dienst für die Kunden an Wert verliert. Der Aggregator sollte vor allem auch einmal Altlasten bereinigen und Programme löschen, die es gar nicht mehr gibt.

Tipp: Programme lassen sich auch manuell hinzufügen

Startseite der iPhone-App von TuneIn RadioStartseite der iPhone-App von TuneIn Radio Für die Nutzer, die auf TuneIn Radio angewiesen sind, ist die aktuelle Situation freilich unbefriedigend. Ein Workaround ist die Möglichkeit, einen gewünschten, nicht offiziell gelisteten Sender selbst hinzuzufügen. Dieser ist dann mit allen Geräten nutzbar, auf denen der gleiche (kostenlose) TuneIn-Account genutzt wird. Allerdings wurde dieses Feature aus der Webversion von TuneIn Radio ebenfalls entfernt. Unter Android lässt sich ein benutzerdefinierter Stream nicht mehr individuell benennen. Lediglich unter iOS ist die Funktion noch sinnvoll nutzbar.

Unklar ist derzeit, wie es mit TuneIn Radio weitergeht. In vielen Fällen haben die Nutzer keine Alternative zu diesem Portal, weil es mit dem verwendeten Endgerät fest verknüpft ist. Radio.de ist beispielsweise bei Android Auto und Apple CarPlay nicht verfügbar und bietet keine Möglichkeit, eigene Streams hinzuzufügen. Der Radioplayer listet nur Programme aus dem Land, aus dem die jeweilige App stammt. Zudem ist keine Favoriten-Synchronisation über mehrere Geräte hinweg möglich.

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